Im Interview der Woche: Beate Klarsfeld

"Man kann nie voraussehen, was geschieht"

Das Interview der Woche mit der Journalistin und Medienpreisträgerin Beate Klarsfeld

Audio: Barbara Kostolnik. Foto: SR Fernsehen  

Eine Backpfeife machte sie 1968 berühmt: Die deutsch-französische Nazijägerin und Journalistin Beate Klarsfeld verpasste sie dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Im Interview der Woche spricht die Wahl-Pariserin unter anderem über ihre drei Staatsangehörigkeiten, den Effekt der berühmten Ohrfeige und die Jagd auf Klaus Barbie.

Sendung: Samstag 06.04.2019 12:45

DFJP
Deutsch-Französischer Medienpreis für Ehepaar Klarsfeld
Beate und Serge Klarsfeld erhalten den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis 2019 für ihr jahrzehntelanges Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus.


Drei Generationen nach dem Holocaust lebt der Antisemitismus in Europa wieder auf, 74 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs, dem millionenfachen Mord an den europäischen Juden und dem unendlichen Leid, das der Nationalsozialismus über Europa gebracht hat. Zugleich belegen jüngste Umfragen, dass das Wissen über den Holocaust in der jüngeren Generation zum Teil dramatisch zurückgegangen ist.

Vor diesem Hintergrund haben die Mitglieder des Deutsch-Französischen Journalistenpreises (DFJP) entschieden, den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis 2019 an Beate und Serge Klarsfeld zu verleihen.

"Vorbild für den Kampf gegen Vergessen"

Der Vorstandsvorsitzende des Preises und Intendant des Saarländischen Rundfunks, Prof. Thomas Kleist würdigt die Lebensleistung des deutsch-französischen Ehepaares: "Beate und Serge Klarsfeld sind seit Jahrzehnten ein Vorbild für den Kampf gegen das Vergessen, für Menschlichkeit und gegen einen Nationalismus, der die Ausgrenzung und die Stigmatisierung von Andersgläubigen und Andersdenkenden im Schilde führt." Die aktuellen Bilder und Nachrichten über antisemitische Gewaltverbrechen, Ausschreitungen, Friedhofsschändungen und die Beleidigung von Bürgern mit jüdischer Herkunft seien zutiefst verstörend und alarmierend zugleich. "Wir alle sind deshalb gefordert, entschlossen dagegen vorzugehen“, so Kleist.

Die Nazi-Jägerin

Beate Klarsfeld wurde vor gut 50 Jahren, im April 1968, in Deutschland durch ihre Ohrfeige an den ehemaligen Bundeskanzler Kurt-Georg-Kiesinger wegen dessen Verstrickung in das NS-Regime auf einen Schlag berühmt. Später sorgte sie mit ihrem Ehemann Serge Klarsfeld dafür, dass sich der frühere Gestapochef und sogenannte "Schlächter von Lyon", Klaus Barbie sowie weitere NS-Verbrecher vor Gericht verantworten mussten.

Darüber hinaus gab das Ehepaar – neben zahlreichen anderen Veröffentlichungen – eine Dokumentation heraus, in der die Namen aller 80.000 aus Frankreich deportierten Juden verzeichnet sind, darunter rund 11.000 Kinder. Das Buch "Endstation Auschwitz" enthält die Biographien, Fotos und Briefe der Betroffenen an ihre Eltern, um so an das Schicksal der Kinder und Jugendlichen zu erinnern und sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Im Interview der Woche mit Frankreich-Korrespondentin Barbara Kostolnik sprach die Wahl-Pariserin Klarsfeld unter anderem über ihre drei Staatsangehörigkeiten, den Effekt der berühmten Ohrfeige, die Zusammenarbeit mit ihrem Mann Serge und die Jagd auf Klaus Barbie.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 04.04.2019 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz-mittag@sr.de

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