LSVS-Präsident Zöhler: "Saar-Sport braucht künftig klare Regeln"

"Saar-Sport braucht künftig klare Regeln"

Im Interview der Woche: Adrian Zöhler, Präsident des Landessportverbands (LSVS)

Michael Thieser  

Ein Jahr nach Bekanntwerden der Millionenaffäre beim Landessportverband Saar hat der neue Präsident Adrian Zöhler eingeräumt, dass es noch zu früh sei, um einen Schlussstrich zu ziehen. Er selbst wolle für klare Zuständigkeiten sowie eine transparente Geschäfts- und Finanzordnung kämpfen. Außerdem gestand Zöhler, dass das Gratis-Essen für das neue Präsidium ein Fehler gewesen sei.

Sendung: Samstag 22.12.2018 12.45 bis 13.00 Uhr

Nach einem Jahr mit immer neuen Hiobsbotschaften kämpft der Landessportverband Saar (LSVS) darum, verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Der neue Präsident Adrian Zöhler betonte im SR-Interview der Woche aber, er schließe weitere Überraschungen nicht aus.

Das Grundübel in der Vergangenheit war, dass es keine klare Ordnung gab, wie der LSVS aufgestellt ist. Es gab und es gibt keine Finanzordnung, keine Geschäftsordnung und keine Regularien. Es wird deshalb die Aufgabe des neuen Präsidiums sein, dies zu ändern, damit jeder weiß, wer was macht.

Aufarbeitung läuft immer noch

Eine Selbstbedienungsmentalität wie in der Vergangenheit dürfe es nicht mehr geben und das Fehlverhalten müsse auch Konsequenzen haben.

Es wurden Dinge gemacht, die einfach nicht in Ordnung waren. Und wenn man dies als Selbstbedienung bezeichnet und genau hinschaut, dann kann man diesen Eindruck haben.

Der Verband sei derzeit dabei, mögliche Regressforderungen an frühere Präsidiumsmitglieder zu prüfen.

Wir sind da dran und haben extra einen Rechtsanwalt aus Wuppertal eingeschaltet, also von weit her, damit nicht wieder der Eindruck entsteht, wer hat da irgendwann mit wem Fußball gespielt, sondern jemand von außerhalb soll klären, inwieweit Regressforderungen zu stellen sind.
Kommentar
LSVS - Ein Jahr danach
Ob der neue LSVS-Präsident Adrian Zöhler ein guter Präsident werden kann, wird vor allem davon abhängen, ob er sein Versprechen von mehr Unabhängigkeit und Transparenz notfalls auch gegen den Willen der Politik durchsetzen kann, meint SR-Landespolitikchef Michael Thieser in seinem Kommentar.

Das Verteilen von Schecks nach Gutsherrenart an einzelne Vereine, so der neue LSVS-Chef, werde es mit ihm definitiv nicht mehr geben. Darüber hinaus schloss Zöhler eine umfassende Änderung der gesetzlichen Grundlagen für den Saar-Sport nicht mehr aus. So sei eine Einbeziehung des Landtags in die finanzielle Kontrolle für ihn ein denkbarer Weg. Eine Strukturkommission, der er als Präsident ganz bewusst nicht angehöre, müsse dazu aber zunächst Vorschläge machen.

Fehler: Gratis-Essen

Darüber hinaus bedauerte Zöhler die jüngsten Schlagzeilen rund um ein Gratismenü für das neue Präsidium in der Mensa der Landessportschule. Es habe sich um ein Arbeitsessen gehandelt. Dennoch sei dies angesichts der Kündigung von zahlreichen Mitarbeitern kein glückliches Signal gewesen.

Rückwirkend war dies einfach nicht gut. Das Präsidium hat deshalb in dieser Woche beschlossen, dass jeder der Teilnehmer die entstandenen Kosten nachträglich bezahlt und zwar in vollem Umfang und nicht nur die Selbstkosten.

Hoffen auf neuen Kredit

Im Übrigen, so der LSVS-Präsident, gehe er fest davon aus, dass der beantragte neue Millionenkredit bei der Saar-LB bewilligt werde. Wenn nicht, sei der Verband am Ende und müsse in seiner jetzigen Form abgewickelt werden.

Derzeit sei die Liquidität durch einen Überbrückungskredit des Landes bis März 2019 gesichert. Mit Blick auf die Altersversorgung der bisherigen LSVS-Mitarbeiter konnte der Verband inzwischen mit der Zusatzversorgungskasse des Saarlandes (ZVK) eine Einigung zur Sicherung der Rentenansprüche erzielen. Dafür werden noch einmal rund 1,6 Millionen Euro fällig.


Das Interview als Video:

LSVS-Präsident Zöhler im Interview der Woche
Video [SR 2, Michael Thieser, 19.12.2018, Länge: 21:20 Min.]
LSVS-Präsident Zöhler im Interview der Woche


Hintergrund:

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Zöhler ist neuer LSVS-Präsident
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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 22.12.2018 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

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