Im Interview: Nadine Schön, Heiko Maas, Christian Werth

Faire Kommunikation im Digitalzeitalter

Das Interview der Woche mit Nadine Schön (CDU), Heiko Maas (SPD) und Christian Wirth (AfD)

Nelly Theobald   06.08.2021 | 11:00 Uhr

SR-Reporterin Nelly Theobald hat drei Abgeordnete aus dem Saarland in Berlin getroffen: Nadine Schön, Union Vize-Fraktionschefin, Christian Wirth (AfD) und Außenminister Heiko Maas von der SPD. Schwerpunkt war das Thema Hassrede in den sozialen Medien. Das Interview der Woche.

Bundesaußenminister Heiko Maas sieht im Kampf gegen Hass und Hetze in den Sozialen Netzwerken eine Daueraufgabe: "Es ist eine Aufgabe des Staates, dort wo gesetzliche Grenzen überschritten werden, aber es ist vor allen Dingen eine Aufgabe von uns allen, wie wir miteinander umgehen und wie wir zusammenleben wollen."

Das SR-Sommerinterview in voller Länge
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 06.08.2021, Länge: 29:57 Min.]
Das SR-Sommerinterview in voller Länge

Maas sagt, Hatespeech habe teilweise Ausmaße angenommen, "die ich wirklich ekelhaft finde". Er selbst erlebt Hass im Netz, schaut sich aber nach eigener Aussage keine Kommentare unter Posts an, die ihn betreffen. Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz hat Maas, in seinem früheren Amt als Jusitzminister, Hass im Netz den Kampf angesagt.

Krisen und Konflikte lösen

Seine Arbeit als Außenminister langfristig: "In der Außenpolitik und der Diplomatie versucht man in der Regel Krisen und Konflikte zu lösen und das dauert alles lang. Das ist sehr mühselig." Auch deshalb würde er seine Arbeit an dieser Stelle gerne fortsetzen. Er erwartet einen spannenden Wahlkampf zur Bundestagswahl.

Heiko Maas im SR-Sommerinterview (Foto: SR Fernsehen)
Heiko Maas im SR-Sommerinterview

Es seien durchaus andere Rahmenbedingungen, als bei der letzten Bundestagswahl. Keiner wisse, wie die Wahl ausgehe, welche Konstellationen möglich seien und wie eine Regierung aussehen könnte. Heiko Maas will das Direktmandat gegen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Wahlkreis Saarlouis gewinnen. 

Opfer oder Täter?

Einer von 86 AfD-Abgeordneten im Deutschen Bundestag ist Christian Wirth aus dem Saarland. Er erklärt selbst Hass im Netz zu erleben, anzeigen will er ihn aber nicht. Es bringe nichts. Seit die AfD im Bundestag sitzt, ist auch dort der Ton rauer geworden.

Der AfD-Mann Christian Wirth ist der Meinung, das tue dem Parlament gut. Er glaubt auch nicht, dass nur seine Partei für den raueren Ton verantwortlich sei: "Ich werde regelmäßig als Nazisau, als Unmensch beschimpft, gerade auch aus der SPD-Fraktion". Das mache das Parlament aber auch munterer. "Das ist ja eigentlich auch erwünscht und vorgesehen, es muss einen gewissen Stil behalten. Dann ist das eigentlich gut. Ich meine, es ist nicht mehr so verschlafen, wie es vorher war. Das kann durchaus sein."

Christian Wirth im SR-Sommerinterview (Foto: SR Fernsehen)
Christian Wirth im SR-Sommerinterview

Solche Sätze sagt Christian Wirth geradezu genüsslich. Er weiß wohl, dass seine Partei provoziert. Häufig betont er, die AfD sei Opfer, nicht Täter in aufgeheizten Debatten - nicht nur im Bundestag, auch im Netz. Braucht die digitale Zukunft neben Investitionen also auch klare Verhaltensregeln?

Jung, weiblich, Themenschwerpunkt: Digitales 

Nadine Schön, Unionsfraktionsvize, will Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte besser ausstatten, damit Menschen, die strafbare Inhalte im Netz gepostet haben, danach auch ermittelt werden könnten. Sie selbst hat bereits Posts und Emails zur Anzeige gebracht. Aber nur in einem Fall konnte der Täter auch ermittelt werden: "Leider ist es natürlich nach wie vor oft so, dass es nicht erfolgreich ist."

Trotzdem Nadine Schön, CDU, sagt, Bundestagsabgeordnete/r zu sein geht ohne soziale Medien längst nicht mehr. Fast jeder sei in sozialen Netzwerken. Die Jüngeren auf TikTok, die anderen auf Instagram und selbst die 50/60-Jährigen seien mittlerweile auch alle auf Facebook. Sie hätten einen Anspruch darauf, dass man über diese Medien auch gut informiert.

Nadine Schön im SR-Sommerinterview (Foto: SR Fernsehen)
Nadine Schön im SR-Sommerinterview

Jung, weiblich und Themenschwerpunkt: Digitales ist wohl das Karriererezept der Nadine Schön. Die CDU-Politikern ist sich sicher auch in ihrer Funktion als stellvertretende Chefin der Unionsfraktion viel fürs Saarland tun zu können. Klar, ihre Aufgabe sei es Mehrheiten zu organisieren - das widerspreche aber nicht den Interessen ihres Wahlkreises, des Saarlandes. Die Digitalpolitikerin fordert ein eigenes Digitalministerium in der Bundesregierung. Wo ihre Aufgabe dann sei, werde sich zeigen.

SR-Reporterin Nelly Theobald hat die zwei Politiker und die Politikerin bei ihrer Arbeit in Berlin begleitet und sich ein Bild gemacht. Hier ihre Einschätzung:

Dickes Fell im Umgang mit den sozialen Medien
Video [SR.de, (c) SR, 06.08.2021, Länge: 00:45 Min.]
Dickes Fell im Umgang mit den sozialen Medien


Die SR-Sommerinterviews

Eine Bundesministerin und zwei Bundesminister aus dem Saarland in Berlin - außerdem die saarländischen Bundestagsabgeordneten - Grund genug, die SR-Sommerinterviews in diesem Jahr in Berlin zu führen. Die Politikerinnen und Politiker wollen sich in der Hauptstadt für die Interessen ihrer Wählerinnen und Wähler einsetzen, haben etwas versprochen! - und gehalten? SR-Reporterin Nelly Theobald und SR-Reporter Janek Böffel fragen nach.

Die SR-Sommerinterviews finden Sie unter anderem hier auf SR.de und in der Mediathek. Das komplette Interview mit Nadine Schön, Christian Wirth und Heiko Maas läuft aber auch am Sonntag, um 18:45 Uhr, im SR Fernsehen.


Die SR-Sommerinterviews 2021

Teil 3 der SR-Sommerinterview
Peter Altmaier, Oliver Luksic und Christian Petry
Im dritten Teil der SR-Sommerinterviews trifft Janek Böffel Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, den FDP-Abgeordneten Oliver Luksic und den SPD-Abgeordneten Christian Petry. Er geht der Frage nach, wie Politiker in dieser berühmten Berliner Blase um Aufmerksamkeit kämpfen, wie man Chancen ergreift und wie es ist, wenn bei jeder Wahl alles wieder vorbei sein kann.


Teil 2 der SR-Sommerinterviews
Annegret Kramp-Karrenbauer, Thomas Lutze, Markus Tressel
Wer sich auf die Politik einlässt, auf die Machtspiele, der braucht ein dickes Fell. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) weiß das, war diese Legislaturperiode doch gelinde gesagt aufregend für sie. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze kämpft mit seiner eigenen Partei und der Grünen-Abgeordnete Markus Tressel zieht sich aus der aktiven Politik zurück.


Auftakt der SR-Sommerinterviews
Josephine Ortleb und Markus Uhl
24.000 Menschen arbeiten im Bundestag und den große Ministerien. Das sind fast so viele Menschen, wie St. Wendel Einwohner hat. Was muss das für einen Eindruck auf jüngere Bundestagsabgeordnete machen, die ihre erste volle Legislaturperiode erleben? Und was macht diese berühmte Berliner Blase mit ihnen? Das haben wir in der ersten Folge der diesjährigen Sommerinterviews Josephine Ortleb, SPD, und Markus Uhl, CDU, gefragt.



Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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