Interview der Woche: "Wenn die Politik etwas beschließt, muss sie auch Wort halten"

"Wenn die Politik etwas beschließt, muss sie auch Wort halten"

Das Interview der Woche mit Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union

mit Informationen von Uwe Lueb   14.09.2021 | 12:34 Uhr

Armin Laschet steht seit seiner Wahl zum Kanzlerkandidaten der Union immer wieder in der Kritik - und das zum Teil aus den eigenen Reihen. Sinkende Umfragewerte erhöhen den Druck zusätzlich. Was will Armin Laschet als möglicher Regierungschef erreichen? Wie will er mit seinem Konzept und Wahlprogramm überzeugen? Dazu hat Uwe Lueb ihn im Interview der Woche befragt.

Trotz des steigenden Drucks der letzten Wochen steht für Armin Laschet fest, dass sein Antritt als Kanzlerkandidat für die Union die richtige Entscheidung ist. "Ich weiß, [...] wohin es gehen soll mit dem Land, was ich umsetzen will und es ist mir jeden Morgen beim Aufstehen klar, [...] um was es geht."

Bundestagswahl wird richtungsweisend

In den Umfragen liegt die Union noch immer deutlich hinter der SPD und deren Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Verunsichern lässt sich Armin Laschet davon nach eigenen Aussagen nicht. Er spricht aber von einer richtungsweisenden Bundestagswahl in Deutschland, bei der es darum gehe, ob es eine rot-rot-grüne Mehrheit gebe oder nicht. "Deshalb werbe ich dafür, dass die Union auf Platz eins liegt", so der Vorsitzende der CDU.

Schaffen will er das zusammen mit seinem Wahlkampf-Team, das "die gesamte Breite" der CDU wiederspiegele: "Das sind tolle Leute und ich finde sie stark." Laschet bemängelt bei der SPD, dass sie es der CDU nicht gleichtut: "Im Unterschied zu Olaf Scholz habe ich wenigstens ein paar tolle Leute in der CDU. Bei der SPD wird er niemanden ins Team berufen, weil die Illusion erzeugt wird, er sei so etwas wie die SPD. Die ist aber anders als er."

Versprechungen einhalten

Armin Laschet will, dass die Politik gegebene Versprechen auch einhält. Er bezieht sich dabei auf mehrere Themen. Einerseits geht es um Steuererleichterungen für sehr gut Verdienende, konkret beim Solidaritätszuschlag. Dabei will die CDU nicht auf das Urteil des Verfassungsgerichts warten, sondern sofort handeln und das Versprechen, den Soli abzuschaffen, sobald das Ziel der Deutschen Einheit erreicht sei, einhalten. "Ich bin nicht der Meinung, dass wenn man rechtswidrig handelt, immer warten muss, bis das Bundesverfassungsgericht entscheidet." Politik müsse auch selbstständig Versprechen einlösen können, die Bürgern gegeben wurden, so Laschet.

Ähnlich argumentiert er auch in Bezug auf das Festhalten am beschlossenen Kohleausstieg im Jahr 2038, was vor allem von den Grünen kritisiert wird. "Ich finde, wenn die Politik etwas beschließt, dann muss sie da auch Wort halten." Damit wolle die Union vor allem die Länder im Osten Deutschlands schützen, die nach der Wiedervereinigung "schon einmal gewaltige Strukturbrüche erlitten hatten".

Soziale Absicherung

Laschet will am "Ehegattensplitting" festhalten. Familien sollten selbst darüber entscheiden können, "wie sie sich aufteilen im Berufs- und Arbeitsleben". Mit einer Abschaffung würden "viele Millionen Menschen" steuerlich belastet werden. "Der Staat hat den Menschen nicht vorzuschreiben, wie sie zu leben haben", so der Kanzlerkandidat der Union.

Das gesetzliche Renteneintrittsalter soll erst mal nicht weiter angehoben werden. Bis 2029 wird es zunächst noch stufeweise auf 67 Jahre steigen. "Bis zu diesem Zeitpunkt sollte man daran nichts verändern", findet Laschet. Die Rente müsse aber "zukunftsfest" gemacht werden. Dazu schlägt Laschet vor, "die betriebliche Altersvorsorge zu stärken, das Riestermodell zu modernisieren und ein Generationenrente einzuführen, sodass schon bei Neugeborenen ein zukünftiger Rentenstock angelegt wird." Ein einheitliches Rentensystem, bei dem auch Beamte und Beamtinnen eingeschlossen wären, lehnt Laschet ab.


Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wird am Samstag, 18. September, im Interview der Woche zu hören sein.


Das Interview der Woche mit SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz vom 4. September

Interview der Woche
„Ich möchte, dass wir uns in dieser Gesellschaft auf Augenhöhe begegnen“
Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro, mehr Wohnungsbau, europäische Regeln für die Fahrzeugproduktion: Das sind Themen für den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Auch mehr Klimaschutz durch Nutzung von Windkraft, Solarenergie und Wasserstoffproduktion. Die Wirtschaft müsse klimaneutral werden, aber nicht auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sagte er Evi Seibert aus dem ARD-Hauptstadtstudio.

Ein Thema u. a. in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 14.09.2021 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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