Foto: Marco Borggreve

Edward Elgar: Cellokonzert e-Moll

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Uta Blaumoser  

Der englische Komponist Edward Elgar war im Grunde seines Herzens eine traurige Seele. Das fand vor allem in seinem letzten großen Orchesterwerk Ausdruck, dem Konzert für Violoncello und Orchester. Ein Werk voller Tragik und Abschiedsstimmung. Uta Blaumoser stellt es im Gespräch mit dem Cellisten Daniel Müller-Schott vor.

Sendung: Samstag 22.08.2020 10.20 Uhr

1917 liegt ein Schatten über Edward Elgars Leben in London: Seine geliebte Frau ist schwer krank, Freunde sterben, es ist Krieg. Er selbst kommt gerade aus dem Krankenhaus. Da schießen ihm diese Töne in den Kopf. Töne, die ihn nie wieder loslassen werden. Diese Töne sind der Beginn einer großen Erzählung. Als Elgar das Thema einfällt, weiß er noch nicht, was er daraus machen soll: eine Symphonie, ein Solowerk oder ein Konzert?

Er lässt es liegen, widmet sich zunächst anderen kammermusikalischen Werken wie z. B. der Violinsonate oder dem Klavierquartett, um sich dann – zurückgezogen in sein Ferienhaus in Sussex – der Orchestrierung des Werkes zu widmen. Immer noch ohne konkrete Vorstellung. Dann drängt es sich auf: das Cello – die Hauptperson und klingender Doppelgänger von Elgar selbst. Es erzählt die Geschichte von Edward Elgar, eine melancholische Geschichte.


Es ist eine große Melancholie, ein Bewusstsein für Vergangenheit; das gelebte Leben zu spüren und diese Tragik und dieser Tiefsinn machen dieses Konzert für mich zu etwas ganz Besonderem, und es wird von jedem unmittelbar verstanden.
Daniel Müller-Schott (Foto: Uwe Ahrens)

Cellist Daniel Müller-Schott


Elgars Abschied

Als Elgar dieses Werk schreibt, ist der erste Weltkrieg in vollem Gange. Die blutigen Schlachten des Jahres 1916 hatten ihn in eine tiefe Schaffenskrise gestürzt. Entsetzt über die Grausamkeiten des Krieges versiegt vorübergehend seine Schaffenskraft, um im Cellokonzert mit voller Kraft neu zu erstehen. Mit dem Cellokonzert nimmt Elgar Abschied. Abschied vom Komponieren. Es ist sein letztes großes Werk. Ein halbes Jahr nachdem er es fertig gestellt hatte, stirbt seine geliebte Frau Alice. Ein Verlust, der Elgar so tief im Herzen trifft, dass er sich außerstande sieht, weiterhin Musik zu schreiben:

Ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder ein neues Stück zu vollenden. Es gibt keinen Anreiz, etwas zu Ende zu bringen.

Live auf SR 2 KulturRadio zu hören im SR-Konzert am 23. August 2020 ab 11.04 Uhr:

4. Sonderkonzert 1997/1998

Günther Herbig (Foto: SR)

Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken
Günther Herbig, Dirigent
Thomas Demenga, Cello

Tadeusz Baird
4 Essays

Edward Elgar
Cellokonzert e-Moll op. 85

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Aufnahme vom 24. April 1998 aus der Congresshalle Saarbrücken


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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