B'Rock Orchestra: Schubert Symphonies 4 & 5

B'Rock Orchestra: Schubert Symphonies 4 & 5

Die CD der Woche

Karsten Neuschwender  

Unter der Leitung von René Jacobs hat das B'Rock Orchestra seine neue Schubert-CD mit den Sinfonien Nr. 4 und 5 eingespielt - unsere CD der Woche. Karsten Neuschwender hat sie schon gehört und urteilt: "Musik, in der das Leben pulst. Jugendlich. Frisch. Mitreißend."

Sendung: Sonntag 29.08.2021 15:20 Uhr


Die neue CD:

B'Rock Orchestra: Schubert Symphonies 4 & 5

René Jacobs, Leitung

Label: Penta Tone NL
LC: 12686
EAN: 0827949085666
Bestellnummer: PTC 5186856


Die Anzahl der Aufnahmen von Franz Schuberts 5. Sinfonie ist kaum zu überblicken. Jetzt kommt eine neue dazu: Mit Mitte 70 widmet sich der Alte-Musik-Star René Jacobs der Musik des 19-Jährigen. "Schubert war meine erste große Liebe", hat der hoch dekorierte Dirigent einmal gesagt. Eine Liebe, die älter ist, als seine Leidenschaft für Bach, die Barockzeit und die historische Aufführungspraxis, mit der belgische Experte für historische Aufführungspraxis weltberühmt wurde.

Dieser jugendlichen Liebe begegnet er mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Sänger und Dirigent leidenschaftlich. Spontan und energiegeladen klingt vieles – und doch hört man in seiner Aufnahme der 4. und der 5. Sinfonie Schuberts Stilsicherheit und Reflexion eines langen Musiklebens. Zusammen mit dem belgischen B-Rock Orchestra, das sich mit außergewöhnlichen Interpretationen barocker Musik einen Namen gemacht hat und sich in den vergangenen Jahren auch immer wieder der Musik anderer Epochen annimmt, erklingt Schuberts Musik mit klaren Stimmungskontrasten und groovenden Rhythmen. Diese bereichern die vielen Interpretationen der Sinfonien und lassen die vielen Angriffe großer romantischer Musiker auf diese Kompositionen fast skurril erscheinen.

Ein "schwacher Abguss von Mozart" sei diese Musik, ätzte der romantische Kritikerpapst Eduard Hanslick beispielsweise über die 5. Über die 4. Sinfonie, die Schubert selbst als "Tragische" bezeichnete, lästerte Robert Schumann, eigentlich ein Schubertbewunderer, dass man "an eine Tragische ganz andere Ansprüche stellen". Und Johannes Brahms empfahl, die frühen Sinfonien Schuberts sollten "nicht veröffentlicht werden, sondern nur mit Pietät bewahrt bleiben". Trotz derart prominenter Verhinderer haben diese sinfonischen Werke ihren Weg in die Konzertprogramme und CDs mit den beliebtesten Stücken der Klassik gefunden. Von wegen, diese Musik würde irgendwelchen Ansprüchen nicht gerecht. René Jacobs ist nicht der erste Dirigent, der das widerlegt – aber einer, der ihre Kraft immer wieder in einen mitreißenden Strudel verwandelt.

Natürlich hat sich Schubert mit 19 Jahren an Vorbildern wie Mozart orientiert und man könnte das kompositorische Niveau miteinander vergleichen. Das aber würde dem Kern von Schuberts Sinfonien nicht gerecht werden. In ihnen drückt sich ein junger Mann in all seinem Suchen nach Identität, seiner Sehnsucht nach Schönheit und Freude und seiner inneren Zerrissenheit aus. Er gibt weniger Antworten, sondern stellt häufig Fragen. Das hat etwas Drängendes und sehr Lebendiges. Und das legt René Jacobs mit straffen Tempi, schlanken und schnörkellosen Streicherklängen sowie seiner markanten Klanggestaltung frei. Romantisch bewegt aber fernab von jedem romantisch sentimentalen Klischee. Mit der dritten seiner CDs mit Schubertsinfonien hat er nun die ersten sechs eingespielt. Es fehlen nur noch die große C-Dur Sinfonie und die berühmte Unvollendete.

Diese CD gibt mit ihren Stimmungswechseln und ihrem Puls eine mitreißende Energie. Und man mag beim Hören an ein Zitat von Franz Schubert denken, der bei René Jacobs und seiner Version der 4. Und 5. Sinfonie mit dem beeindruckenden B-Rock Orchestra so gut passt: "Wer die Musik liebt, kann nie ganz unglücklich werden."


Ein Thema u. a. in den Sendungen "Canapé" am 29.08.2021, "Der Morgen" am 30.08.2021, in "Der Vormittag" am 31.08.2021 und in "Der Nachmittag" am 01.09.2021 auf SR 2 KulturRadio.


Die CD der Woche

Jeden Sonntag stellen wir Ihnen um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" die "CD der Woche" vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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