"Eine Prise Abenteuer" - Astronaut Matthias Maurer im Interview der Woche

"Eine Prise Abenteuer" - Matthias Maurer will zum Mond

Das Interview der Woche

Interview: Dagmar Scholle / Onlinefassung: Martin Breher   07.04.2017 | 11:32 Uhr

Im Interview der Woche spricht der im Saarland geborene Astronaut Matthias Maurer mit Dagmar Scholle über seine Ausbildung zum Astronauten: Über die Anforderungen des Auswahlverfahrens, über seine Grundausbildung, und auch über sein großes Ziel, einem Flug zum Mond. Außerdem erklärt Maurer, was die Raumfahrt für den normalen Menschen bringt und was er in Sachen Raumfahrt im Saarland erreichen möchte.

Sendung: Samstag 08.04.2017 08.04.2017 12:45

Ja, er könne sich durchaus vorstellen, in die Fußstapfen von Buzz Aldrin oder Neil Armstrong zu steigen und einmal selbst auf den Mond zu fliegen und dort Exploration zu betreiben und die Arbeit von Aldrin und Armstrong fortzusetzen, sagt Matthias Maurer.

Er ist 47 Jahre alt, promovierter Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker. Eigentlich wollte er Luft- und Raumfahrt studieren, die Entscheidung hat er aber damals erstmal verworfen. Erst 2008, als die ESA, die Europäische Weltraumagentur, Astronauten gesucht habe, hat er sich für diesen Beruf entschieden:

Da war mir sofort klar: Das ist mein Ding, das will ich machen, weil das verbindet alles, was mich begeistert: Wissenschaft, Technologie am Rande von dem, was Technologie leisten kann, Arbeit in internationalen Teams, und natürlich eine ganz ordentliche Prise Abenteuer.

Was muss ein Astronaut können?

Beim Astronautenprogramm der ESA im Jahr 2008 hatte er rund 8500 Mitbewerber. Eine große Hilfe sei seine internationale Ausbildung gewesen: Maurer war während seines Studiums in Spanien, in Frankreich, in England, auch in Südamerika. Die Sozialkompetenz und das Arbeiten in internationalen Teams sei gerade bei Astronauten extrem wichtig.

Eine wichtige Anforderung an einen Astronauten sei die Social-Media-Kompetenz, so Maurer. Sehr deutlich wurde das bei seinem Mitbewerber, Alexander Gerst, der mittlerweile auf der ISS war und von dort die Menschheit via Twitter (@Astro_Alex) mit beeindruckenden Fotos aus dem All versorgt hatte. Auch Maurer twittert – unter dem Namen @Explornaut.

Astronaut Matthias Maurer im SR 2-Studio (Foto: SR)
Astronaut Matthias Maurer im SR 2-Studio

Auswahlverfahren und Lehrplan

Das Auswahlverfahren für Maurer bestand aus verschiedenen Stufen: Zu Beginn musste man sich schriftlich bewerben, aus den 8500 Bewerbungen wurden 800 Bewerber zu einem computerbasierten Test eingeladen. Runde zwei war ein Sozialkompetenz-Test mit Gruppenspielen in kleinen Gruppen, nebenbei wurden die Teilnehmer von Psychologen befragt. Runde drei war ein Medizintest. In der vierten Runde musste man sich vor einem Fachgremium aus ESA-Manager, Astronauten und Psychologen bewähren. Die Finale Stufe war dann ein Treffen mit dem Chef der ESA.

Maurer hat alle Hürden geschafft. Momentan steckt er in seiner Grundausbildung. Diese dauert zwei Jahre. Dort wird das Handwerkszeug eines Astronauten gelehrt: Raumstationen betreiben, Überlebenstraining für Extremsituationen, in der Wildnis, im Wasser und unter Wasser.

Für Maurer steht nun der letzte Block der Ausbildung an. In den kommenden Wochen wird er in Houston lernen, was es bei Weltraumspaziergängen alles zu beachten gibt. Sobald er damit durch ist, erklärt Maurer, kann er auch für einen „richtigen Raumflug“ ernannt werden.

Wohin geht es für Maurer?

Für seine Zukunft gibt es drei mögliche Einsatzstellen: Zur Internationalen Raumstation ISS, ab 2022 wäre vielleicht auch ein Flug zur chinesischen Raumstation möglich, im Moment baue man die Zusammenarbeit mit den Chinesen auf. Maurers Wunsch wäre aber eine Reise zum Mond.

Das sei im Moment aber nur mit der NASA möglich. Diese will in den nächsten Jahren wieder Astronauten zum Mond schicken. Das Programm für bemannte Raumfahrt, das unter US-Präsident Obama eingestellt wurde, soll nun doch ermöglicht werden, da Trump auch hier eine andere Meinung als sein Vorgänger vertritt.

Supermond (Foto: SR)
Maurers Ziel: Der Mond

Was bringt die Raumfahrt den normalen Menschen?

Die Entwicklungen aus der Raumfahrt kämen oft zeitverzögert bei den Menschen an, erklärt Maurer. Viele Dinge aus dem Alltag seien eigentlich Entwicklungen aus der Raumfahrt, doch das sei vielen Menschen oft gar nicht bewusst: Akkus wurden eigentlich für den Einsatz im All entwickelt, wo es keine Stromversorgung gibt; Tempur-Matratzen wurden entwickelt, damit die Astronauten bei der Landung abgefedert werden; GPS-Sensoren, wie sie in Handys verwendet werden, wurden ursprünglich für die Navigation in der Raumfahrt konzipiert; und auch die Panorama-Funktion von Handy-Kameras wurde für die Raumfahrt entwickelt – für den Roboter Curiosity, der damit Panorama-Aufnahmen vom Mars liefern sollte. Das seien nur einige Beispiele für den Nutzen der Raumfahrt für den normalen Menschen.

Die Ziele der Raumfahrt

Also das große Ziel, was wir eigentlich verfolgen mit der Raumfahrt, sind ja die grundlegenden Fragen. Und die ganz große Frage ist: Sind wir alleine im Weltraum oder gibt es irgendwo noch Leben? Und diese Frage treibt uns an und eine Antwort erhoffen wir uns auf dem Mars zu finden.

Es sei gut möglich, dass einmal Leben auf dem Mars existiert habe. Auch wenn das jetzt nicht mehr so ist, hoffe man, dass man auf dem Mars noch fossile Spuren finden könne. Dafür müsse man aber auf den Mars fliegen, und eine Reise dahin sei technisch sehr schwierig. Für die Vorbereitungen sei der Mond gut geeignet. Und der Mond könnte auch als Tankstelle für einen Flug zum Mars dienen.

Was passiert im Saarland?

Maurer – selbst gebürtiger Saarländer - hofft, und möchte sich auch dafür einsetzen, Raumfahrt „aktiv ins Saarland zu bringen. So könne man Arbeitsplätze schaffen, innovative Startup-Unternehmen und Menschen begeistern. Die Nachbarn aus Luxemburg seien auf diesem Gebiet schon wesentlich weiter, etwa beim Abbau von wertvollen Werkstoffen auf Asteroiden, meint er. Das will er ändern.

Astronaut Matthias Maurer im SR 2-Studio (Foto: SR)
Astronaut Matthias Maurer im SR 2-Studio


Das Interview der Woche

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