Der russische Komponist Peter Tschaikowsky (Foto: dpa /picture alliance / epa /Sergei Chirikov)

Tschaikowsky: Rokoko-Variationen

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Barbara Doll  

Seine Rokoko-Variationen widmete Tschaikowsky seinem Freund Wilhelm Fitzenhagen, einem deutschen Cellisten. Ihm hatte er auch erlaubt, die "Variationen" nach Belieben zu bearbeiten. Darauf veränderte Fitzenhagen noch einiges am Original. Barbara Doll hat sich mit der argentinischen Cellistin Sol Gabetta über das Starke Stück unterhalten.

Sendung: Samstag 27.04.2019 10.20 Uhr

Tschaikowsky:
Rokoko-Variationen


"Ich habe dieses Thema mit zwölf Jahren in romantischem, russischen Tschaikowsky-Stil gespielt (...). Natürlich wurde es mir damals so beigebracht mit Zwölf, dass dieses Stück ein romantisches Stück von Peter Iljitsch Tschaikowsky ist - und dass man es so spielt: Viel Klang, mit viel Sahne (...)." (Sol Gabetta, Cellistin)

Es scheint, als blicke Tschaikowsky in den Rokoko-Variationen wie durch ein Fernglas zurück in eine längst versunkene Welt. In eine Welt, die er offenbar als heil und unbeschwert empfunden hat - und die in extremem Gegensatz steht zur düsteren Atmosphäre der Fantasie "Francesca da Rimini". Dieses Stück hat Tschaikowsky unmittelbar vor den Rokoko-Variationen komponiert - im Spätherbst 1876, in einer besonders sorgenvollen Lebensphase.

"Was ist ein Rokoko-Stil?, kann man sich überlegen. Also erstmal die Purheit dieses Themas ist das Schwierigste, was es überhaupt gibt (...). Und dann, was alles dazu kommt, mit allen diesen Verzierungen. Das ist für mich Rokoko. Rokoko muss für mich auch einen Stil haben. Eine Art von Stil, eine Feinheit (...), sehr artikuliert, sehr klar gezeichnet, galant - genau!" (Sol Gabetta)

Dass Tschaikowsky ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt die Rokoko-Variationen verfasst, spricht von der Sehnsucht nach einer anderen Gegenwart, einer anderen Welt. Damit ist aber nicht die höfische Rokoko-Welt mit Perücke, Puder und Tanz gemeint - sondern eine bestimmte Klangwelt, die Tschaikowsky kurzerhand mit dem Begriff "Rokoko" bezeichnet hat: Die Klangwelt des 18. Jahrhunderts - und zwar vor allem die von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Musik dieses "sonnigen Genies" rühre ihn "zu Tränen", schrieb Tschaikowsky einmal.

1887, elf Jahre nach den Rokoko-Variationen, hat er sogar selbst Hand angelegt an die Musik seines Vorbilds: Für die "Mozartiana"-Suite bearbeitete und verschmolz Tschaikowsky vier kleinere Mozart-Werke. Freilich, das Thema der Rokoko-Variationen stammt nicht aus Mozarts Feder, es ist vielmehr eine stilistische Hommage. Und diese zunächst simpel anmutende Hommage spickt Tschaikowsky mit allerhand Virtuositäten für das Solo-Cello.


Zu hören im Konzert:

Sonntag, 5. Mai 2019 | 17 Uhr | Fruchthalle
3. „SONNTAGS UM 5“ KAISERSLAUTERN
Märchenhaftes Russland


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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