Klarinetten/Fagott (Foto: DRP/Marco Borggreve)

Carl Maria von Weber: Klarinettenkonzert Nr. 1 f-Moll

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Julika Jahnke  

Dieses Konzert löste schon vor der Premiere heftigen Streit aus: Einer der Orchestermusiker nannte es eine "Dilettantenarbeit". Daraufhin wurde er von den anderen fast verprügelt. Heute erntet dieses Werk allgemeine Anerkennung, gerade die Klarinettisten schätzen es sehr - es ist das Erste Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber.

Sendung: Samstag 04.01.2020 10.20 Uhr

Klarinettisten auf der ganzen Welt buhlen auf den Konzertpodien darum, wer das erste Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber am virtuosesten spielen kann. Der erste Solist, der es je gespielt hat, war Joseph Heinrich Bärmann. Ihm hat Carl Maria von Weber dieses erste Klarinettenkonzert gewidmet. Joseph Heinrich Bärmann war der führende Klarinettist seiner Zeit - und spielte ein ganz modernes Instrument mit zehn Klappen statt der üblichen fünf. Bärmann konnte das Konzert zehn Jahre lang ganz allein immer wieder spielen. Erst nach dem großen Erfolg von Webers Oper "Der Freischütz" ging das erste Klarinettenkonzert in den Druck und stand damit allen Klarinettisten offen.

BÄRMANNS BEARBEITUNG

Bärmanns wunderbare Kantilenen, also sangliche Melodien, sind auch in Webers Konzert mit eingeflossen. Beide - Klarinettist und Komponist - waren gut befreundet und arbeiteten eng zusammen. Bärmann spielte damals in der Münchner Hofkapelle und der König selbst hatte Weber den Auftrag für die beiden Klarinettenkonzerte gegeben, als Anfertigung für seinen hochgeschätzten Solomusiker. Nachdem Bärmann dieses Konzert nun bearbeitet hatte, war es technisch wesentlich weiter entwickelt als etwa das Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart.

DER LANGSAME SATZ

Der zweite langsame Satz ist hochromantisch. Auch für Joseph Heinrich Bärmann war er wohl sehr stimmungsvoll, denn er ließ ihn in einer Gedächtnisfeier für Weber im Jahr 1831 aufführen. Dabei wurden die Hornstimmen mit Text unterlegt und von Männern gesungen. Die feierliche Stimmung dieses zweiten Satzes wird im Konzert dann ganz plötzlich durch den Schlusssatz vertrieben. Er beginnt hemdsärmelig wie ein Volkstanz und sprüht förmlich vor Lebensfreude.

DIE GEMEINSCHAFTSARBEIT ZWISCHEN WEBER UND BÄRMANN

"Der letzte Satz ist sehr witzig und spritzig und hat ganz feine Artikulationen und ein furioses Ende. Das ist ein sehr schönes Stück, das auch für die Klarinette geschrieben ist und nicht gegen sie. Also Weber kannte sich auch aus, und er hatte Kontakt mit Bärmann, sie haben zusammen gesprochen, wie was funktioniert auf dem Instrument und was nicht so gut ist." Sabine Meyer, Klarinettistin 

So viel Gemeinschaftsarbeit stellt die Solisten heute natürlich vor die Frage, wie sie es mit der Werktreue halten wollen. Die Klarinettistin Sabine Meyer findet, jeder Klarinettist sollte sich zumindest Webers Originalhandschrift anschauen, um zu erfahren, wie er das Werk ursprünglich angelegt hat. Sie hat auf diese Weise ihren ganz persönlichen Mittelweg gefunden: Sabine Meyer spielt nicht alle Verzierungen, die Bärmann eingefügt hat, sondern lässt einige Stellen schlicht weg, so wie Weber sie komponiert hat.


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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