Kerstin Andreae (Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

"Wir brauchen einen Zubau an Windenergie, den wir so noch nicht erlebt haben"

Ein Gespräch mit Kerstin Andreae vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

  23.04.2022 | 12:45 Uhr

Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft, Kertin Andrae, spricht sich für ein bundesweite Kampagne zum Energiesparen und für einen deutlichen Ausbau der Windenergie aus. Europa müsse unabhängiger von Energie aus Russland werden. Das Interview der Woche.

Sendung: Samstag 23.04.2022 12:45 Uhr

Gegen ein Gasembargo

Kerstin Andreae war Fraktionsvize der Grünen im Bundestag und auch wirtschaftspolitische Sprecherin. Jetzt ist sie Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Damit vertritt sie rund 1900 Firmen, Unternehmen einschließlich der großen Versorger. Von diesen hört sie, dass ein "Embargo natürlich erstmal zu einem Versorgungsengpass führt". Auf der anderen Seite sei allen klar: "Die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen ist zu hoch."

Darum müsse Deutschland schnell unabhängiger werden von den russischen Energielieferungen. Der BDEW sei aber gegen ein Gasembargo.


Im Interview der Woche: Kerstin Andreae
Audio [SR 2, Alfred Schmit, 23.04.2022, Länge: 24:07 Min.]
Im Interview der Woche: Kerstin Andreae


50 Prozent des Gases ließe sich ersetzen

In Deutschland gebe es einen sogenannten Notfallplan. Der ist, so Andreae, auf kurzfristige Engpässe vorbereitet. Dann unterstützten sich die Länder gegenseitig. Jetzt gebe es eine völlig neue Lage. Dabei müsse auch die wirtschaftliche Situation in Deutschland im Blick behalten werden.

Nach Berechnungen des BDEW lasse sich rund 50 Prozent des russischen Erdgases kurzfristig ersetzen. "Ersetzen heißt aber, durch andere Energieträger und auch ein Stück weit einsparen." Es gebe eine klare Priorisierung, die heiße "geschützter Kunde". Das seien der ganz normale Haushaltskunde sowie die sozialen Einrichtungen. "Für den sozialen Frieden in einem Land ist es ungemein wichtig, dass klar ist, die Wohnung wird im Winter warm."

Sich in Europa gegenseitig unterstützen

Eine europäische Regel laute, "dass die Länder sich gegeneinander unterstützen". Wenn in einem Land das Gas wegen zwei kalter Winterwochen nicht ausreiche, dann gebe es einen europäischen Solidarmechanismus, dass die Länder sich gegenseitig helfen, "und der ist orientiert auf den geschützten Kunden".

Richtig sei aber auch, dass die ungeschützten Kunden, also Industrie und Wirtschaft,  große Sorge davor hätten, wie es ihm bei Ihnen wirtschaftlich weitergehe, wenn der Energieträger Gas ausfalle: in der Produktion, mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen.

Sukzessive vom Gas wegkommen

"Deswegen brauchen wir eine Strategie, wie wir es sukzessive von Gas wegkommen, auch sukzessive von den russischen Import Importen herkommt, aber eben auch Gas ersetzen können." Kurzfristig sei das möglich aus anderen Lieferländern wie den USA oder Norwegen. Das Ziel der Klimaneutralität dürfe aber auch nicht vergessen werden.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 23.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt Kerstin Andreae (Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld).


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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