Interview der Woche mit Timo Ahr, Vorsitzender des DGB Saar

"Es wird auch Reibungspunkte geben"

Interview der Woche mit Timo Ahr, neuer stellvertretender Bezirksratsvorsitzender Rheinland-Pfalz/Saarland

Yvonne Schleinhege   09.07.2022 | 12:28 Uhr

Timo Ahr ist 28 Jahre alt, aufgewachsen in Wadgassen, zur Schule gegangen in Saarlouis. Seit ein paar Monaten sitzt er für die SPD im Saar-Landtag, ist dort stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Und seit dieser Woche ist er der neue stellvertretende Bezirksratsvorsitzende Rheinland-Pfalz/Saarland. Damit ist er der oberste Gewerkschaftsvertreter im Saarland.

Timo Ahr kommt aus der Stahlindustrie, hat dort gelernt und sich in der IG Metall-Jugend engagiert. Er steht in einer familiären gewerkschaftlichen Tradition: Sein Vater ist Betriebsratsvorsitzender von Saarstahl.

Tradition in der Stahlindustrie

Ihm sei, so Ahr, das Zusammenhaltsgefühl wichtig gewesen, "wenn man gemeinsam für eine Sache streitet und kämpft und am Ende auch etwas erreichen kann". Der Kampf seit 2015 um den Erhalt der Stahlindustrie habe ihn auch sehr geprägt. Das habe ihn quasi in diesen Gewerkschafts-Kontext hinein geführt.

Ordentliche Ansiedlungspolitik

Die Doppelfunktion als SPD-Fraktionsvorsitzender und DGB-Saar-Chef sei machbar, sagt Timo Ahr. Das habe man schon an Eugen Roth gesehen. In der Vergangenheit habe sich der DGB und auch die SPD-Landtagsfraktion dafür ausgesprochen, eine ordentliche Ansiedlungspolitik zu machen. „Und auch dafür zu sorgen, dass die Ansiedlungserfolge, die uns dann hoffentlich in der Zukunft weiter gelingen werden, nach Nobilia, SVolt et cetera, dass wir die dann auch ja dementsprechend in gute Arbeitsplätze umwandeln.“

Das bedeute, dort müssten auch Betriebsräte installiert werden. Dort müsse eine Gewerkschaft einen Zugang bekommen, „dass man am Ende auch Tarifverträge hat, das ist ein gestecktes Ziel.“

Das wird auch mal knallen

Es werde aber auch sicherlich zu Reibungspunkten kommen. Etwa beim Thema öffentlicher Dienst. Da müssten halt Lösungen gefunden werden. „Ich bin aber auch jemand, der sagt, am Ende muss auch müssen alle Interessen auch gewahrt werden. Und deshalb wird das an der einen oder anderen Stelle wird das auch mal gut saarländisch knallen.“

Aber das müsse eine Partei, und das müsse auch eine Gewerkschaft aushalten. Er als Person müsse am Ende auch diese beiden Interessen abwägen und für seine Entscheidungen mit Blick auf die Beschäftigten einstehen.

Insgesamt verjüngen

Für ihn, Timo Ahr, sei bei seinem gewerkschaftlichen Engagement irgendwann der Punkt gekommen, an dem sich die Grenzen des Einflusses der Gewerkschaften gezeigt habe. Die Politik gebe die Rahmenbedingungen vor. So sei er dann in die SPD eingetreten.

Sein Ziel ist, so Timo dass der DGB bei gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen stärker in Erscheinung tritt und auch jünger auftritt und auch sich innergewerkschaftlich verjüngt. „Gerade in der heutigen Zeit ist es, denke ich, ganz wichtig, dass die Menschen verstehen, warum man eine starke Gewerkschaft brauchen, um eben ihre Interessen zu vertreten.“ Auch die Menschen in der Hochschullandschaft bräuchten eine starke gewerkschaftliche Vertretung.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 09.07.2022 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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