Noch 32 Jahre bis zum Super-Endlager?

Noch 32 Jahre bis zum Endlager?

Das Interview der Woche mit Ursula Heinen-Esser, Vorsitzende der Bundesgesellschaft für Endlagerung

Christoph Scheld  

Sendung: Samstag 12.05.2018 12:45

Deutschland sucht die Super-Gesteinsschicht: Unter der Regie von Ursula Heinen-Esser, der Vorsitzenden der Bundesgesellschaft für Endlagerung, soll im Jahr 2031 endlich feststehen, wo der riesige Berg deutschen Atommülls dauerhaft vergraben wird. Im SR 2-Interview der Woche berichtet Heinen-Esser u. a. vom Stand der Dinge und von den großen und kleinen Schritten bis zum Ziel.

Ausschlusskriterien

Das Saarland komme ebenso wie das Ruhrgebiet auf keinen Fall infrage, weil der Jahrhunderte lange Kohleabbau das Erdreich derart durchlöchert habe, dass eine Endlagerung von Atommüll zu risikoreich wäre, erklärte Heinen-Esser. Auch Gebiete, in denen es auch nur die geringste Chance auf Erdbebengefährdung oder vulkanische Aktivitäten gebe - wie zum Beispiel die Eifel - seien von vorneherein ausgeschlossen.

Mindestanforderungen

Zurzeit arbeite die Bundesgesellschaft für Endlagerung an einer Liste jener Regionen, die derartige Ausschlusskriterien erfüllten. Erst wenn diese Liste fertig sei, beginne die Suche nach jenen Orten, die die Mindestanforderungen eines Endlagers erfüllten. Diese Suche werde wohl zwei Jahre dauern - und komplett am Schreibtisch stattfinden, und zwar auf Grundlage der Daten der geologischen Landesämter, erklärte Heinen-Esser. Auf diese Weise werde sich das Raster immer enger zuziehen, bis am Ende zwei oder drei Standorte gefunden seien, unter denen dann die Entscheidung fallen werde.

Mit jahrelangen Klagen der Anwohner rechne sie nicht, da "nur zwei Möglichkeiten für Klageverfahren" existierten, "so dass es da keine Endlosschleifen gibt, wie wir sie aus anderen Bauprojekten kennen".

Hintergrund

Voraussichtlich 2022 geht in Deutschland das letzte Atomkraftwerk vom Netz. Bis 2031 soll dann feststehen, wo Deutschland den Atommüll dauerhaft entsorgen will. Erst danach kann das Super-Endlager gebaut werden. Es soll eine Million Jahre lang Sicherheit vor radioaktiven Schädigungen garantieren - so das erklärte Ziel. Die Fertigstellung wird heute für das Jahr 2050 anvisiert. Zuständig für die Suche nach dem perfekten Endlager ist laut Standort-Auswahlgesetz die im Mai 2017 ins Leben gerufene "Bundesgesellschaft für Endlagerung".

Über dieses Thema wird in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 12.05.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


Christoph Scheld: Problem Atommüll
Deutschland sucht das Super-Endlager
Bis 2022 soll das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet werden. Aber wohin mit dem Atommüll? Bis 2031 soll ein Endlager gefunden werden. Die Suche gestaltet sich zäh, aber die Zeit drängt, wie ein Besuch im Lager Asse zeigt.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz-mittag@sr.de

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