Alessandro Marcello: Oboenkonzert in d-moll

Alessandro Marcello: Oboenkonzert in d-moll

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Julika Jahnke  

Sendung: Samstag 27.06.2020 10.20 Uhr

J. S. BACH LÄSST GRÜSSEN

Albrecht Mayer hat diese Bearbeitung sehr beeindruckt – so sehr, dass er dieses Konzert mit den Verzierungen Johann Sebastian Bachs spielt. Wer das Werk kennt, dürfte das als ungewohnt empfinden. Doch wer weiß, ob nicht auch Alessandro Marcello schon an ähnliche Umspielungen gedacht hat, als er das Konzert komponierte: Diese doch recht geradlinige Melodieführung, die wir heute in den Noten sehen - war sie vielleicht nur eine Art "Richtschnur" für den Virtuosen, nach der dieser sich entfalten konnte? Immerhin haben wir ein typisches Barock-Konzert vor uns.

OBOENKONZERT ALS BEKANNTESTES WERK

Das Oboenkonzert in d-Moll ist das bekannteste Werk von Alessandro Marcello. Er lebte zur gleichen Zeit wie Johann Sebastian Bach – doch begegnet ist er ihm nie. In Venedig kam er als Kind einer wohlhabenden Patrizierfamilie zur Welt. Ganz wie es in seiner Familie üblich war, studierten er und sein jüngerer Bruder Benedetto Jura, beide bekleideten politische Ämter im Stadtstaat Venedig. Doch sie liebten auch die schönen Künste: Alessandro studierte in Padua Mathematik und Philosophie. Und er ließ sich nebenbei noch in Malerei, Dichtung und Komposition ausbilden – ein echter Universalgelehrter.

Sein Oboenkonzert wirkt schlicht – eher abgeklärt als virtuos. Vielleicht ist es deswegen immer noch eines der Konzerte, die ein Oboist am Anfang seiner Ausbildung spielen muss. Doch Albrecht Mayer hat genau das immer gewundert. Denn besonders für den ganz getragenen zweiten Satz braucht man technische Souveränität. 

MARCELLO, EIN ERNSTHAFTER DILETTANT

Solche Musik schreibt kein Staatsmann, der nur nebenbei ein bisschen zum Zeitvertreib komponiert. Ein "Dilettant" war Marcello, aber ein sehr ernsthafter. Er kannte die deutsche und französische Musik seiner Zeit und sammelte Instrumente, die heute noch in Rom zu besichtigen sind. Viele seiner Werke wurden in Augsburg gedruckt – damals eine bedeutende Verlagsstadt. Marcello war Mitglied der literarischen Vereinigung "Accademia dell’Arcadia" und veröffentlichte seine Werke unter dem Pseudonym Eterio Stinfalico. Sein Oboenkonzert verwandelte Johann Sebastian Bach – jenseits der Alpen – in ein Cembalokonzert.

KONZERT LANGE DEM BRUDER ZUGESCHRIEBEN

Von Alessandro Marcellos Oboenkonzert entdeckte man zunächst nur die erste Fassung in c-Moll, und die wurde lange Zeit seinem Bruder zugeschrieben: Denn auch Benedetto Marcello komponierte leidenschaftlich gern. Doch inzwischen weiß man, dass dieses Konzert – wie viele andere Werke – nur von dem 13 Jahre älteren Alessandro stammen kann. Dass hier ein versierter Oboist gefragt ist, daran lässt auch das Finale keinen Zweifel


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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