Fünfseitiges Schreiben der Rote Armee Fraktion (Foto: dpa)

Was bleibt vom Terror der Roten Armee Fraktion?

Die langen Schatten der RAF

Moderation: Martin Durm (SWR)  

Sendung: Freitag 21.08.2020 19.15 bis 20.00 Uhr

Wer damals jung war, in den 70ern, hat die Bilderwelt der bleiernen Jahre bis heute im Kopf: den Roten Stern mit der Kalaschnikow, die schwarz-weißen Fahndungsplakate der Polizei, den Gerichtssaal in Stammheim. Die RAF war damals zum Inbegriff des Terrors geworden. Sie hatte dem Staat den Krieg erklärt. Und der Staat schlug zurück. Vor genau einem halben Jahrhundert trat die RAF erstmals in Erscheinung. Wobei es eine formelle Gründung der RAF nicht gab. Als erste Aktion – und damit Geburtsstunde – gilt die Befreiung von Andreas Baader am 14. Mai 1970. Er war aus der Haft in das „Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen“ in Berlin ausgeführt worden, weil die Journalistin Ulrike Meinhof als Vorwand angegeben hatte, mit ihm ein Buch über Heimzöglinge verfassen zu wollen.

Die Berliner Zeitschrift Agit 883 publizierte am 05. Juni 1970 den Aufruf „Die Rote Armee aufbauen”. Er gilt als erste öffentliche, programmatische Erklärung der RAF. Andreas Baader,  Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Horst Mahler setzten ihn um. So zog die Gruppe in der Aufbauphase die Aufmerksamkeit des Staates zunächst durch mehrere Banküberfälle, Fahrzeug- und Dokumentendiebstähle auf sich, die vor allem das Ziel hatten, das Leben im Untergrund aufrechtzuerhalten – beispielsweise wurden am 29. September 1970 beim sogenannten „Dreierschlag“ mit mindestens 16 Tatbeteiligten in Berlin drei Banken gleichzeitig überfallen.

Rund zwei Jahrzehnte nach dem Tod der ersten Generation um Baader-Meinhof löste sich die RAF 1998 auf. Und scheint damit Geschichte geworden zu sein. Dennoch: Der RAF-Komplex ist längst nicht bewältigt. Und für die Opfer ist nichts vorbei.


Die Experten:

  • Stefan Aust, Herausgeber der Tageszeitung "Die Welt" und Autor des Standardwerkes „Der Baader-Meinhof-Komplex“
  • Dr. Wolfgang Kraushaar, Politikwissenschaftler an der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur
  • Prof. Dr. Petra Terhoeven, Historikerin, Universität Göttingen, derzeit in Oxford, per Telefon zugeschaltet

Gesprächsleitung: Martin Durm

(Übernahme des SWR2 Forums vom 04.06.2020)


Diskurs

Freitags von 19.15 bis 20.00 Uhr auf SR 2 KulturRadio.

Diskurs – das ist ein Beitrag zur Gesprächs- und Debattenkultur. Die Sendung bietet Aufzeichnungen von Diskussionsrunden im Studio, Veranstaltungen, die SR 2 KulturRadio mit seinen Medienpartnern gemeinsam durchführt sowie verschiedene andere Formate wie:

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Kontakt

Redaktion: Barbara Renno
Verantwortlich: Thomas Bimesdörfer
E-Mail: diskurs@sr.de

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