Igor Strawinsky (Foto: picture alliance / dpa / UPI)

Igor Strawinsky: Der Feuervogel

Das Starke Stück im SR 2-Klassiker

 

Ulrich Möller-Arnsberg stellt den berühmten "Feuervogel" von Igor Strawinsky vor. Das "Starke Stück" wurde am 25. Juni 1889 in Paris uraufgeführt.

Sendung: Samstag 01.09.2018 10.20 Uhr

Strawinskys Musik leistet staunenswerte Charakterisierungen: Sirrende, flirrende Klänge durch effektvolle Kombinationen von Glockenspiel, Streichern und Bläsern bringen einen aparten Farbreichtum. Sie entspricht ganz dem zur Uraufführungszeit vorherrschenden Jugendstil und untermalt phantastisch die kühnen Bewegungen des "Feuervogels".

Nach der Urfassung der von Impresario Sergej Diaghilev protegierten Ballets Russes sieht die Szenerie zum Feuervogel aus dem Jahr 1910 - frei nach einem Märchen von Alexander Afanasjew - so aus: Ein Baum mit merkwürdig goldenen Früchten steht im Garten des russischen Herrschers Kastschej. Darin bewegt sich ein glitzernder, leuchtender Vogel aufgeregt hin und her. Thronfolger Iwan Zarewitsch gelingt es, diesen phantastischen Vogel zu fangen. Der verspricht ihm für den Fall der Freilassung, in jeder Notlage behilflich zu sein.

Die Chance, in Paris bekannt zu werden

Eigentlich hatte Diaghilev für die Uraufführung in Paris den Komponisten Anatol Liadow, seinen Harmonielehre-Professor, vorgesehen. Denn Diaghilev hatte sich für das Feuervogel-Projekt eben genau solche Musik vorgestellt, wie sie Liadow schon in der Tondichtung "Der verzauberte See" geschaffen hatte. Da Liadow aber aus Zeitgründen ablehnen musste, wandten sich die Ballets Russe an den erst 27-jährigen Igor Strawinsky. Der hatte immerhin schon Musik von Chopin für die Ballett-Truppe instrumentiert. "Der Feuervogel" sollte für ihn die große Chance sein, in der französischen Metropole bekannt zu werden. Später zurückblickend gestand Strawinsky in den 1960er Jahren, dass in seiner Feuervogel-Partitur, die er als Folge von 18 Tanznummern konzipierte, Einflüsse von Rimski-Korsakow zu bemerken seien. Doch habe er darüber hinaus einen eigenen Weg gesucht mit Glissando- und Flatterzungen-Effekten.

Für Tamara Karsawina, die den Feuervogel im Uraufführungsjahr 1910 tanzte, bedeutete das Stück den Schritt in eine neue Welt von Ballett-Musik. In ihren Erinnerungen schreibt sie: "Meine musikalische Erziehung begann mit dem Feuervogel. Es war ein tränenreiches Lernen. Zwar durchdrang mich die poetische Ausdruckskraft des Feuervogels sofort. Für jemand wie mich aber, der nur auf leicht erkennbare Rhythmen und einfachen fasslichen Melodien erzogen worden war, gab es Schwierigkeiten, das kompositorische Muster zu verfolgen. Strawinsky zeigte Güte und Geduld. Oft erschien er vor einer Probe früher im Theater, um wieder und wieder einige schwierige Passagen für mich zu spielen. Da war keine Ungeduld über mein langsames Verstehen, kein Herabblicken eines Meisters von seinem Rang auf mein spärliches musikalisches Rüstzeug."

Nach seinem Pariser Erfolg im Théatre National de l´Opéra am 25. Juni 1910 entwarf Igor Strawinsky in den Jahren 1911, 1919 und 1945 jeweils kürzere Fassungen des "Feuervogels" als rein konzertante Orchestermusik.


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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