Der Komponist Maurice Ravel (Foto: dpa / picture alliance / Belga)

Maurice Ravel: Tzigane

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Ulrich Möller-Arnsberg  

Sendung: Samstag 04.05.2019 10.20 Uhr


Maurice Ravel:
Tzigane


Arabella Steinbacher (Foto: Pressefoto/Peter Rigaud)

Anders als die virtuosen Stücke Pablo Sarasates, seine "Zigeunerweisen" oder seine "Carmenfantasie", ist Maurice Ravels "Tzigane" eigentlich kein Stück, das den Interpreten mit eingängigen Melodien lockt. Eher ist es ein Stück über das Virtuosentum, das es wie aus der Distanz zu reflektieren scheint. Eine Hintergründigkeit, die gerade den einen oder anderen Interpreten neugierig macht. Es beginnt mit einer langen Kadenz, bei der sich der Interpret entfalten und den satten Klang der G-Seite zum klingen bringen kann. Der Schluss ist dabei vor allem effektvoll zigeunerisch.

Auskomponierte Improvisation

Nach einem Konzert der ungarischen Violinistin Jelly d’Arányi im Jahr 1922, bei dem Ravel anwesend war, bat er sie, für ihn über Zigeunerweisen zu improvisieren. Von der Virtuosität begeistert und durch die Melodien inspiriert, schrieb Ravel der Ungarin das Stück auf den Leib. Womit er an Liszts "Ungarische Rhapsodien" und Paganinis "Violin-Capricen" anknüpfte. Voller Zweifel schrieb Ravel vor der Uraufführung am 26. April 1924 an die Geigerin:

Einige Passagen könnten eine großartige Wirkung erzielen, vorausgesetzt sie sind spielbar - worüber ich mir nicht völlig sicher bin.
Arabella Steinbacher (Foto: Sammy Hart/Pressefoto)

Ravels Bedenken erwiesen sich als unbegründet. Ein halbes Jahr nach der Uraufführung erklang das vom Publikum gefeierte Bravourstück in einer Fassung für Violine und Lethéal, ähnlich einem ungarischen Zimbal, was den Klang noch exotischer machte.

Dadurch, dass Ravels seine "Tzigane" am Klangbild zigeunerischer Musik angelehnt hat, wirkt es zumal sehr dunkel. Und obwohl er das Werk auskomponiert hat, kann sich der Interpret doch ziemlich improvisatorisch entfalten. Eine Apekt, der im klassischen Repertoire nicht sehr häufig vorkommt. Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass die "Tzigane" in zwei verschiedenen Versionen gespielt werden kann: mit einer Klavier- oder Orchesterbegleitung.


Zu hören im Rahmen der Internationalen Musikfestspiele Saar

Duo Birringer (Foto: Felix Broede)
Duo Birringer (Foto: Felix Broede)

Duo Birringer
„Von Sevilla bis St. Petersburg“
Donnerstag, 9. Mai 2019, 18.00 Uhr
Autohaus Scherer, Mainzer Straße 138/144, Saarbrücken

&
Sonntag, 12. Mai 2019, 18.00 Uhr
Christuskirche St. Ingbert

Auf dem Programm:

Henryk Wieniawski
Polonaise de concert op. 4 D-Dur

Felix Mendelssohn
Sonate für Violine und Klavier F-Dur

Maurice Ravel
Tzigane

Camille Saint-Saëns
Introduction et Rondo capriccioso op. 28

Igor Strawinsky
Trois mouvements de Petrouchka

Antonin Dvořák
Humoresque op. 101/7 (arr. F. Waxman)

Franz Waxman
Carmen Fantasie


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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