Oboe (Foto: DRP/Marco Borggreve)

Wolfgang Amadeus Mozart: Gran Partita KV 361

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Wiebke Matyschok  

Mozarts "Gran Partita" gilt als das bedeutendste Werk, das für die Besetzung von acht Bläsern, ergänzt um vier weitere Stimmen und einen obligaten Kontrabass, jemals geschrieben wurde. Über sie hat Wiebke Matyschok mit dem Oboisten Albrecht Mayer gesprochen.

Sendung: Samstag 27.02.2021 10.20 Uhr

Wolfgang Amadeus Mozart:
Gran Partita KV 361

Wiebke Matyschok im Gespräch mit dem Oboisten Albrecht Mayer

Das wäre eine schöne Geschichte, wenn Mozart die Gran Partita für seine Constanze geschrieben hätte. Und es wäre eines der wertvollsten Geschenke in der Musikgeschichte, das ein Komponist seiner Frau hätte machen können. Aber da gibt es auch noch ganz andere Geschichten.

Mitreißender Filmstoff

"Die Partitur sah nach nichts aus. Der Anfang so simpel. Fast lächerlich. Nur ein Pulsieren, Fagotte, Bassetthörner - wie eine rostige Quetschkommode. Doch da plötzlich, hoch darüber, eine einsame Oboe, ein einzelner Ton, unerschütterlich über allem, bis eine Klarinette ihn aufnimmt, in einer Phrase von solch himmlischer Süße! Das war keine Komposition eines Zirkusaffen! So eine Musik hatte ich noch nie vernommen. Voll tiefster Sehnsucht; einer so unstillbaren Sehnsucht, dass ich erbebte und es mir schien als hörte ich die Stimme Gottes." (Antonio Salieri - Zitat aus dem Film Amadeus)

Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker. Ein Oboist trifft Amadeus. Um genau zu sein: den Insassen einer Irrenanstalt, einen armen verwirrten Greis, in einem seiner lichten Momente. Salieri hatte einen missglückten Selbstmordversuch hinter sich, beschuldigte sich, ein Mörder zu sein. So weit. So filmreif.

Von ganz besonderer Art

Eine genial erfundene Geschichte. Töne wie zärtliche Wissenschaft, feinsinniges Gedankenspiel. Man solle nicht glauben, dass in einem so kleinem Kopf so etwas Großes steckt, hatte Wolfgang Amade Mozart einmal über sich selbst gesagt. Als ob er das Rätsel, das er aufgab, erklären wolle. Das ganze Wunder in wenigen Tönen in einer großen kleinen Melodie auf den Punkt gebracht  - im Adagio von Köchelverzeichnis-Nummer 361, angekündigt als eine: "große blasende Musik von ganz besonderer Art."

"Das Außergewöhnliche sind natürlich die Bassetthörner (in diesem Fall),  die schon irgendwie dieses Mittelding zwischen den Fagotten und Klarinetten darstellen. Die natürlich auch korrespondieren mit den Klarinetten. Gerade in den Trio zum Beispiel. Das ist eigentlich eine ganz besondere Farbe. Man denkt zuerst: Was ist das, sind das Klarinetten? Nein, nein, das ist doch ein anderer Klang - irgendwas zwischen Fagott und Klarinette." (Albrecht Mayer)

"Gran Partita", das bedeutendste Werk, das für diese Besetzung von acht Bläsern, ergänzt um vier weitere Stimmen und einen obligaten Kontrabass, jemals geschrieben wurde. Eine Musik, die den Geist einer höfischen Ouvertüre atmet, einer ernsthaften Sinfonie, einer vergnügten Oper und tiefsinnigen Kammermusik. Klingt nach der Quadratur des Kreises. Oder ganz einfach nach Mozart.


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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