La Carlota-Denkmal Carlos III (Foto: SR/Jochen Marmit)

Andalusisches Paredeiß

Wie Saar-Pfälzer im 18. Jahrhundert in Spanien neue Städte bauten

Von Jochen Marmit (SR)  

Sendung: Samstag 26.03.2022 9.05 bis 9.30 Uhr

Auswanderung war im 18. Jahrhundert keine Seltenheit. Auch aus der Saargegend, dem Hunsrück und der Pfalz zog es Tausende zu neuen Ufern – nach Ungarn, Nord- und Südamerika. Dagegen ist weitgehend unbekannt: zwischen 1767 und 1769 wanderten rund 8.000 Menschen auch aus unserer Region ins nördliche Andalusien aus. Karl III. von Spanien wollte die unwegsamen Gebirgszüge der waldigen Sierra Morena besiedeln und ließ im großen Stil Bauern und Handwerker aus Mitteleuropa nach Spanien holen. Er beauftragte den bayerischen Kolonialisten Johann Kaspar Thürriegel vom Elsass aus, die Menschen anzuwerben. Mit großem Erfolg: Tausende folgten den verlockenden Beschreibungen ins vermeintlich "sonnige andalusische Paredeiß". Die Menschen wollten auf einem Stück Land ein neues, besseres Leben beginnen. Der Exodus war so heftig, dass schon 1768 einige hiesige Gemeinden Patrouillen schickten, um jede Form des sich "Davonschleichens" zu bestrafen.

In der spanischen Realität trafen die Menschen nach Überfahrt und wochenlangem Marsch auf Wildnis und schwer bebaubare Erde. In den ersten Jahren wüteten Epidemien, durch die schlechte Organisation der "Nuevas Poblaciones" ging der Aufbau von Siedlungen wie Guarromán und La Carolina nur schleppend voran. Es gab Spannungen aller Art, einige starben, einige wanderten wieder zurück. Doch die Projekte, die mit "kolonialer Ausnahmegenehmigung" weiterverfolgt wurden, brachten schließlich 15 Gemeinden und 26 kleine Siedlungen hervor.



Auch wenn die deutschen Siedler schon nach gut 70 Jahren vollständig zu Spaniern geworden waren – die nach klar aufklärerischem Maßstab errichteten Orte mit den typischen Siedler- und Verwaltungshäusern, Familiennamen wie Hamer und Moritz und nicht zuletzt die in Spanien einzigartige Tradition des Ostereierbemalens, zeugen von der ungewöhnlichen Geschichte ihrer Entstehung.

Jochen Marmit hat sich auf die Spuren der Auswanderer begeben und dabei eine saar-spanische Familiengeschichte aufgedeckt, die er nicht für möglich gehalten hätte.


Das Bild ganz oben zeigt das La Carlota-Denkmal, das an die Besiedlung im 18. Jahrhundert erinnert (Foto: Jochen Marmit).

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Redaktion: Ursula Thilmany-Johannsen, Michael ThieserJochen Marmit, Thomas Bimesdörfer, Dagmar Scholle

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