David Juritz, Craig Ogden, Tim Hugh: Bach Goldberg Variations

David Juritz/Craig Ogden/Tim Hugh - Bach Goldberg Variations

Die CD der Woche

Johannes Kloth   04.05.2021 | 06:00 Uhr

Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen sind ein Mythos. Die 30 - ursprünglich für zweimanualiges komponierten - Variationen über ein schlichtes Bassthema faszinieren bis heute durch ihre unübertroffenen musikalischen Vielfalt. Der langjährige Leiter der London Mozart Players, Geiger David Juritz, hat den Zyklus neu arrangiert und mit dem Gitarristen Craig Ogden und Cellist Tim Hugh eingespielt. SR 2-Musikredakteur Johannes Kloth hat sich in dem Album regelrecht festgehört.

Sendung: Sonntag 02.05.2021 15:20 Uhr


Johann Sebastian Bach soll sie für einen an Schlaflosigkeit leidenden Grafen komponiert haben, seine „Aria mit verschiedenen Veränderungen“. Der Hauscembalist des Grafen, Johann Gottlieb Goldberg, habe ihm die Stücke nachts zur Beruhigung vorspielen müssen. Ob die weit verbreitete Anekdote zur Entstehungsgeschichte der Goldberg-Variationen stimmt? Es ist bis heute unklar, aber hübsch ist sie allemal.   

David Juritz (Foto: Pressefoto)
David Juritz (Foto: Jayne Rollason)

Die Goldberg-Variationen gehören zu Bachs berühmtesten Kompositionen. Seit Glenn Goulds legendärer Einspielung in den 1950er-Jahren hat sie nahezu jeder Pianist von Weltrang interpretiert. Längst gibt es Adaptionen für die unterschiedlichsten Instrumente und Besetzungen, vom Akkordeon-Gitarren-Duo bis zum Bläserquartett. 

Jetzt hat der Geiger David Juritz mit einer selbst arrangierten Fassung für Geige, Cello und Gitarre eine weitere, sehr reizvolle Farbe hinzugefügt. Eigentlich sei das Projekt Resultat eines Missgeschicks gewesen, sagt Juritz. Er habe es einem Konzertveranstalter etwas unbedacht und eher beiläufig vorgeschlagen: „Ein paar Monate vor dem Konzert dachte ich dann: Es wird allmählich mal Zeit, an dem Projekt zu arbeiten. Schnell ist mir dann klar geworden, dass meine Idee vielleicht doch nicht so toll war. Ich habe gemerkt, wie herausfordernd die Arbeit tatsächlich ist. Zu dem Zeitpunkt hatte der Veranstalter aber das Programm bereits gedruckt und Tickets verkauft. Es gab also kein Zurück mehr. Am Ende ging dann aber doch noch alles gut aus, das Konzert hat uns großen Spaß gemacht und dem Publikum gut gefallen.“

Der gebürtige Südafrikaner David Juritz, ausgebildet am renommierten Royal College of Music in London, ist eine feste Größe in der britischen Klassik-Szene. Drei Jahre lang hat er sich nach der erfolgreichen Premiere der Goldberg Variationen Zeit genommen, am Arrangement weiter zu feilen, bis er schließlich mit seinen Mitstreitern, dem Gitarristen Craig Ogden und dem Cellisten Tim Hugh, ins Studio gegangen ist. Eine enge Orientierung am Original sei ihm wichtig gewesen, sagt Juritz. Mit größter Sorgfalt übertrug er daher die von Bach so genial miteinander verwobenen Stimmen auf drei Instrumente: „Es gab zwei Hauptherausforderungen“, so Juritz. „Zum einen die Tatsache, dass  Gitarre und Cello einen fast gleichen Tonumfang haben. Dadurch gab es im oberen Bereich kaum Möglichkeiten, Stimmen zu tauschen. Außerdem habe ich gemerkt, dass die Gitarre vollkommen anderen Regeln gehorcht als Geige und Cello. Mit der Gitarre lassen sich gut Akkorde und Doppelstimmen spielen, aber schnelle Läufe sind deutlich schwerer als auf einem Streichinstrument.“

Tim Hugh (Foto: Pressefoto)
Tim Hugh (Foto: Jayne Rollason)

In Tim Hugh und Craig Ogden hat Juritz zwei musikalische Partner an seiner Seite, die ihm in Sachen Virtuosität, Brillanz und Ausdrucksstärke in nichts nachstehen. Selbst in den schnellen Variationen umtanzen sich die Stimmen bis in die höchsten Lagen verblüffend leichtfüßig. Geradezu weltentrückt dagegen die langsamen, kontemplativen Variationen wie etwa die Fünfundzwanzigste mit dezent hingetropften Pizzicati, über die Ogden seine Gitarre fast schon singen lässt.

„Während der Arbeit an dem Projekt dachte ich oft: Bach ist – als er die Goldberg Variationen geschrieben hat – so viel mutiger und einfallsreicher gewesen als ich jemals sein könnte“, sagt David Juritz. „So wie Bach die Goldberg Variationen im Original komponiert hat, sind sie ein Meisterwerk. Mein Ziel war es, etwas zu erschaffen, das Bach arrangiert haben könnte. Ich muss sagen: Wenn ich auch nur in die Nähe dieses Ziels gekommen bin, bin ich sehr glücklich.“ Das nennt man britisches Understatement. Tatsächlich ist David Juritz, Tim Hugh und Craig Ogden eine wunderbare Interpretation der Goldberg Variationen gelungen. Die verschiedenen Klangfarben der drei Instrumente und das kluge Arrangement lassen die Mehrstimmigkeit in diesem Werk auf eine Weise transparent werden, wie es auf dem modernen Konzertflügel gar nicht möglich ist. Bach hätte sicher seine helle Freude gehabt.     

Label: Nimbus Alliance
LC: 5871
Bestellnr.: NI 6414
EAN: 0710357641428


Craig Ogden (Foto: Pressefoto)
Craig Ogden (Foto: Jayne Rollason)


Ein Thema u. a. in der Sendung "Canapé" vom 02.05.2021 und in "Der Vormittag" vom 04.05.2021 auf SR 2 KulturRadio.


Die CD der Woche

Jeden Sonntag stellen wir Ihnen um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" die "CD der Woche" vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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