Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Carsten Koall)

Kulturstaatsministerin Claudia Roth: "Das ist nicht Puschkins, sondern Putins Krieg"

Ein Gespräch mit Kulturstaatsministerin Claudia Roth

Alfred Schmitt  

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat nicht nur wirtschaftliche und politische Folgen. Auch die Kulturschaffenden sind betroffen, ob in Russland oder etwa auch in Deutschland. Kulturstaatsministerin Claudia Roth mahnt eine Unterstützung der Kulturschaffenden Russlands und Weißrusslands an, die dem Krieg kritisch gegenüberstehen.

Sendung: Samstag 14.05.2022 12:45

Für Kulturstaatsministerin Claudia Roth lügt das Putin- Regime und verdrehe. Es führe sowohl einen Propagandakrieg als auch einen Krieg gegen die Kultur. Deutschland solle diejenigen aufnehmen, die das Land verlassen, ob Kulturschaffende oder Journalistinnen und Journalisten. "Wir müssen sie unterstützen, dass sie hier ihre Stimme in Richtung Russland erheben können."

Gegen Kulturboykott

Roth spricht sich gegen einen Kulturboykott aus. Es sei absurd, russische Literatur aus den Schaufenstern von Buchläden herauszunehmen oder keine Musik mehr von Tschaikowsky zu spielen.

Der Krieg gegen die Kultur und gegen die Demokratie sei auch ein Krieg gegen eine freie Presse. In den Augen von Roth ist es wichtig, eine Infrastruktur für die Exilmedien aufzubauen. "Das ist übrigens explizit auch der Wunsch von Präsident Selenskyj."


Im Interview der Woche: Claudia Roth
Audio [SR 2, Alfred Schmit, 14.05.2022, Länge: 24:21 Min.]
Im Interview der Woche: Claudia Roth


Offener Brief als Teil der Debatte

Der offene Brief bekannter Persönlichkeiten in Deutschland zur Ukraine ist für Claudia Roth ein Zeichen der Meinungsfreiheit in der Demokratie. Sie teile die Ansichten nicht, finde die Debatte darüber wichtig. Für sie als Mitglied einer Partei, die sich über Jahrzehnte für Gewaltfreiheit eingesetzt habe, sei die Entscheidung, Rüstungsgüter zu liefern, eine sehr schwierige gewesen.

"Da ringen wir mit uns. Manchmal hast du das Gefühl, es zerreißt dich. Was ist vertretbar, was ist angemessen?" Auf solch schwierige Fragen gebe es aber keine einfachen Antworten. Sie denke aber, ein Land, das angegriffen, das überrollt werde von einem aggressiven Angriffskrieg, ein souveränes Land muss das Recht haben, sich zu verteidigen.

Keine Verengung auf "schwere Waffen"

"Und das ist ja auch völkerrechtlich verbrieft. Aber wie soll denn Verteidigung aussehen, wenn die Mittel dafür gar nicht da sind? Insofern unterstütze ich die Rüstungslieferungen ja, warne aber davor, dass man sich so leicht macht und glaubt mit der Verengung der ganzen Debatte nur noch auf die Frage, schwere Waffen oder nicht."

Für Roth geht dazu auch viel mehr wie humanitäre Hilfe, etwa wirtschaftliche Unterstützung, die Aufnahme von Geflüchteten, der Schutz von Kulturgütern. Und auch der Wiederaufbau der Regionen, der Städte und Gemeinden, der kulturellen Einrichtungen.

Stärkung der Demokratie

Roth hat die Kultur- und Medienminister der G7-Länder für den 19. Juni und am 20. Juni zu einer Konferenz in Bonn eingeladen. "Wir wollen eine Erklärung verabschieden zu der Rolle der Medien in einer Demokratie, zu Maßnahmen gegen Desinformation und Propaganda." In der G7-Präsidentschaft Deutschlands gehe es nicht nur um Klimapolitik, Wirtschafts- und Handelspolitik. Es gehe auch um die Frage, "wie stärken wir die Demokratie?"


Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 14.05.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt Clauda Roth. (Bildquelle: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Carsten Koall)


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja