Zwischen Image und Imagination

Zwischen Image und Imagination

Die Auftritte der Ehrengastländer auf der Frankfurter Buchmesse und ihre Effekte  

Von Barbara Renno  

Sendung: Samstag 10.10.2020 9.05 bis 9.30 Uhr

In den 70er Jahren hatte der langjährige Direktor der Frankfurter Buchmesse, Peter Weidhaas, die zündende Idee, das damals angestaubte Image der weltgrößten Bücherschau mit Schwerpunkthemen aufzupolieren. Den Auftakt machte die südamerikanische Literatur – Autor*innen wie Mario Vargas Llosa, Gabriel García Márquez oder Isabel Allende wurden im Nachgang zu Literaturstars. In den 80er Jahren lösten die Länderschwerpunkte die Themenschwerpunkte ab – und diese Erfolgsgeschichte wird bis heute weitergeschrieben.

Jahr für Jahr stellt die Messe ihre größte Ausstellungsfläche dem jeweiligen Ehrengastland zur Verfügung. Und Jahr für Jahr gehört dieser Pavillon zu den Publikumsmagneten auf der fünftägigen Messe. Die Effekte eines Ehrengastlandauftrittes sind vielfältig und die teilnehmenden Länder – von A wie Argentinien bis vorläufig V wie Volksrepublik China – lassen sich ihren Auftritt zwischen drei und sechs Millionen Euro und mehr kosten. Den dicksten Posten nimmt dabei die Übersetzungsförderung ein. Denn gerade für kleinere Literaturmärkte wie den isländischen, georgischen, finnischen oder indonesischen ist der deutschsprachige Markt attraktiv – er ist das Tor zum Weltmarkt.

Was ins Deutsche übersetzt wird, wird von internationalen Agenturen und Literaturscouts aus aller Welt beachtet und die Rechte und Lizenzen oft erfolgreich weiterverkauft. Aufregende, neue literarische Stimmen haben damit gute Chancen Gehör zu finden. Gleichzeitig nutzen Gastländer die Gelegenheit, auf ihre Kunst, Kultur, Lese- und Erzähltraditionen und ihr Theater aufmerksam zu machen. Nicht zuletzt erzählen Gastländer davon, wie sie sich selbst wahrnehmen und wie sie wahrgenommen werden möchten.

In diesem Jahr der Pandemie legt das Prinzip "Ehrengastauftritt" eine Zwangspause ein – eine gute Gelegenheit, auf vergangene Auftritte und ihre Effekte zurückzublicken.


HörStoff

Samstags von 9.05  bis 9.30 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Die Sendereihe beschäftigt sich mit Themen an den Schnittstellen von Religion, Kultur und Gesellschaft.

In den Features und Reportagen geht es um

  • Fragen von Lebenssinn, Glauben und Spiritualität

  • gesellschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Entwicklungen und Veränderungen

  • Fragen der Philosophie, Theologie, Moral und Ethik

  • die Auswirkungen einer globalisierten Welt auf den Alltag der Menschen

Sie finden die jeweils aktuelle HörStoff-Sendung kurze Zeit nach ihrer Ausstrahlung auch in der SR-Mediathek.

Verantwortlich: Ursula Thilmany-Johannsen, Thomas Bimesdörfer

Kontakt: hoerstoff@sr.de


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