Interview der Woche: Josef Dörr, AfD Saar

"Alle, die ins Land rein wollen, müssen kontrolliert werden!"

Im Interview der Woche: Josef Dörr, AfD Saar

Audio & Text: Uli Hauck, Foto: Benjamin Morris  

Der Chef der Saar-AfD, Josef Dörr, hat im Gespräch mit SR-Politikredakteur Uli Hauck auf eine ausnahmslose Kontrolle bei der Zuwanderung gepocht. Den offiziellen Flüchtlings- und Asylzahlen der Bundesregierung traue er nicht. Der 80-jährige stellt sich am 3. Februar 2019 auf dem Parteitag der Saar-AfD als Landesvorsitzender zur Wiederwahl.

Sendung: Samstag 02.02.2019 12.45 bis 13.00 Uhr

Er finde es nicht in Ordnung, so AfD-Chef Dörr wörtlich im SR2-Interview der Woche, wenn „Völkerscharen“ unkontrolliert über die Grenze kommen. Dass die Zahl der Asylanträge zuletzt massiv gesunken ist, ist für den 80-Jährigen dabei kein Argument. Denn den offiziellen Zahlen des Bundesinnenministeriums, wonach beispielsweise 2018 mit rund 162.000 Erstanträgen rund 18 Prozent weniger Anträge als 2017 gestellt wurden, glaubt er einfach nicht. Er traue den Zahlen nicht, die er lese oder höre, so Dörr sehr grundsätzlich. Wenn es heißt, die Zahlen seien zurückgegangen, sage ihm das überhaupt nichts.

Außerdem, so Dörr weiter, wenn die Zahl der Einwanderer von einer Million im Jahr auf eine halbe Million sinke, dann sei es immer noch eine halbe Million, die vorher nicht da war. Eine populistisch einfache Rechnung, die das Leid vieler Kriegsflüchtlinge und das deutsche Grundrecht auf Asyl einfach komplett ignoriert.

Frankreichs "Interessenpolitik"

Frankreich wirft der AfD-Politiker vor, es mache „eiskalte Interessenpolitik“. Da Deutschland „seit dem letzten Krieg immer das Gefühl habe, eine Bringschuld zu haben“, müssten die Deutschen dabei immer die Freunde sein. Schaut er auf die direkte Nachbarschaft, argumentiert Dörr weniger aggressiv, bezeichnet sich im Interview der Woche selbst als „Grenzgänger“ und spricht von „französischen Freunden". Im Departement Moselle täten sie, was sie können, aber sie könnten halt wegen des französischen Zentralismus nicht viel machen, findet der AfD-Politiker.

Trotz der grundsätzlichen Frankreich-Kritik von Fraktionschef Dörr: Die AfD hat unlängst den gemeinsamen Antrag aller Fraktionen unterstützt, die Zusammenarbeit mit dem Departement Moselle zu verbessern. Allerdings bleibe er „skeptisch“, so Dörr, weil das Saarland zu wenig Geld zur Verfügung stelle.

AfD-interne Querelen

In Bezug auf seine Ankündigung bis zum Jahr 2017 habe die Saar-AfD 1000 Mitglieder, musste Parteichef Dörr im SR-Interview sein Scheitern einräumen: Man habe ein „ehrgeiziges Ziel“ verfehlt. Derzeit hat die Landespartei noch nicht einmal 500 Mitglieder und ist damit erheblich kleiner als anderen wesentlichen Parteien im Saarland. Ursachen für die niedrige Mitgliederzahl findet Dörr aber nicht bei sich und seinem Landesvorstand, sondern bei anderen. Man sei von der Bundespartei wegen zahlreicher Verfahren gestört worden, außerdem müsse man als AfD „sehr vorsichtig sein, wen man aufnehme“, argumentiert er im SR2-Interview.

Von seinem bisherigen Stellvertreter und Kritiker Lutz Hecker, der beim Parteitag in Quierschied nicht mehr kandidieren wird, ist der AfD-Chef „enttäuscht“. Dörrs Vorwurf: Hecker habe sich in den Landesvorstand wählen lassen, dann aber immer gegen den Landesvorstand agiert. In der Landtagsfraktion, so behauptet Dörr, arbeite man aber trotzdem weiterhin zusammen.

Der Schluss, dass Dörr parteiinterne Kritiker nicht besonders gerne sieht, lässt sich auch aus dem Umgang mit dem einzigen saarländischen AfD-Bundestagsabgeordneten Christian Wirth ziehen. Auch hier, so gibt Dörr zu, gebe es keine „nennenswerte Zusammenarbeit“. Der 80-Jährige sieht aber auch in diesem Fall nicht sich, sondern den Bundestagsabgeordneten in der Pflicht, mit der AfD-Landesspitze zusammenzuarbeiten.


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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 02.02.2019 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz-mittag@sr.de

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