Die CD der Woche: Akademie für Alte Musik Berlin: Beethoven - Sinfonien Nr. 4 & 8

Akademie für Alte Musik Berlin: Beethoven - Sinfonien Nr. 4 & 8

Die CD der Woche

Nike Keisinger  

2020 war Beethoven-Jahr, doch das große Jubiläum fiel unglücklicherweise mit der Corona-Pandemie zusammen, vieles konnte erst mit Verzögerung realisiert werden. Man mag solche Jubiläen teilweise überzogen oder auch kommerziell verseucht finden, aber das Beethoven-Jahr hat viel Schönes und Lohnendes hervorgebracht. Dazu gehören Neueinspielungen der Akademie für Alte Musik Berlin. Das eigentlich auf Barock spezialisierte Orchester koppelt Beethovens Sinfonien mit wenig bekannten Vorläuferwerken. Gerade sind die Sinfonien Nr. 4 und 8 herausgekommen, zusammen mit Orchesterwerken der Revolutionskomponisten Cherubini und Méhul. Das Doppelalbum hinterlässt tiefe Höreindrücke. Nike Keisinger stellt es vor.

Sendung: Sonntag 11.09.2022 15:20 Uhr


Selten hat ein Ensemble Beethovens musikalischen Humor so auf den Punkt gebracht wie die Akademie für Alte Musik Berlin. Die kleinen metrischen Verzögerungen, die rhythmische Schlagkraft, die feinen Abstufungen – all das gelingt dem Berliner Orginalklang-Orchester ohne Dirigent. Die musikalische Koordination übernimmt – wie zu Beethovens Zeiten – der Konzertmeister, der Geiger Bernhard Forck. Gemeinsam kultivieren sie die leisen Zwischentöne, die feingezeichneten Linien und die sprechende Artikulation.

Beethovens Vierte und Achte stehen im Schatten ihrer heroischen Schwestern. Es ist keine Musik, die überwältigt. Der feine, teilweise grimmige Humor und die neuen Formideen erschließen sich nur bei genauerem Hinhören. Und sie sind bei der Akademie für Alte Musik Berlin in guten Händen. Klangliche Akzente setzt allein schon die (historischen Vorbildern nahekommende) Besetzung mit nur 21 Streichern gegenüber 13 Bläsern.

Das gängige Beethoven-Bild stellt den Komponisten als einzigartiges und einsames Genie dar. Doch auch ein Beethoven hatte Vorbilder, holte sich von anderen Komponisten Anregungen. So auch von Luigi Cherubini oder Etienne-Nicolas Méhul. Bezüge lassen sich auf dem Doppelalbum leicht nachvollziehen. Unbekanntes trifft somit auf scheinbar Bekanntes - ein Konzept, das aufgeht und zugleich anregt.


Die neue Doppelalbum:

Beethoven: Sinfonien Nr. 4 & 8

Ludwig van Beethoven
Sinfonien Nr. 4 & 8

Étienne Nicolas Méhul
Sinfonie Nr. 1 g-Moll

Luigi Cherubini
Lodoiska-Ouvertüre

Akademie für Alte Musik Berlin
Bernhard Forck, Konzertmeister

Label: Harmonia mundi musique
Labelcode: 7045
2 CD HMM 902448.49
Veröffentlichungsdatum: 09.09.2022


Ein Thema u. a. in den Sendungen "Canapé - das entspannte Kulturmagazin" am 11.09.2022 und "Der Morgen" am 12.09.2022 auf SR 2 KulturRadio.


Die CD der Woche

Jeden Sonntag stellen wir Ihnen um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" die "CD der Woche" vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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