Schostakowitsch (Foto: dpa/picture alliance)

Dmitrij Schostakowitsch: Konzert für Klavier, Trompete und Streicher Nr. 1

Das Starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Julia Smilga  

Dmitrij Schostakowitsch komponierte sein Klavierkonzert op. 35 im Sommer 1933 und nannte dieses Werk eine "spöttische Herausforderung an den konservativ-seriösen Charakter des klassischen Konzert-Gestus". Julia Smilga stellt das Starke Stück im SR 2 Klassiker mit dem Pianisten Yefim Bronfman vor.

Sendung: Samstag 14.07.2018 10.20 Uhr

Effektvolle Klaviervirtuosität, einen genialen Mix aus russischer Romantik, Neoklassik und banaler Music-Hall-Melodik, mutige Experimente, Persiflage und Karikatur diverser musikalischer Richtungen - all das bietet auf gut 20 Minuten das erste Klavierkonzert des russischen Komponisten Dmitrij Schostakowitsch.

Schostakowitsch komponierte sein Klavierkonzert op. 35 im Sommer 1933, wenige Wochen, nachdem er die Arbeit an seiner Oper "Lady Macbeth von Mzensk" fertig gestellt hatte und nannte dieses Werk eine "spöttische Herausforderung an den konservativ-seriösen Charakter des klassischen Konzert-Gestus".

Gleich zu Beginn des Konzertes gibt es ein Zitat. Die ersten drei Töne aus Beethovens Sonate "Appassionata". Schon hier zeigt sich die wichtigste Eigenschaft des Werkes: Es geht stets anders weiter, als man es erwarten würde. Schostakowitsch nimmt seine Zuhörer auf den Arm.

"Wenn das Publikum bei der Aufführung meiner Werke lächelt oder direkt lacht, so bereitet mir das große Befriedigung."
(Dmitrij Schostakowitsch)

Diese Worte könnten das Motto des ersten Klavierkonzertes von Dmitrij Schostakowitsch sein. Bereits in seinen 24 Präludien, die Schostakowitsch im selben Jahr 1933 komponiert hatte, zeigte er eine leichte Neigung zum Humor. Im ersten Klavierkonzert herrschen dann Satire und Komik vor. Hier zeige sich der noch unbekümmerte 26-jährige Komponist in der ganzen Pracht seines Talentes, meint der Pianist Yefim Bronfman: "Das Genie von Schostakowitsch mit zwei Wörtern zu beschreiben, ist äußerst schwierig. Einerseits ist er ein sehr ernsthafter und tragischer Komponist. Doch was mich in seiner Kunst besonders erstaunt, ist seine immense Bandbreite. Besonders in diesem Konzert erfand er sehr viel Komisches und Unterhaltsames. Manchmal scheint es mir, wir wären im Zirkus."

Faszinierendes Kaleidoskop

Das Bauprinzip des Klavierkonzerts ist der ungewöhnliche Kontrast. Die Fülle musikalischer Gedanken und Einfälle fügt der Komponist zu einem bunten und faszinierenden Kaleidoskop. Er kokettiert mit einem Thema von Haydn, verbeugt sich kurz vor Beethoven, lässt Virtuosität à la Liszt aufblitzen, erweckt romantische Emotionen, die er sofort wieder aufs Korn nimmt. Trotz der Fülle so unterschiedlicher musikalischer Episoden wirkt das Konzert weder chaotisch noch überfrachtet. Der junge Schostakowitsch behält mühelos die Balance und zeigt dazu meisterhafte Beherrschung des Klaviers.

Gescheiterte Pläne

Schostakowitsch wollte ursprünglich Konzertpianist werden, war jedoch nach dem Misserfolg beim Chopin-Wettbewerb 1927 in Warschau so bitter enttäuscht, dass er die Pianistenlaufbahn aufgab und sich auf das Komponieren konzentrierte. Die Kunst des Klavierspiels half ihm übrigens, die Hungerjahre des Bürgerkriegs zu überleben. Als Klavierstudent begleitete Dmitrij Schostakowitsch Stummfilme am Leningrader Kino. Es scheint, als habe der Komponist seine Schwäche für den Stummfilm im ersten Klavierkonzert bewahrt.


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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