Der Komponist Antonín Dvořák in einem zeitgenössischen Gemälde von Max Svabinsky (Foto: dpa/Ullstein)

Antonín Dvořák: Die Zypressen

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Sylvia Schreiber  

Innerhalb der Streichquartette sind sie einmalig: "Die Zypressen". Zum einen vertonte der Komponist 18 Gedichte eines tschechischen Dichters. Zum anderen hat Antonín Dvořák über 22 Jahre immer wieder an ihnen getüftelt. Im Gespräch mit Rainer Schmitt vom Hagen Quartett stellt Sylvia Schreiber dieses "starke Stück" Dvořáks vor.

Sendung: Samstag 25.04.2020 10.20 Uhr

Es soll ja Menschen geben, die Streichquartette anstrengend finden. Das kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel: man erinnert sich an eigene klägliche Hausmusikversuche. Oder es fehlte bislang das so genannte Schlüsselerlebnis, vielleicht eine Melodie, die sich nachsummen lässt. Innerhalb der Quartette von Antonín Dvořák findet sich ein solches "Einsteigermodell" in diese höchste Disziplin der Kammermusik: "Die Zypressen".

Lieder ohne Worte nach tschechischen Gedichten

"Die Zypressen" sind so etwas wie Lieder ohne Worte. Die ersten Fassungen schrieb Dvořák noch für Klavier, erst die Endfassung widmete er dem Streichquartett. Letztendlich blieben von den 18 Gedichten noch 12 übrig.

"Die Zypressen" bestechen durch ihre mitunter lieblichen sogar süßlichen Melodien, die garantiert nicht den Anspruch der absoluten Musik für sich erheben wollen. Denn: Bei diesen Liedern ohne Worte handelt es sich um ein Porträt der Jugendliebe des Komponisten.

Dvořák vertonte darin eben nicht nur irgendwelche Gedichte, sondern einen Teil seiner Lebensgeschichte, seiner Lebenserfahrung: die unschuldige, zärtliche Liebe zur Sängerin Josefine Tschermaak. Vielleicht findet sich in der Musik sogar der eine oder andere Traum von einem übermütigen Tête-à-tête.

Musikalisches Porträt der Jugendliebe

Weil uns hier das musikalische Porträt einer jungen, vermutlich auch noch hübschen Frau vorliegt, ergibt sich auch ein völlig anderes Klangerlebnis als beim herkömmlichen Streichquartett. Der Komponist verzichtet auf beinahe sämtliche Gesetzmäßigkeiten, die für gewöhnlich beim Streichquartett gelten. Keine Kombination aus Hauptthema, zweitem Thema, Durchführung, Reprise, Coda, Stretta. "Die Zypressen" sind lyrische, bildhafte Musik.


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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