Schwangerschaftsabbruch - ein Tabu und seine Folgen

Schwangerschaftsabbruch

Ein Tabu und seine Folgen

Von Gaby Mayr  

Die SR-Koproduktion "Schwangerschaftsabbruch - Ein Tabu und seine Folgen" von Gaby Mayr ist mit dem "Juliane Bartel Preis" des LandesNiedersachsen, des NDR und der Niedersächsischen Landesmedienanstalt ausgezeichnet word. Hier können Sie das preisgekrönte Feature noch einmal hören.

Sendung: Karfreitag 19.04.2019 11.04 bis 12.00 Uhr

Knapp 101.000 Frauen haben 2018 in Deutschland einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen. Die Frauen sprechen kaum darüber. Und auch die Ärztinnen und Ärzte, die ihn durchführen, schweigen. Denn Abtreibung ist in Deutschland, anders als in vielen europäischen Ländern, im Strafgesetz geregelt. Das macht den mit am häufigsten durchgeführten gynäkologischen Eingriff zum Tabu.

Seit 1995 gilt ein einheitliches Recht zum Schwangerschaftsabbruch in Ost- und West­Deutschland: Abtreibung ist verboten - nur unter bestimmten Bedingungen bleibt sie straffrei.

Zuvor galt in der DDR seit 1972 eine Fristenregelung, die der Frau die Entscheidung überließ, ob sie eine Schwangerschaft austragen will oder nicht. In Westdeutschland hatte eine jahrzehntelange Auseinandersetzung um den Abbruch getobt.

Zu den strafgesetzlichen Bestimmungen des Schwangerschaftsabbruchs gehört auch das sogenannte Werbeverbot nach Paragraph 219a. Im November 2017 wurde die Ärztin Kristina Hänel wegen Verstoßes gegen den Paragraphen zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie ging an die Öffentlichkeit und, anders als in früheren Fällen, berichteten die Medien. 

Seitdem ist Schwangerschaftsabbruch wieder ein Thema in Deutschland. Es wurde bekannt, dass nur zwei Männer Hunderte Anzeigen nach Paragraph 219a erstattet hatten. Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die Abbrüche durchführen, sinkt stetig. In manchen Regionen müssen Frauen über hundert Kilometer fahren, um einen Abbruch zu bekommen. Oder sie gehen gleich in ein Nachbarland. Und auch in Großstädten kann es für Frauen schwer sein, einen Abbruch zu erhalten. In der Medizinausbildung wird der häufige Eingriff kaum gelehrt und bei der Forschung wird Deutschland, das in vielen Bereichen Spitzenplätze besetzt, im Fach Gynäkologie abgehängt. 

Für das "Tabu Schwangerschaftsabbruch" sorgen vor allem katholische Kirche und selbsternannte Lebensschützer. CDU/CSU und AfD greifen deren Forderungen wohlwollend auf. Auch wenn das Werbeverbot im Frühjahr 2019 innerhalb von  Paragraph 219a neu geregelt worden ist - die Tabuisierung wirkt weiter. (DLF/SR)

Der Juliane Bartel Preis

Mit dem Juliane Bartel Preis würdigt das Land Niedersachsen gemeinsam mit dem NDR und der Niedersächsischen Landesmedienanstalt Autorinnen und Autoren, die in ihren Fernseh-, Hörfunk- und Online-Beträgen auf ernste oder unterhaltsame Weise die Gleichstellung von Frauen und Männern thematisieren und dabei Rollenkonflikte oder Diskriminierungen sichtbar machen. Insgesamt 164 Medienschaffende aus dem gesamten deutschsprachigen Raum hatten sich um den Medienpreis beworben, der seit 2001 verliehen wird. Er ist nach der Journalistin Juliane Bartel (1945 – 1998) benannt. Nach Angaben des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellungsteht steht Juliane Bartel als gradlinige, kritische sowie humorvolle Person für einen fairen und glaubwürdigen Journalismus. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert – bezogen auf fünf ausgezeichnete Kategorien.

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An Feiertagen (außer sonntags) zwischen ca. 11.04 und 12.00 Uhr

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Kontakt: feature@sr.de

Redaktion: Michael ThieserJochen Marmit, Thomas Bimesdörfer, Dagmar Scholle

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