CD-Tipp: Mari Samuelsen - "Mari"

Mari Samuelsen: Mari

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 30.06.2019 15.20 Uhr

Stücke von Johann Sebastian Bach, Brian Eno, Philipp Glass, Max Richter, Pēteris Vasks, Jóhann Jóhannsson u. a.

Mari Samuelsen, Violine
Konzerthausorchester Berlin
Jonathan Stockhammer

Doppel-CD
Label: Deutsche Grammophon
EAN: 00028948358694

Mari Samuelsen (Foto: Pressefoto)

Mitten auf dem norwegischen Land, in der Nähe von Lillehammer ist sie aufgewachsen, umgeben von Natur pur und Musik. Ihr Wunsch-Instrument war eigentlich das Cello, das auch ihr Bruder spielt. Aber die Mutter hatte andere Pläne mit Mari Samuelsen - sie sollte Geige lernen. Inzwischen längst eine Art Seelenverwandte für die 34-jährige blonde Skandinavierin.

Es ist etwas, das ist so natürlich, weil es immer dabei war. Normalerweise spreche ich nicht so gerne, und ich bin immer sehr nervös vor einem Publikum, wenn ich sprechen muss. Singen konnte ich mir nie vorstellen, Karaoke zum Beispiel könnte ich nie machen, aber die Geige ist wirklich meine Stimme.

Als Musikerin teilt sie das Los mit vielen Kollegen und Kolleginnen, immer wieder heißt es für Mari Koffer packen, sich auf neue Städte und neue Musiker einstellen, von Termin zu Termin hetzen, Interviews geben - wie das so ist in einem typischen Jetset-Leben. Umso wichtiger ist ihr die norwegische Heimat, wo sie mit ihrem deutschen Mann auf einer Insel in der Nähe von Oslo lebt. In die Hauptstadt geht es nur mit dem Boot.

Ich probiere, so oft wie möglich, in die Natur, in den Wald zu gehen, einfach dort zu bleiben, die Stille und die Luft wirklich einzuatmen, das ist mein Grounding, mein Fundament, das ist sehr wichtig für mich. Ich lebe ein sehr hektisches Leben, bin viel unterwegs, viel Flugplätze, Hotels und Konzertsäle, hin und her, und das ist mein Nullpunkt, zurück nach Hause zu kommen.

Mari Samuelsen (Foto: Pressefoto)

Dazu gehört natürlich auch, die berühmten Brezeln aus der deutschen Bäckerei ihres Partners frühstücken, die er in Norwegen selbst etabliert hat. Auf der klassischen Konzertbühne ist Mari Samuelsen heute selten zu erleben, auch wenn dort ihre Wurzeln liegen. Studiert hat sie in der legendären russischen Geigenschule von Zakhar Bron. Die großen Meilensteine des Repertoires, von Beethoven, Brahms und Prokofjew hat sie dementsprechend drauf.

Ich hab natürlich meine eigene Interpretation gehabt, und mir meine eigenen Gedanken gemacht. Aber ich musste mehr machen oder was anderes machen. Und dann habe ich mich vielleicht entwickelt, neues Repertoire, andere Musiker, andere Genres, ja, so was probiert.

Deshalb spielt Mari heute ebenso selbstverständlich alte wie neue Musik, Pop wie Jazz oder Weltmusik. Und so ist Mari, ihr Deutsche-Grammophon-Debüt, wie der Name schon vermuten lässt, ein sehr persönliches Album geworden. Eine Doppel-CD sogar, weil eine nicht gereicht hätte, um all das zu spielen, was ihr auf der Seele liegt. Bach "Chaconne", "Einstein on the Beach" von Philipp Glass, "November" von Max Richter oder Musik von Peteris Vasks und Johan Johannsson - alles Lieblingsstücke von Mari, zusammen, so sagt sie, eine einzigartige Klangwelt, in der sie sich zu Hause fühlt. Ein Kontrast zum hektischen Alltag.

Ab und zu ist es genug, einfach die Musik zu genießen. Und genau das habe ich gehofft, mit diesem Album. Dass man einfach play machen kann, und dann auf diese musikalische Reise geht und sie hoffentlich genießt.

Mari Samuelsen (Foto: Pressefoto)


Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Jeden Sonntag stellen Ihnen unsere Moderatoren um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" den SR 2 KulturRadio CD-Tipp der Woche vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

Artikel mit anderen teilen