Ein Hacker bei der Arbeit (Foto: SR/Peter Sauer)

Hacking made in Israel

Ein kleines Land exportiert den großen Lauschangriff

Von Benjamin Hammer  

Sendung: Samstag 23.01.2020 17.30 bis 18.00 Uhr

Die Betreiber der großen Smartphone-Betriebssysteme Apple und Google werben damit, dass sie ihre Systeme vor Cyber-Angriffen schützen. In einem Bürogebäude in Herzliya nördlich von Tel Aviv dürften die Mitarbeiter über diese Aussage schmunzeln. Die NSO-Group – gegründet von ehemaligen israelischen Elitesoldaten – hat "Pegasus" entwickelt. Mit der Software kann ein Handy gehackt werden. Weitgehend unbemerkt vom Nutzer können Daten ausgelesen, Telefonate ausgelauscht oder Fotos gemacht werden.

Das Unternehmen wendet sich nach eigenen Angaben verstärkt an Sicherheitsbehörden von demokratischen Staaten. Es gehe etwa um die Vereitlung von Terroranschlägen. Aber immer häufiger gibt es Berichte, dass die "Hacking-Tools made in Israel" missbraucht werden. Von Diktaturen, die Regimegegner überwachen. Von Politikern, die unliebsame Journalisten aushorchen wollen. Von schwulenfeindlichen Akteuren, die herausfinden wollen, welche sexuelle Orientierung jemand hat. "Pegasus" soll auch vor der Ermordung des saudischen Journalisten Khashoggi zum Einsatz gekommen sein.

Das israelische Verteidigungsministerium muss den Export der Software genehmigen und macht das recht häufig. Israel gilt im Cyber-Bereich weltweit als führend. Viele Absolventen der legendären Armeeeinheit "8200" machen sich selbstständig. Aber es gibt auch jene, die aus Prinzip nur auf Cyber-Abwehr setzen - und sich von den kommerzialisierten Cyber-Angriffen ihrer ehemaligen Kameraden distanzieren. (ARD)


Die Reportage

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Redaktion: Michael Thieser, Katrin Aue

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