Kinder des Krieges 1944/45 (Foto: SR)

Kinder des Krieges

Erinnerungen an Kindheitstage im Jahr 1945

 

Sendung: Samstag 02.05.2020 9.05 bis 10.00 Uhr

"Diese Narben, die habe ich immer behalten"

Online hören: Kinder des Krieges
Erinnerungen an die Kindheitstage im Jahre 1945
Hier finden Sie schon jetzt alle Audios der Radiogeschichten zur Fernsehdokumentation "Kinder des Krieges".

Fluchtgeschichten zwischen Ostpreußen und Bremen

Autoren: Alexa Hennings, Jens Schellhass
Regie: Nikolai von Koslowski
Redaktion: Joachim Dicks (NDR), Tobias Nagorny (Radio Bremen)

Leo Untrieser kommt 1932 in einem Dorf im östlichsten Ostpreußen zur Welt. - Im Oktober 1944 flüchtet die Familie vor der Sowjetarmee und wird eingeholt. Als seine Mutter an Typhus stirbt, seine beiden Brüder ebenfalls erkranken, weiß er nicht weiter. Er kommt 1949 in die neu gegründete Bundesrepublik. Hier trifft er seinen Vater. Erst jetzt ist der Krieg für ihn vorbei.

Christa Siegmüller kommt 1938 als Pastoren-Tochter in Bremen zur Welt. Ihr Vater wird mit Kriegsbeginn eingezogen. Danach hat sie ihren Vater nur noch zwei Mal gesehen - 1941 und 1944. Heute sieht sie ihn in ihrer Erinnerung mit gelben Augen, weil er bei seinem letzten Besuch Spiegeleier mit ihr gebraten hat. Am 7. April 1945 kommen die Engländer. Für die Kinder gibt es Schokolade. Christa Siegmüllers Vater stirbt 1946 als Kriegsgefangener. 

Rotraut Thomas, geb. Allstein ist 10 Jahre alt, als der Krieg auch sie einholt. In Strelitz, einer Kleinstadt im Herzen Mecklenburgs, hatte man fast wie im Frieden gelebt. Als die Rote Armee naht, läuft die Mutter mit ihren drei Mädchen in Richtung Westen. In Schwerin sieht Rotraut den ersten Farbigen in ihrem Leben: einen GI. Er bedeutet: Frieden. Als sie später nach Strelitz zurückkehrt, gibt es zwei befreundete Familien nicht mehr: Sie haben sich umgebracht.

Wolfgang Nixdorf wohnt in Breslau. Er ist 10, als alle Kinder aufs Land in fremde Familien geschickt werden. Als es auch dort nicht mehr sicher ist, werden sie zurück nach Breslau gebracht. Auf der Fahrt werden die Laster voller Kinder beschossen. Die ersten Toten, die Wolfgang in diesem Krieg sieht, sind seine Schulkameraden. Als der Tod Hitlers im Radio gemeldet wird, will sein 15jähriger Bruder auch nicht mehr leben.


"Zwischen den Fronten"

ARD-Projekt: Kinder des Krieges
Thomas Bimesdörfer: "Eine völlig neue Perspektive"
75 Jahre nach Kriegsende hat die ARD in "Kinder des Krieges" deutschlandweit Erinnerungen der Kriegskinder-Generation gesammelt. Eine Auswahl von Filmen und Hörstücken aus den alliierten Besatzungszonen aus den Jahren 1945 und 1946 ermöglicht sehr authentische und besondere Einblicke in die Lebensumstände der "Kinder des Krieges".

Von Böhmen bis in die Reichshauptstadt

Autoren: Alexa Hennings, Matthias Körner, Tobias Barth, Ruth Kinet
Redaktion: Ulf Köhler (MDR), Christian Lerch (RBB)
Regie: Nikolai von Koslowski

Im Mai 1945, kurz nach Ende des Krieges - der Vater ist im Krieg - lebt Klaus Zippel zusammen mit seiner Mutter und Schwester in Aussig, heute Ústí nad Labem, einer kleinen Stadt an der Elbe.  Mit dem Erlass der Beneš-Dekrete am 19. Mai 1945 werden alle Personen mit deutscher Nationalität "als staatlich unzuverlässig" erklärt. Wenige Tage später werden  Klaus mit Mutter und Schwester  in großen Elbkähnen flussabwärts über die deutsch-tschechische Grenze abgeschoben. 

Barbara Knappe (geb. Ehlert) war 12, als ihre Familie aus der Lausitz nach Posen (heute Poznań) geht. Ihr Vater hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet und wurde im besetzten Polen als Stellwerksleiter eingesetzt.  Im Dezember 1944 lernt die inzwischen 15jährige in einer schlesischen Lehrerbildungsanstalt, als sie schon die Geschütze der sich nähernden Front hört. Ihr Vater, ein überzeugter Nazi, wird immer schweigsamer. Am 20. Januar 1945 bringt er die Familie zum Bahnhof, sie soll zu Verwandten fliehen. Barbara wird ihren Vater nie wieder sehen

Peter-Claus Lieberwirth arbeitet im Februar 1945 in dem Betrieb seines Vaters. Mit einem großen Lasten-Fahrrad liefert er Schokolade  in alle Stadtteile Dresdens aus. Als am 13. Februar Fliegeralarm ausgelöst wird, steht er in einem Hinterhof und schaut in den Himmel. Peter-Claus erzählt vom Inferno des Luftangriffs. Er erinnert sich an die vielen Toten und an sein altes  Klavier, vom dem sich Teile in den Querstreben im Inneren des Hauses verfangen hatten.   

Der fünf Jahre alte Gerhardt Grunert erlebt das Ende des Krieges zusammen mit seiner Mutter in Havelberg. Als die Soldaten der Roten Armee vorrücken, fliehen die beiden in Richtung Elbe, dorthin, wo die US-Army vorrückt. Vor der Elbe stauen sich Menschen mit ihren Handwägen darauf Habseligkeiten, Menschen die Wochenlang mit ihren Pferdefuhrwerken unterwegs waren. Die Maschinengewehre der russischen Jagdflieger feuern und die Amerikaner lassen die Elb-Fähre nicht wieder zurück über den Fluss.

Johann Killer wird am 1. August 1935 geboren. Seine Eltern bewirtschafteten einen Hof in böhmisch Rothmühl. Trotz Krieg und Armut hat er eine unbeschwerte Kindheit, die am 14.Juli 1945 abrupt endet, als die Familie im Rahmen der ersten Vertreibungswelle  „einwaggoniert“ und in offenen Kohlenwaggons  Richtung Sachsen geschickt wurde. 

Lange konnte Ruth Winkelmann die Erinnerung an die vielen Jahre der Verfolgung und des Krieges nicht ertragen, erst im Alter von 80 Jahren beginnt sie zu erzählen und sich zu erinnern.  Als sogenannte „Geltungsjüdin“ überlebt sie den Nationalsozialismus gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in einer Gartenlaube in Berlin-Wittenau. 

Als das Grauen des Zweiten Weltkrieges zu Ende ging ist Peter Leonhard Braun 16 Jahre alt. Die letzte Kriegsnacht ist für ihn die schlimmste seines Lebens, er verbringt sie zusammen mit Mutter und Schwester auf einem Dach in der Berliner Knesebeckstraße, während unter ihnen russische Soldaten den Dachboden durchsuchen.


Hintergrund

DAS TRAUMA EINER GENERATION

Menschen der 1930er Jahrgänge erzählen


Kinder des Krieges
Erinnerungen an Kindheitstage im Jahr 1945

DasErste.de: Kinder des Krieges
Erinnerungen an die Kindheitstage im Jahre 1945
Hier finden Sie schon jetzt alle Audios der Radiogeschichten zur Fernsehdokumentation "Kinder des Krieges".

Wenn die deutsche Öffentlichkeit in diesen Monaten dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 gedenkt, wird deutlich werden, wie klein die Zahl jener Menschen ist, die über diese Zeit noch aus eigenem Erleben berichten kann. Aber noch leben Angehörige der Generation, die den Krieg miterlebten. Noch leben die letzten Zeitzeugen, die in Bombenkellern saßen, zum Volkssturm eingezogen wurden, mit ihren Eltern vor der näher rückenden Front flohen. Das Bemerkenswerte dieser Zeitzeugen der Jahrgänge 1930 bis 1940, also  der heute 80- bis 90-Jährigen ist der Umstand, dass deren Erfahrungen Kindheitserlebnisse sind – Eindrücke, die oft lange Zeit vergessen und verdrängt schienen, die aber im höheren Alter wieder hervortreten und im Lichte eines langen bewussten Lebens eine besondere Deutlichkeit und Deutung gewinnen können.

Feature-Autorinnen und -Autoren der ARD haben 30 Zeitzeugen nach ihren Kindheitserinnerungen im Frühjahr 1945 befragt. Erzähltes Leben in 30 Schicksalen und mehreren Episoden.

SR 2 KulturRadio sendet diese beeindruckenden Dokumente mündlicher Geschichtsschreibung an drei Tagen im Mai:

FeatureZeit, 1. Mai 2020, 11.04 Uhr bis 12.00 Uhr:
"Kindheit im Lager – Die Überlebenden des Holocaust"
"Von Aachen bis zum Edersee – das lange Warten auf Kriegsende"

HörStoff Spezial, 2. Mai 2020, 09.05 Uhr bis 10.00 Uhr:
"Diese Narben, die habe ich immer behalten – Fluchtgeschichten zwischen Ostpreußen und Bremen"
"Zwischen den Fronten – Von Böhmen bis in die Reichshauptstadt"

HörStoff, 9. Mai 2020, 09.05 Uhr bis 09.30 Uhr:
"Evakuierung, Widerstand und letzte Gefechte an der Saar"


HörStoff

Samstags von 9.05  bis 9.30 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Die Sendereihe beschäftigt sich mit Themen an den Schnittstellen von Religion, Kultur und Gesellschaft.

In den Features und Reportagen geht es um

  • Fragen von Lebenssinn, Glauben und Spiritualität

  • gesellschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Entwicklungen und Veränderungen

  • Fragen der Philosophie, Theologie, Moral und Ethik

  • die Auswirkungen einer globalisierten Welt auf den Alltag der Menschen

Sie finden die jeweils aktuelle HörStoff-Sendung kurze Zeit nach ihrer Ausstrahlung auch in der SR-Mediathek.

Verantwortlich: Ursula Thilmany-Johannsen, Thomas Bimesdörfer

Kontakt: hoerstoff@sr.de


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