Buchcover: Albertine Sarrazin - Der Ausbruch (Foto: tadoma 3)

Albertine Sarrazin: "Der Ausbruch"

Werktäglich ab ca. 14.04 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Fortsetzung folgt...  

Sendung: Donnerstag 23.01.2020 bis Montag, 23.03.2020


In 43 Folgen gelesen von Camilla Renschke

Albertine Sarrazin: "Querwege" und "Der Ausbruch"
Audio [SR 2, Tilla Fuchs, 23.01.2020, Länge: 04:40 Min.]
Albertine Sarrazin: "Querwege" und "Der Ausbruch"
Albertine Sarrazin (1937 - 1967) hat ihre Gefängniserfahrungen der 1950er und 1960er Jahre eindrucksvoll literarisch verarbeitet - in ihren Romanen "Querwege" und "Der Ausbruch". SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs stellt Werk und Leben der jung verstorbenen Künstlerin vor.

Originaltitel: "La Cavale". Aus dem Französischen von Claudia Steinitz 
INK Press. 26,00 Euro

Die junge Anick Damien hat schon viele Jahre in französischen Besserungsanstalten verbracht. Während sie von Gefängnis zu Gefängnis verlegt wird, verbringt sie ihre Tage damit, kunstvolle Briefe an Richter und Anwälte zu formulieren und sich tagebuchartige Notizen zu machen.

In "Der Ausbruch" verarbeitet Albertine Sarrazin halb-autobiographisch ihre Erfahrungen in Frauengefängnissen der 1960er Jahre in Frankreich. Zwischen Prostituierten, Diebinnen und verlausten Analphabetinnen wehrt sich ihre Romanheldin sprachgewaltig gegen einen Ort bar jeder Poesie.

Den "Ausbruch" plant Annick Damien minutiös mit ihrer Mitgefangenen Maria. Auch hat sie, während sie Zigarette um Zigarette, gegen ihre Klamotten eingetauscht, raucht, das Mantra ihres ebenso inhaftierten Ehemanns im Ohr: "Wir sind allein, mein Schatz. Ganz allein", um dann auch mit ihm via Kassiber an einem gemeinsamen Ausbruch zu feilen. Dank ihrer Phantasie bleibt Anick Damien auch hinter Gittern frei.


Albertine Sarrazin, *1937 in Algier, wird direkt nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Aufgenommen von der Familie eines Militärarztes, wird sie später von einem Onkel vergewaltigt. Die Adoptiveltern schieben das unzähmbare, begabte Mädchen in eine Besserungsanstalt ab. Sie wird kriminell. Mit 19 lernt sie ihren Mann Julien kennen. Die acht Ehejahre verbringen sie überwiegend getrennt voneinander im Gefängnis, immer wieder verhaftet wegen Diebstahl und Hehlerei. Dort beginnt Albertine Sarrazin ihre Erinnerungen und ihren Gefängnisalltag niederzuschreiben.

1964, in Freiheit, formuliert sie aus diesen Notizen ihre ersten Romane "L’Astragale" und "La Cavale". Ein Jahr später wird sie von Simone de Beauvoir entdeckt und gefördert: Die Knast- und Kriminellenromane aus weiblicher Perspektive werden zu Bestsellern. Es folgt ihr dritter Roman "La Traversière" ("Querwege“" ink press 2019). 1967 stirbt Sarrazin im Alter von nur 29 Jahren an den Folgen einer schlecht durchgeführten Operation. Albertine Sarrazins zweiter Roman "La Cavale" wurde von Claudia Steinitz neu übersetzt und erschien 2018 unter dem Titel "Der Ausbruch" bei ink press in Zürich.


Fortsetzung folgt...

Montags bis freitags, 14.04 bis ca. 14.30 Uhr
und danach jeweils 30 Tage lang in der SR-Mediathek

Die knappe halbe Stunde Literatur am Tage: Kurzgeschichten, Novellen oder Romane von berühmten Autoren, gelesen von erstklassigen Sprechern.

Redaktion: Tilla Fuchs
Kontakt: fortsetzungfolgt@sr.de

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja