Am Klavier (Foto: drp/SR)

Johannes Brahms: Klavierkonzert Nr. 2

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Bernhard Neuhoff  

Mit seinem Ersten Klavierkonzert war Brahms im Alter von 25 Jahren noch durchgefallen, denn das Publikum erwartete vor allem wirkungsvolle Zirkusnummern und pianistische Bravour. Brahms bot stattdessenden strengen Geist der großen Symphonie. Auch in seinem Zweiten Konzert blieb sich Brahms darin absolut treu. Mit Erfolg.

Sendung: Samstag 28.09.2019 10.20 Uhr

Das lag zum einen schlicht daran, dass Brahms mittlerweile, im Jahr 1881, weltberühmt war. Man wusste eben, dass man von diesem Meister kein kompositorisches fast food zu erwarten hatte, sondern reiche und dichte Musik, emotional packend, aber nicht auf äußere Wirkung berechnet.

Der andere Grund für den großen Erfolg des 2. Klavierkonzerts war die neue Rollo des Solisten: Er wird zur Schaltzentrale, ist fast immer aktiv, gibt die Impulse, dialogisiert und treibt das Geschehen voran. So steht gleich am Beginn ein romantisches Hornsolo, aus dem sich eine ausgedehnte Klavierkadenz entwickelt. Dann erst antwortet das ganze Orchester.

Formale Meisterschaft und Gefühle

Auch der langsame Satz ist über weite Strecken eigentlich intime Kammermusik. Ein Solocello wird zum Partner des Klaviers - und in den Klarinetten zitiert Brahms aus seinem Lied "Todessehnen" den Vers: Hör es, Vater in der Höhe, aus der Fremde fleht dein Kind.

"Ich liebe diese sehr persönliche musikalische Sprache von Brahms. Die dicht gefügte Struktur und die großartige Form, an die muss gar nicht so stark denken beim Spielen. Das hat Brahms ohnehin schon alles ganz wunderbar geregelt. Aber entscheidend ist, wie stark uns diese Musik emotional bewegt." (Maurizio Pollini, Pianist)

Man kann nur staunen, dass man noch immer auf das hartnäckige Vorurteil stößt, Brahms sei ein kühler Klassizist gewesen. Sicher, seine formale Meisterschaft wird von keinem anderen Romantiker übertroffen - aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass es deswegen weniger Raum für Gefühle gäbe in seiner Musik.


Herbert Schuch, Klavier (Foto: Felix Broede)
Herbert Schuch

Zu hören auf SR 2 KulturRadio am 6. Oktober 2019 ab 11.04 Uhr

Mitschnitt des 3. Studiokonzert 2007 / 2008

Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern (DRP)
Olari Elts
Herbert Schuch, Klavier

Schubert: Ouvertüre zum Singspiel „Die Zwillingsbrüder“
Brahms: 2. Klavierkonzert
Schubert: 6 Deutsche Tänze D 820, 5. Sinfonie


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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