Im Interview: Peter Altmaier, Oliver Luksic und Christian Petry

"Da darf man auch nicht beleidigt sein"

Das Interview der Woche

Janek Böffel im SR-Sommerinterview mit Peter Altmaier, Oliver Luksic und Christian Petry   30.07.2021 | 15:15 Uhr

Im dritten Teil der SR-Sommerinterviews trifft Janek Böffel Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, den FDP-Abgeordneten Oliver Luksic und den SPD-Abgeordneten Christian Petry. Er geht der Frage nach, wie Politiker in dieser berühmten Berliner Blase um Aufmerksamkeit kämpfen, wie man Chancen ergreift und wie es ist, wenn bei jeder Wahl alles wieder vorbei sein kann

Trotz aller anderslautenden Beteuerungen: Politik ist auch immer ein Ringen um Einfluss, Macht und Aufmerksamkeit. Und dieser Kampf kann hart sein, wollen doch die meisten der 709 Bundestagsabgeordneten mindestens eines davon. Jeder und jede hofft auf die berühmten 15 Minuten Ruhm. Da heißt es, die wenigen Chancen, die sich bieten zu ergreifen.

SR-Sommerinterview: Luksic, Altmaier, Petry
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 01.08.2021, Länge: 29:02 Min.]
SR-Sommerinterview: Luksic, Altmaier, Petry

So wie Oliver Luksic, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion und zuhause im Saarland Landesvorsitzender, den Maut-Untersuchungsausschuss. Als die ganze Dimension des Debakels um die möglicherweise hunderte Millionen Euro hohen Schäden für die Staatskasse ging, gab es kaum eine Woche ohne Luksic in den Medien. „Ich musste aber auch erst Überzeugungsarbeit für diesen Ausschuss in meiner Fraktion leisten“, erinnert sich Luksic.

Doch der Verkehrspolitiker Luksic ist gleichzeitig auch der Twitterer Luksic. Vom „Kampf gegen den Autofahrer“ ist da die Rede, von der „drohenden Deindustrialisierung“. Spitz sind die Tweets, oft auch überspitzt. „Man muss auch oft mit einer zugespitzten Position, gerade in der Berliner Blase, auffallen, um auch zu anderen Sachen gehört zu werden. Das sind leider die Mechanismen“, sagt er selbst. Der Kampf um die Aufmerksamkeit ist hart.

Auch große Karrieren sind endlich

Denn auch für die, die lange dabei sind und fast ebenso lange im innersten Zirkel der Macht, ist dieser Einfluss endlich. 27 Jahre sitzt Peter Altmaier im Bundestag, war Kanzleramtsminister, Flüchtlingskoordinator, Umweltminister, kurz sogar Finanzminister und jetzt Bundeswirtschaftsminister. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass er selbst wenn die Union den Kanzler stellt, noch einmal Minister wird, ist nur noch schwindend gering.

Nicht nur weil er sich im Duell um die Kanzlerkandidatur der Union für Söder und gegen Laschet ausgesprochen hatte. Die Kritik war zuletzt laut, auch aus den eigenen Reihen. Auch er weiß natürlich „Kritik, die nicht immer an der Sache orientiert sein muss, das ist im politischen Betrieb keine Voraussetzung, um Kritik zu äußern“, gehört dazu. Aber die eigenen Reihen haben sich in den letzten Monaten auch nicht gerade um ihn geschlossen. Und natürlich sagt er, angesprochen auf seine eigene Zukunft: „Man kann nicht erfolgreich Politik machen, wenn man die eigene Person und die eigene Ambition immer nur in den Vordergrund und in den Mittelpunkt stellt.“ Aber er weiß auch, dass vieles anders werden könnte nach der Wahl für ihn, wenn er sich möglicherweise im hinteren Glied einsortieren muss.

"Da darf man auch nicht beleidigt sein"

Immerhin Altmaiers Chancen stehen im September nicht schlecht. Sein Einzug in den Bundestag noch recht wahrscheinlich. Anders als bei Christian Petry von der SPD. Der Generalsekretär der Saar-SPD hat sich in Berlin zum europapolitischen Sprecher vorgearbeitet. Doch sollte die SPD ihre Umfragewerte bis zur Wahl nicht deutlich verbessern, wird es mehr als eng für ihn. „Der Wähler soll durchaus in einem überschaubaren Zeitraum die Gelegenheit haben, Korrekturen anzubringen. Das ist die Aufgabe auch in einer Demokratie. Und das weiß man vorher, wenn man reingeht.“

Gerade bei Bundestagswahlen ist der Einfluss des einzelnen Abgeordneten oft überschaubar. Wer kandidiert, weiß vorher, worauf er sich einlässt, sagt Petry: „Man kann gewählt werden, man kann aber auch mal nicht gewählt werden. Da darf man auch nicht beleidigt sein.“ Aber vielleicht ist der Kampf um die Aufmerksamkeit auch deshalb so hart.

SR-Reporter Janek Böffel hat die drei Politiker bei ihrer Arbeit in Berlin begleitet und sich ein Bild gemacht. Hier sein Eindruck:

Politik ist ein Ringen um Einfluss, Macht und Aufmerksamkeit
Video [SR.de, (c) SR, 29.07.2021, Länge: 00:27 Min.]
Politik ist ein Ringen um Einfluss, Macht und Aufmerksamkeit


Vorschau:

Folge 4 (6. August 2021): Nelly Theobald interviewt Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), Christian Wirth (AfD) und Nadine Schöne (CDU). Hauptthema: Was müssen Politiker aushalten? Umgang mit Hasskommentaren im Netz.


Die SR-Sommerinterviews

Eine Bundesministerin und zwei Bundesminister aus dem Saarland in Berlin - außerdem die saarländischen Bundestagsabgeordneten - Grund genug, die SR-Sommerinterviews in diesem Jahr in Berlin zu führen. Die Politikerinnen und Politiker wollen sich in der Hauptstadt für die Interessen ihrer Wählerinnen und Wähler einsetzen, haben etwas versprochen! - und gehalten? SR Reporterin Nelly Theobald und Reporter Janek Böffel fragen nach.

Rückblick:

SR-Sommerinterview
Turbulente Zeiten für AKK, Lutze und Tressel
Wer sich auf die Politik einlässt, auf die Machtspiele, der braucht ein dickes Fell. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) weiß das, war diese Legislaturperiode doch gelinde gesagt aufregend für sie. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze kämpft mit seiner eigenen Partei und der Grünen-Abgeordnete Markus Tressel zieht sich aus der aktiven Politik zurück.

Auftakt der SR-Sommerinterviews
Josephine Ortleb und Markus Uhl
24.000 Menschen arbeiten im Bundestag und den große Ministerien. Das sind fast so viele Menschen, wie St. Wendel Einwohner hat. Was muss das für einen Eindruck auf jüngere Bundestagsabgeordnete machen, die ihre erste volle Legislaturperiode erleben? Und was macht diese berühmte Berliner Blase mit ihnen? Das haben wir in der ersten Folge der diesjährigen Sommerinterviews Josephine Ortleb, SPD, und Markus Uhl, CDU, gefragt.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 31.07.2021 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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