Interview der Woche: "Ich möchte, dass wir uns in dieser Gesellschaft auf Augenhöhe begegnen"

„Ich möchte, dass wir uns in dieser Gesellschaft auf Augenhöhe begegnen“

Das Interview der Woche mit Olaf Scholz, SPD-Kanzlerkandidat

mit Informationen von Evi Seibert   04.09.2021 | 12:34 Uhr

Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro, mehr Wohnungsbau, europäische Regeln für die Fahrzeugproduktion: Das sind Themen für den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Auch mehr Klimaschutz durch Nutzung von Windkraft, Solarenergie und Wasserstoffproduktion. Die Wirtschaft müsse klimaneutral werden, aber nicht auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sagte er Evi Seibert aus dem ARD-Hauptstadtstudio.

Umfragewerte ein Gemeinschaftswerk

Im Interview stellte Scholz seine Erfolge heraus. In der ersten Regierung Merkel war er Bundesarbeitsminister. Die Wirtschaftskrise von 2008 sei erfolgreich mit dem Einsatz von Kurzarbeit bekämpft worden. Als Bundesminister der Finanzen könne er eine solide Haushaltsführung vorweisen.

Zum Kompetenzteam seines Konkurrenten von der Union, Armin Laschet, sagte Kanzlerkandidat Scholz, die SPD bestehe aus 400.000 Mitgliedern, die alle gemeinsam für einen Auftrag von den Bürgerinnen und Bürgern arbeiteten, die Regierung des Landes zu führen. Da brauche es keine weiteren Teams.

Olaf Scholz bezeichnete seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als großartiges Team. "Wir sprechen uns sehr viel ab. Seit langer Zeit schon.“ Er gibt sich überzeugt, dass es ein Gemeinschaftswerk war, wenn die SPD jetzt in den Umfragen besser dasteht. Die SPD habe sich früh auf den Kanzlerkandidaten festgelegt, stehe als Partei geschlossen zusammen. Außerdem sei das Programm zukunftsfähig. Zur Koalitionsfrage meinte Scholz, er könne sich vorstellen, mit den Grünen zu koalieren, mit der FDP eine gute Zusammenarbeit hinzukriegen - und auch mit der Linkspartei.

Nicht auf Kosten der Arbeitnehmer

Scholz will, so sagt er, dass die Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, dass niemand sich für etwas Besseres hält. Darum setze er sich zum Beispiel für einen gesetzlichen Mindestlohn von zwölf Euro ein. Für zehn Millionen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland bedeute das, dass sie besser zurecht kämen und im Alter nicht auf öffentliche Unterstützung angewiesen seien.

Für den Klimaschutz braucht es für Scholz mehr Windräder, die Nutzung von Solarenergie in Kombination mit der Produktion von Wasserstoff. Das müsse Deutschland umsetzen und zwar so, dass die industrielle wirtschaftliche Zukunft Deutschlands gesichert sei.

Soziale Mischung beim Wohnungsbau

Scholz spricht sich dafür aus, in Deutschland jedes Jahr weitere 400.000 Wohnungen zu schaffen. Davon sollen 100.000 geförderte Wohnungen, also Sozialwohnungen sein. Die Mischung mache es. „Warum sollen nicht Sozialwohnungen und Eigentumswohnungen und normale Mietwohnungen dazwischen auf einem neuen Baugrundstück entstehen?“ Außerdem solle der Anstieg der Mietpreise begrenzt werden.

Für die Modernisierung der Autoproduktion brauche es europaweite Regeln. Deutschland wäre für die Entwicklung von Elektromobilität zu klein. Aber ganz Europa mit einem Markt von 400 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern für emissionsfreie Fahrzeuge könne wirtschaftlich funktionieren.


ARD-Deutschlandtrend
Vier Bündnis-Chancen für Olaf Scholz
Nach seinem Umfrage-Höhenflug der vergangenen vier Wochen hätte der zurzeit aussichtsreichste Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) vier Möglichkeiten für ein Regierungsbündnis. "Die wahrscheinlichste Option ist für mich die Ampel", sagte Hauptstadt-Korrespondent Lothar Lenz im SR-Interview.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 04.09.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Bundesfinanzminister Olaf Scholz. (Foto: SR)


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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