Ein Familienbild aus der NS-Zeit (Foto: SR)

Ich wär‘ so gerne heimgekommen

NS-Euthanasie im Saarland

Von Mirko Tomic  

Sendung: Samstag 23.01.2021 9.05 bis 9.30 Uhr

Niemand hat ihre Zahl genau erfasst, aber nach Schätzung von Experten fielen dem so genannten "Euthanasie-Programm" in Nazi-Deutschland zwischen 1939 und 1945 rund 200.000  Menschen zum Opfer.

Mittwoch, 27. Januar, 00.15 Uhr, SR Fernsehen
Ich wäre so gerne heimgekommen - NS-Euthanasie im "Dritten Reich"

Hinter dem "guten Tod" - so die wörtliche Übersetzung - steckte ein perfides System, das von den Propagandisten und Ideologen des "Dritten Reiches" langfristig vorbereitet wurde. Völlig unabhängig von ihrem Lebensalter und dem Grad oder den Ursachen ihrer Handicaps wurden zehntausende Menschen wahlweise als "Krüppel", "Idioten", "Schwachsinnige", "Irre" oder "Erbkranke“ eingestuft und ausgesondert.

Für die meisten Betroffenen ein sicheres Todesurteil. In zentralen Einrichtungen wurden sie entweder vergast oder zu Tode gespritzt. Oder man ließ sie einfach verhungern.

Im Saarland gab es keine spezielle Tötungseinrichtung. Aber das bewahrte die behinderten Menschen in der Region nicht davor, ebenfalls fast flächendeckend ermordet zu werden. Historiker gehen davon aus, dass in der Region mehrere Tausend Kranke und Behinderte - oft auch unter Vorspiegelung falscher Tatsachen - von ihren Familien getrennt und schließlich getötet wurden. Manchmal schrieben die Opfer Briefe nach Hause oder erklärten bei einem Besuch der Familienangehörigen in der Anstalt, dass sie lieber heimgehen wollen.

Einzelne Angehörige haben versucht, ihre Kinder, Geschwister, Onkel, Tanten oder Eltern aus der Todesmaschinerie zu befreien - oft unter eigener Gefahr, aber manchmal sogar mit Erfolg.

Und was geschah mit den Ärzten, die solche "Sonderbehandlungen" mit getragen oder sogar organisiert hatten? Nach heute vorliegenden Erkenntnissen wurden sie nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" kaum juristisch belangt. Vielen gelang nach dem Krieg sogar eine bemerkenswerte Karriere; z. B. auch an der Homburger Uni-Klinik.

Mirko Tomic über sein Feature "Ich wär‘ so gerne heimgekommen"
Audio [SR 2, Steffen Kolodziej / Mirko Tomic, 26.01.2021, Länge: 05:31 Min.]
Mirko Tomic über sein Feature "Ich wär‘ so gerne heimgekommen"
Am 27. Januar wird jedes Jahr der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gedacht. 2021 stehen "Die Patientenmorde im Nationalsozialismus und die Opfer" im Vordergrund. Auch in den saarländischen Heil- und Pflegeanstalten in Merzig und Homburg wurden Menschen umgebracht, die dem nationalsozialistischen Rassebegriff nicht entsprachen. Längst nicht alle Täter wurden nach Kriegsende bestraft. SR-Reporter Mirko Tomic erzählt im Gespräch mit Steffen Kolodziej von den Ergebnissen seiner Recherchen für sein Feature "Ich wär‘ so gerne heimgekommen".


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HörStoff

Bis Ende März 2021 lief an Samstagen ab 9.05 Uhr auf SR 2 KulturRadio die Sendung "HörStoff". Die Sendereihe beschäftigte sich mit Themen an den Schnittstellen von Religion, Kultur und Gesellschaft.

Seitdem läuft auf dem gleichen Sendeplatz die "FeatureZeit": am ersten Samstag im Monat gibt's ein einstündiges Feature, an den übrigen Samstagen jeweils ein halbstündiges Feature.


Sie finden eine Auswahl der älteren HörStoff-Sendungen noch eine Weile in der SR-Mediathek.

Verantwortlich: Ursula Thilmany-Johannsen, Thomas Bimesdörfer

Kontakt: hoerstoff@sr.de


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