Kinder des Krieges

Kinder des Krieges

Erinnerungen an Kindheitstage im Jahr 1945

 

Sendung: Samstag 09.05.2020 9.05 bis 9.30 Uhr

"Evakuierung, Widerstand und letzte Gefechte an der Saar"

DasErste.de: Kinder des Krieges
Erinnerungen an die Kindheitstage im Jahre 1945
Hier finden Sie schon jetzt alle Audios der Radiogeschichten zur Fernsehdokumentation "Kinder des Krieges".

Autor: Jochen Marmit
Redaktion: Thomas Bimesdörfer (SR), Rudolf Linßen (SWR)
Regie: Wolfgang Bauernfeind

Alois Jost, geboren am 11.12.1937, verbringt seine Kindheit im nordsaarländischen 1.000 Seelen Dorf Kastel. Dass Krieg ist, weiß der Junge – sein Vater hört heimlich BBC, dunkelt dafür das Wohnzimmer ab. Hinter dem Haus verläuft die Eisenbahn, transportiert Kriegsgerät und Soldaten an die Westfront, das besetzte Frankreich ist 50 Kilometer entfernt. Am 12. März 1945 kommen die Alliierten über den westlichen Hügel, es entbrennt ein letzter Kampf um das Dorf. Am nächsten Tag werden über 20 tote  deutsche  Soldaten auf den Dorfplatz gekarrt und anschließend in einem Massengrab beerdigt. Über die dramatischen Kriegstage hat  Alois Jost nur selten gesprochen. Wenige Tage nach den Tonaufnahmen ist er verstorben. 

Detlef Thieser, geboren am 28.06.1936, wächst oberhalb der Völklinger Hütte auf der so genannten Röchling Höhe auf. 1939 wird er bei Kriegsbeginn zum ersten Mal evakuiert. Ein Schicksal, das viele Grenzbewohner gleich zweimal während des Krieges erleiden. Die Bombardierung und Zerstörung des 20 Kilometer entfernten Saarbrückens erlebt die Familie von ihrer Höhe aus, dann folgt Ende 1944 die zweite Evakuierung in die Nähe von Würzburg. Zurück im zerstörten Völklingen findet der neunjährige eine Granate in seiner Matraze, die nicht explodiert ist, das Haus steht noch. 

Horst und Alice Bernard, Geschwister, Jahrgang 1932 und 1935, verlassen mit ihren Eltern nach der Saarabstimmung 1935 Saarbrücken, reisen nach Südfrankreich. Die Eltern haben sich zuvor öffentlich für den Status Quo ausgesprochen und müssen nach der Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich sofort fliehen. Die Familie wohnt erst in Agen, dann in einem kleinen Dorf, Mutter und Kinder unterstützen den Widerstand, dieser rettet sie vor der Gestapo. Zurück in Saarbrücken  landet die Familie in einem anderen Land und einer zerstörten Stadt. Alice und Horst gründen Familien, engagieren sich für die Deutsch-Französische Aussöhnung.

Hannelore Dörr, geboren im Januar 1939, erlebt den Krieg in der zweitgrößten Stadt des Saarlandes, in Neunkirchen. Als wichtige Hüttenstadt ein häufiges Ziel alliierter Luftangriffe. Ihr Alltag ist geprägt von Verzicht und Notmaßnahmen, von Hunger und Mangelerscheinungen. Die anrückenden Amerikaner werfen Schokolade, Kaugummi, Corned Beef vom Panzer, die Mutter verbietet ihr, die Dinge aufzuheben. Verzicht und Härte, das soll sie lernen. Sie lernt aber auch, dass es Menschen gibt, die etwas für sie tun, sie mögen. Aus dem Kriegskind wird eine strenge, aber auch selbstbewusste Frau, die durch die Kriegszeit geprägt worden ist.


Hintergrund:

DAS TRAUMA EINER GENERATION

Menschen der 1930er Jahrgänge erzählen

ARD-Projekt: Kinder des Krieges
Thomas Bimesdörfer: "Eine völlig neue Perspektive"
75 Jahre nach Kriegsende hat die ARD in "Kinder des Krieges" deutschlandweit Erinnerungen der Kriegskinder-Generation gesammelt. Eine Auswahl von Filmen und Hörstücken aus den alliierten Besatzungszonen aus den Jahren 1945 und 1946 ermöglicht sehr authentische und besondere Einblicke in die Lebensumstände der "Kinder des Krieges".


Kinder des Krieges
Erinnerungen an Kindheitstage im Jahr 1945

Wenn die deutsche Öffentlichkeit in diesen Monaten dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 gedenkt, wird deutlich werden, wie klein die Zahl jener Menschen ist, die über diese Zeit noch aus eigenem Erleben berichten kann. Aber noch leben Angehörige der Generation, die den Krieg miterlebten. Noch leben die letzten Zeitzeugen, die in Bombenkellern saßen, zum Volkssturm eingezogen wurden, mit ihren Eltern vor der näher rückenden Front flohen. Das Bemerkenswerte dieser Zeitzeugen der Jahrgänge 1930 bis 1940, also  der heute 80- bis 90-Jährigen ist der Umstand, dass deren Erfahrungen Kindheitserlebnisse sind – Eindrücke, die oft lange Zeit vergessen und verdrängt schienen, die aber im höheren Alter wieder hervortreten und im Lichte eines langen bewussten Lebens eine besondere Deutlichkeit und Deutung gewinnen können.

Feature-Autorinnen und -Autoren der ARD haben 30 Zeitzeugen nach ihren Kindheitserinnerungen im Frühjahr 1945 befragt. Erzähltes Leben in 30 Schicksalen und mehreren Episoden.

SR 2 KulturRadio sendet diese beeindruckenden Dokumente mündlicher Geschichtsschreibung an drei Tagen im Mai:

FeatureZeit, 1. Mai 2020, 11.04 Uhr bis 12.00 Uhr:
"Kindheit im Lager – Die Überlebenden des Holocaust"
"Von Aachen bis zum Edersee – das lange Warten auf Kriegsende"

HörStoff Spezial, 2. Mai 2020, 09.05 Uhr bis 10.00 Uhr:
"Diese Narben, die habe ich immer behalten – Fluchtgeschichten zwischen Ostpreußen und Bremen"
"Zwischen den Fronten – Von Böhmen bis in die Reichshauptstadt"

HörStoff, 9. Mai 2020, 09.05 Uhr bis 09.30 Uhr:
"Evakuierung, Widerstand und letzte Gefechte an der Saar"


HörStoff

Samstags von 9.05  bis 9.30 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Die Sendereihe beschäftigt sich mit Themen an den Schnittstellen von Religion, Kultur und Gesellschaft.

In den Features und Reportagen geht es um

  • Fragen von Lebenssinn, Glauben und Spiritualität

  • gesellschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Entwicklungen und Veränderungen

  • Fragen der Philosophie, Theologie, Moral und Ethik

  • die Auswirkungen einer globalisierten Welt auf den Alltag der Menschen

Sie finden die jeweils aktuelle HörStoff-Sendung kurze Zeit nach ihrer Ausstrahlung auch in der SR-Mediathek.

Verantwortlich: Ursula Thilmany-Johannsen, Thomas Bimesdörfer

Kontakt: hoerstoff@sr.de


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