"Das Chaos aus den Anfangstagen wird uns nachhängen"

"Das Chaos aus den Anfangstagen wird uns nachhängen"

Im Interview der Woche: SR-Korrespondenten Sabine Wachs (Paris), Michael Schneider (Brüssel) und Uli Hauck (Berlin)

Carolin Dylla   02.01.2021 | 12:33 Uhr

Das Corona-Virus und die damit verbundenen Herausforderungen haben fast alle Lebensbereiche geprägt - auch die Politik. Es wurden politische Entwicklungen angestoßen, die viele zuvor kaum für möglich gehalten hätten. Carolin Dylla hat mit drei SR-Korrespondenten darüber gesprochen, wie sie die Ereignisse und politischen Debatten dieses Jahres erlebt haben. 

Die Korrespondenten erinnern sich zurück an das Frühjahr 2020, in dem die Corona-Situation völlig falsch eingeschätzt wurde. Erst als Züge aus dem Elsass Intensivpatienten in andere Regionen brachten, wurde SR-Korrespondentin Sabine Wachs der Ernst der Lage bewusst. Eine Schock für die Bevölkerung in Belgien waren die Grenzschließungen, die es laut Michael Schneider dort seit über 50 Jahre nicht gegeben hat: "Wir haben uns so an ein grenzenloses Europa gewöhnt, dass uns so etwas vor eine persönliche Herausforderung stellt."

Einigung auf Corona-Bonds

Schneider glaubt, dass das beschlossene EU-Hilfspaket von rund 750 Mrd. Euro ein Startschuss für eine zukünftige gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik der EU-Staaten sein könnte. Hilfreich für die erfolgreichen Pandemiebewältigung sei, so Uli Hauck in Berlin, außerdem die Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Deutschland und die politische Erfahrung Merkels gewesen: "Sie hat es geschafft, Europa in der Spur zu halten."

Entlohnung der Pflegebranche

Die Debatte um die Unterbezahlung von Pflegepersonal hat in den drei Ländern unterschiedlich hohe Wellen geschlagen. Während in Frankreich zahlreiche Pflegerinnen und Pfleger aus Protest kündigten, war das Gesundheitssystem in Belgien durchgehend stabil. Schneider sieht den Grund dafür in den besonderen Tarifstrukturen, die für eine bessere Bezahlung des Pflegepersonals als in den Nachbarländern sorgen.

Durch Corona verdrängte Themen

In den Hintergrund gerückt hat die Pandemie in Frankreich die Debatte um die Rentenreform. Es sei jedoch fraglich, so Wachs, ob diese im neuen Jahr wieder aufgenommen werde. Enttäuscht zeigt sich Schneider über die europäische Asylpolitik des vergangenen Jahres. Auch nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria habe die EU-Politik nicht reagiert: "Dieses Thema wird uns weiter beschäftigen und drängender werden, je weiter es verschoben wird."

Auch Thema in der Sendung "Bilanz" am 02.01.2021 auf SR 2 KulturRadio .


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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