Im Interview der Woche: Die freie Journalistin Judith Raupp

"Eine gewisse Skepsis gegenüber den Weißen"

Das Interview der Woche mit der freien Journalistin Judith Raupp, die seit zehn Jahren in der Demokratischen Republik Kongo lebt

Karin Mayer. Onlinefassung: Laszlo Mura   20.05.2021 | 12:50 Uhr

Während die Zahl der Corona-Geimpften in den Industriestaaten schnell wächst, ist in vielen ärmeren Ländern noch kaum was passiert. Und dafür ist nicht alleine die Knappheit der Impfstoffe Schuld. Im Interview der Woche spricht die freie Journalistin Judith Raupp über die Situation in der Demokratischen Republik Kongo, wo sie seit zehn Jahren lebt und Journalisten ausbildet.

Sendung: Samstag 22.05.2021 ca. 12.45 Uhr

Judith Raupp lebt in der Stadt Goma im Osten Kongos. Dort sei das Interesse am Impfen "eher gering", erzählt die freie Journalistin im Interview der Woche. Aber auch die Infrastruktur ließe zu wünschen übrig.

Angst spielt eine große Rolle

Viele Menschen hätten zudem Angst vor der Impfung. Das liege auch an dem geschichtlichen Hintergrund des Landes, denkt Raupp: "Kongo war ja eine belgische Kolonie und die Belgier haben da wirklich eine sehr brutale Herrschaft betrieben." Daher gebe es heute noch eine "gewisse Skepsis gegenüber den Weißen und man weiß halt, der Impfstoff kommt von den Weißen", so die freie Journalistin.

Außerdem gebe es viele Menschen, die wenig gebildet und damit leicht manipulierbar seien. Dazu kommen "Leute, die die Bevölkerung aufhetzen" und Gerüchte in die Welt setzen, die Weißen wollten mit der Impfung das Bevölkerungswachstum eindämmen, die Menschen "unfruchtbar machen" und "ausrotten."

Von 1,7 Millionen gelieferten Dosen der Covax-Initiative werden aktuell 1,3 Millionen an andere afrikanische Länder abgegeben, "weil es der Kongo nicht schafft, sie zu verimpfen", erzählt Raupp.

Keine Übersterblichkeit

Die freie Journalistin Judith Raupp (Foto: Privatfoto)
Die freie Journalistin Judith Raupp

In der Demokratischen Republik wird so wenig getestet, dass die Ergebnisse keine Aussagekraft besitzen, schildert Raupp. Von 80 bis 100 Millionen Einwohnern gab es bisweilen offiziell nur ca. 30.500 positiv Getestete und 780 Tote, was im Vergleich zu anderen Ländern sehr wenig ist.

Gleichzeitig könne man aber auch keine Übersterblichkeit erkennen. Raupp habe mit ihren auszubildenden Journalisten Umfragen gemacht bei Sargmachern, Totengräbern, auf Friedhofen und in Krankenstationen, erzählt sie: "Dort haben eigentlich alle gesagt, 'nein wir merken nichts, dass jetzt plötzlich total viele Leute sterben würden'."

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 22.05.2021 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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