Das starke Stück: Maurice Ravels Tzigane

Maurice Ravel: Tzigane

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Ulrich Möller-Arnsberg  

Sendung: Samstag 04.07.2020 10.20 Uhr

Anders als die virtuosen Stücke Pablo Sarasates, seine "Zigeunerweisen" oder seine "Carmenfantasie", ist Maurice Ravels "Tzigane" eigentlich kein Stück, das den Interpreten mit eingängigen Melodien lockt. Eher ist es ein Stück über das Virtuosentum, das es wie aus der Distanz zu reflektieren scheint. Eine Hintergründigkeit, die gerade den einen oder anderen Interpreten neugierig macht. Es beginnt mit einer langen Kadenz, bei der sich der Interpret entfalten und den satten Klang der G-Seite zum klingen bringen kann. Der Schluss ist dabei vor allem effektvoll zigeunerisch.

Arabella Steinbacher (Foto: Pressefoto/Peter Rigaud)
Arabella Steinbacher

Auskomponierte Improvisation

Nach einem Konzert der ungarischen Violinistin Jelly d’Arányi im Jahr 1922, bei dem Ravel anwesend war, bat er sie, für ihn über Zigeunerweisen zu improvisieren. Von der Virtuosität begeistert und durch die Melodien inspiriert, schrieb Ravel der Ungarin das Stück auf den Leib. Womit er an Liszts "Ungarische Rhapsodien" und Paganinis "Violin-Capricen" anknüpfte. Voller Zweifel schrieb Ravel vor der Uraufführung am 26. April 1924 an die Geigerin:

Einige Passagen könnten eine großartige Wirkung erzielen, vorausgesetzt sie sind spielbar - worüber ich mir nicht völlig sicher bin.

Ravels Bedenken erwiesen sich als unbegründet. Ein halbes Jahr nach der Uraufführung erklang das vom Publikum gefeierte Bravourstück in einer Fassung für Violine und Lethéal, ähnlich einem ungarischen Zimbal, was den Klang noch exotischer machte.

Dadurch, dass Ravels seine "Tzigane" am Klangbild zigeunerischer Musik angelehnt hat, wirkt es zumal sehr dunkel. Und obwohl er das Werk auskomponiert hat, kann sich der Interpret doch ziemlich improvisatorisch entfalten. Eine Apekt, der im klassischen Repertoire nicht sehr häufig vorkommt. Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass die "Tzigane" in zwei verschiedenen Versionen gespielt werden kann: mit einer Klavier- oder Orchesterbegleitung.

Live auf SR 2 zu hören am Sonntag, 12.07.2020 ab 11.04 im DRP-Konzert in der Orchesterfassung


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja