„Das Land braucht saubere, schnelle Wirtschaft“

"Das Land braucht saubere, schnelle Wirtschaft"

Das Interview der Woche mit Diana Kinnert (CDU), Greentech-Unternehmerin

Michael Schneider   02.08.2019 | 06:00 Uhr

Sendung: Samstag 03.08.2019 12:45 Uhr

28 Jahre alt, Unternehmerin, Buchautorin und Betreiberin zweier veganer Restaurants: Diana Kinnert hat viele Rollen. Ihr Markenzeichen: der große schwarze Hut, mit dem sie auch zum Sommerinterview am Berliner Spreeufer erscheint. Um dann schnell grundsätzlich zu werden.

Diana Kinnert im Gespräch mit SR-Reporter Michael Schneider (Foto: SR)
Diana Kinnert im Gespräch mit SR-Reporter Michael Schneider

Das zögerliche Auftreten ihrer Partei, vor allem in sozialen Netzwerken – sie weiß, dass das zuletzt nicht gut geklappt hat. Die CDU lasse sich von jungen Youtubern vorführen – weil sie junge Milieus gar nicht mehr anspreche. Kinnert findet, das habe "Strukturversäumnisse und Organisationsversäumnisse" in der Partei offengelegt.

Durchaus kritisch ist Kinnert dabei auch gegenüber der Jungen Union. Die habe es nicht geschafft, Antworten zu finden, obwohl die Jugend mehrheitlich eine nachhaltigere Politik wolle. Da stelle sich die Frage, ob die Jugendorganisationen von Parteien überhaupt noch auf Augenhöhe seien mit den Jungen. "Die jungen Leute sind nicht mehr in der Skaterhalle. Wenn ich junge Leute treffen will, dann schalte ich eine Anzeige auf Facebook und spreche jeden an, der das ZDFneo-Magazin abonniert hat. Weil ich weiß: Die sind alle Jan Böhmermann-Fans, da greife ich sie eher ab."

Vision "Grünes Unternehmertum"

Ein großes Thema ist für Kinnert die Nachhaltigkeit. Sie selbst ist Unternehmerin in der Green Economy, also einem grünen Unternehmertum. Und findet: Die CDU mit der sozialen Marktwirtschaft ist eigentlich die Partei, die einen wirtschaftlichen Wandel am besten begleiten könnte.

Nur das Personal sei vielleicht das falsche. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sei etwa ein "hervorragender, gut organisierter Politikmanager. Ich bezweifle allerdings, ob er die Green Economy-Vision hat, die es vielleicht bräuchte im Wirtschaftsministerium."

"Gerade das Land braucht den Wandel"

Michael Schneider (Foto: Pasquale d'Angiolillo)
Michael Schneider (Foto: Pasquale d'Angiolillo)

Green Economy und digitale Vernetzung – das könnte für einen saarländischen Familienunternehmer schnell nach Großstadtblase klingen. Aber das Gegenteil sei der Fall, findet Kinnert. Gerade im ländlichen Raum brauche es den Wandel: "Die Leute im Provinziellen", so die Politikerin, "wird es viel schlimmer treffen – wenn Investitionen ausbleiben, wenn die Infrastruktur brüchig wird, wenn unsere Produkte im internationalen Wettbewerb nicht mehr bestehen können“. Gerade auf dem Land brauche man also schnell eine "saubere, schnelle und effiziente Wirtschaft".

Pointiert, ziemlich akademisch und kompromisslos formuliert Kinnert ihre Kritik an der aktuellen Politik. Aber will sie selbst aktiv etwas ändern? Da legt sie sich fest: Ein Amt oder Mandat sei nichts für sie – sie kommentiere lieber von der Seitenlinie. Und ist damit durchaus ein Stachel im Fleisch der eigenen Partei.



Die SR-Sommerinterviews

Michael Schneider und Kerstin Gallmeyer (Foto: SR)
Führen die SR-Sommerinterviews 2019: Michael Schneider und Kerstin Gallmeyer

Was wird aus uns, aus unserem Planeten? Eine Frage, die im Sommer 2019 die Republik beschäftigt. Im ganzen Land gehen freitags Schüler auf die Straße, weil sie sich Sorgen machen um ihre eigene Zukunft und der Politik Versagen angesichts des Klimawandels vorwerfen. Politiker wiederum ringen um die richtige Position zwischen einer klimapolitischen Kehrtwende und der Bewahrung von Wohlstand und Wirtschaftskraft.

Naturschützer und Biologen konstatieren währenddessen nüchtern: Unsere Natur ist bereits vom Wandel erfasst. Sommer werden wärmer und trockener, Winter feuchter, und das hat ganz konkrete Auswirkungen auf unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Und Psychologen gehen der Frage nach: Ist unsere Gesellschaft gewappnet für den Wandel? Und schaffen wir es, gemeinsam auf die Veränderungen zu reagieren?

Auch der Saarländische Rundfunk geht in den diesjährigen SR-Sommerinterviews allen diesen Fragen nach. Wie steht es ganz konkret um die Natur im Saarland? Was sind die Forderungen an die Politik? Wie müssen sich die großen Parteien neu positionieren? Und schaffen wir all das überhaupt rechtzeitig?


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 03.08.2019 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz-mittag@sr.de