Daniel Hager: "Wir suchen händeringend nach Fachkräften"

"Wir suchen bei den traditionellen Industrieberufen händeringend nach Fachkräften"

Ein Gespräch mit Daniel Hager, Vorstandsvorstandsvorsitzender der Hager Group

Audio & Text: Michael Thieser  

Sendung: Samstag 01.12.2018 12.45 bis 13.00 Uhr

Das SR 2-Interview der Woche

Der Vorstandsvorsitzende des saarländischen Herstellers für Elektro-Installationen in Wohn- und Gewerbeimmobilien, "Hager Group", Daniel Hager, hat vor den Risiken für die Saar-Wirtschaft angesichts des bevorstehenden Strukturwandels durch die Digitalisierung und die Elektromobilität gewarnt.

Hager sagte im Interview der Woche mit dem Saarländischen Rundfunk: "Die Saarwirtschaft ist heute sehr automobillastig und die Landesregierung muss aufpassen, dass die Entwicklung nicht zu ähnlichen Problemen führt wie vor Jahrzehnten bei Kohle und Stahl." Ursache sei der bevorstehende Umbruch in Richtung Elektromobilität. Dies müsse man sehr ernst nehmen. Deshalb so Hager, solle und müsse das Land seinerseits "voll auf die Zukunftstechnologien setzen und wir sollten schauen, dass wir dabei eine Führungsrolle übernehmen." Nur so könne das Saarland seine Zukunft als Industriestandort sichern.

Daniel Hager im SR 2-Studio (Foto: SR)
Daniel Hager im SR 2-Studio

Die Ängste vieler Beschäftigen vor der Digitalisierung könne er verstehen; zugleich aber betonte der Vorstandsvorsitzende der Hager Group: "Letztendlich geht es um die Bedürfnisse der Kunden und darum, genau das Produkt zu fertigen, das diese sich wünschen und dabei die Kosten so gering wie möglich zu halten.“ Sein eigenes Unternehmen versuche deshalb durch weiteres Wachstum, die veränderten Produktionsbedingungen für die Mitarbeiter abzufedern und ihnen neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Derzeit, so Hager, sei jedoch eher der Mangel an Fachkräften das eigentliche Problem. "In der Elektrobranche sind gegenwärtig 15.000 Ausbildungsplätze unbesetzt und den Unternehmen geht rund eine Milliarde Euro an Umsatz pro Jahr verloren, weil sie nicht genügend Fachkräfte rekrutieren können." Davon sei auch die Hager-Group betroffen - und deshalb sei das von der Bundesregierung vorgelegte Einwanderungsgesetz ein Schritt in die richtige Richtung.


Das Interview im Video:

Im Gespräch mit Daniel Hager
Video [SR 2, Michael Thieser, 01.12.2018, Länge: 25:10 Min.]
Im Gespräch mit Daniel Hager


Bedingungsloses Grundeinkommen keine Lösung

Politik & Wirtschaft
Arbeitslosenquote sinkt auf 5,7 Prozent
Die Zahl der Arbeitslosen im Saarland ist weiter gesunken. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit waren im November insgesamt 30.100 Menschen arbeitslos gemeldet, rund 500 weniger als im Oktober. Die Arbeitslosenquote ging auf 5,7 Prozent zurück.


Der Chef des Blieskasteler Familienunternehmens sprach sich vor dem Hintergrund der digitalen Umbrüche und der Diskussion über das Thema Industrie 4.0 gegen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens aus, wie es derzeit auch von Vertretern der deutschen  Wirtschaft ins Gespräch gebracht wird. "Die Finanzierung eines solchen Vorhabens ist nicht geklärt und hinzukommt, dass Menschen eine Aufgabe brauchen, die sie ausfüllt. Arbeit gibt jedem Menschen einen Wert und ich sehe nicht, wie ein Grundeinkommen dieses Grundbedürfnis befriedigen könnte."

Ungeregelter Brexit wäre für Hager Group beherrschbar

Mit Blick auf das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union geht Hager davon aus, dass dies in erster Linie zu Lasten der Kunden gehen wird. "Die Hager-Group wird das überstehen."

Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 200 Mitarbeiter in England und es seien momentan keine Entlassungen vorgesehen, aber - so der 46-Jährige: "Sollte es zu einem ungeregelten Brexit kommen, wird dies dazu führen, dass die Preise steigen, da nicht alle unsere Produkte und Lösungen in England gefertigt werden. Insofern werden im schlimmsten Fall zunächst einmal die Engländer die Zeche zahlen müssen." Zölle und Lieferschwierigkeiten seien immer etwas Negatives für alle Unternehmen, die grenzüberschreitend tätig sind.

Daniel Hager seit neuestem auch "Saarland-Botschafter"

Daniel Hager im SR 2-Studio (Foto: SR)
Daniel Hager im SR 2-Studio

Der Vorstandsvorsitzende der Hager Group, der Mitte November zum neuen Saarlandbotschafter berufen wurde, bekräftigte ansonsten die Vorzüge, die das Saarland zu bieten habe: Die kurzen Wege, die Nähe zu Frankreich, die Lebensqualität, die Forschungslandschaft und die Leistungsfähigkeit der Menschen seien etwas, dass der Region und dem Land einen ganz besonderen Charakter gebe. "Deshalb bin stolz darauf, der Welt zu erklären, was das Saarland alles zu bieten hat."

Ein Engagement oder ein offizielles Amt in der Politik sind hingegen für ihn aktuell kein Thema. "Ich versuche stattdessen, mich sozial zu engagieren und bei den Themen dabei zu sein, die uns alle umtreiben. Gleichzeitig bemühe ich mich, meine Erfahrungen aus der Wirtschaft an die Politik weiterzugeben, um so insgesamt zu Verbesserungen zu kommen. Ich bemühe mich, auf diese Weise meinen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten."

Die deutsch-französische Hager Group ist ein weltweit führender Anbieter von Lösungen und Dienstleistungen für die elektrotechnische Ausstattung vom Wohn-, Industrie- und Gewerbeimmobilien. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 1,9 Milliarden Euro zählt gegenwärtig 11.400 Mitarbeiter in 23 Niederlassungen in zehn Ländern.

Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 01.12.2018 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz-mittag@sr.de

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