Celli und Kontrabass (Foto: DRP/Marco Borggreve)

Johann Sebastian Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 1

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Wiebke Matyschok  

Sendung: Samstag 03.08.2019 10.20 Uhr

Johann Sebastian hatte zu jener Zeit ein Amt, das die zweithöchste Besoldung im Staate vorzuweisen hatte: Königlicher Kapellmeister am Hof eines musisch interessierten Fürsten. Leopold von Sachsen-Anhalt war Herrscher eines kleinen Fürstentums – dünn besiedelt, überwiegend landwirtschaftlich genutzt, bitterarm. 
Doch jener Fürst Leopold hatte ganz Europa bereist: Österreich, Italien, Frankreich. Überall Musik gehört. Er kannte die Franzosen, die Italiener. Vivaldi, Caldara, Lotti – und wie sie alle hießen. Und er hatte sich eine Sammlung von Noten zusammengekauft. Er gab viel Geld für Instrumente aus.

Doch seiner Hofkapelle war der Dirigent weggelaufen, noch bevor sein Orchester zur Blüte kommen sollte. Da kam ein Johann Sebastian Bach gerade recht. Doch der hatte vielleicht anderes im Sinn. Auch wenn er vermutlich nicht ahnte, dass er eines Tages als Thomaskantor in Leipzig auf dem Sockel stehen sollte.

TITEL VON NACHWELT ERFUNDEN

Unerhört! Eine Sammlung von sechs Konzerten! Eine Musik, gewidmet einem anderen. Nicht dem eigenem Herrn, dem Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. Waren die Brandenburgischen Konzerte etwa ein Verstoß gegen das Protokoll? Nie wäre es einem Johann Sebastian Bach in den Sinn gekommen diesen Titel zu wählen. Den erfand die Nachwelt. Denn die sechs Konzerte hatte Bach ja dem Markgrafen von Brandenburg gewidmet im Jahr 1721. Auch wenn dieser nicht einmal über eine Kapelle verfügte. Seine sechs Kammer-Musiker hätten diese Lehrstücke, was sich Bach unter dem Konzertieren mehrerer Solo-Instrumente vorstellte, ja gar nicht aufführen können.

Ohnehin hatte Bach bereits vier Jahre zuvor seine Lebensstellung gefunden in Köthen - fürstlicher Kapellmeisters in Diensten eines Herrn, der von einem Musenhof in der Mitte Europas träumte. Die Brandenburgischen Konzerte? Vielleicht brauchte der königliche Kapellmeister mit Namen Bach ja musikalische Visitenkarten, um sich in Erinnerung zu bringen bei einem Anderen - Les Concerts avec plusieurs Instruments. Diese holte Bach vermutlich aus der Schublade – so auch das mit der Nummer eins. Zukunftsmusik?


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

Artikel mit anderen teilen