IHK: "Wir dürfen uns nicht weiter in diese Krise hineinreden"

"Wir dürfen uns nicht weiter in diese Krise hineinreden"

Das Interview der Woche mit Heino Klingen, dem Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Saar (IHK)

Karin Mayer. Onlinefassung: Rick Reitler  

IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen hat vor weiteren Rückschlägen für die Saar-Wirtschaft gewarnt. Mit all den Problemen bei Industrie-, Auto- und Exportwirtschaft sei das gesamte saarländische Geschäftsmodell "sehr erschüttert" und müsse neu aufgestellt werden, forderte Klingen im Interview der Woche.

Sendung: Samstag 19.09.2020 12:45 Uhr

Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer IHK, zu Gast beim SR (Foto: SR/Karin Mayer)
Heino Klingen (Foto: Karin Mayer)

"Die Menschen in unserem Land und die Wirtschaft brauchen positive Signale." Heino Klingen, der IHK-Hauptgeschäftsführer im Saarland, hat im Interview der Woche vor weiteren Rückschlägen für die Wirtschaft an der Saar gewarnt. "Wir dürfen uns auch nicht weiter in diese Krise hineinreden", sagte Klingen mit Blick auf die aktuelle Corona-Situation.

Trotz Personalabbau in vielen Zulieferbetrieben und in der Stahlindustrie riet Klingen, die bestehenden Branchen weiterzuentwickeln. Es müsse gelingen, die Stahlindustrie über Wasserstofftechnologie am Markt zu halten. Auch der Fahrzeugbau müsse sich in diese Richtung entwickeln. Der Maschinenbau könne über Digitalisierung wettbewerbsfähig bleiben. Die Kernbranchen seien beim Übergang in eine klimaneutrale Welt eine zentrale Rolle.

Drei Säulen unter Druck

Industrie, Auto und Export seien das "Geschäftsmodell" des Saarlandes. Diese drei Säulen seien derzeit alle unter Druck. Die Industrie wegen des Klimaschutzes, das Auto wegen neuer Antriebe und der Export wegen der Handelskriege und des Brexit. Das Saarland sei derzeit in seinem Geschäftsmodell "sehr erschüttert" und müsse sich "neu aufstellen".

Er halte allerdings gar nichts davon, dass der Staat "aktive Industriepolitik macht, dass er bevorzugt Branchen sich ausguckt und sagt: 'Darauf setzen wir jetzt'." Die Politik solle besser die Rahmenbedingungen so setzen, "dass die Unternehmen sich entwickeln können". Zudem gelte es, den Forschungsstandort Saar weiter zu unterstützen.

Qualifizierte Belegschaften als Standortvorteil

Qualifizierte Belegschaften seien ein wichtiger Standortvorteil im Saarland, sagte Klingen. Viele Arbeitnehmer seien bereit, Wechselschicht zu arbeiten und identifizierten sich stark mit den Unternehmen. Das Land müsse darauf achten, dass der Fachkräftemangel dies nicht zunichte mache.

Schwaches Wirtschaftswachstum

Schon 2019 lief es nicht besonders gut in der Saar-Wirtschaft: Beim Autohersteller Ford wurden Jobs gestrichen, die Stahlindustrie schreibt rote Zahlen und baut Stellen ab. Das verarbeitende Gewerbe, die Industrie schwächelt und beim Wirtschaftswachstum steht das Saarland schon seit Jahren schlechter da als der Bund.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 19.09.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt eine saarländische Werkshalle (Archivfoto: SR Fernsehen).


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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