CD-Cover: The Brigitte Fassbaender Edition (Foto: CMS Source)

Sonderedition zum 80. Geburtstag von Brigitte Fassbaender

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 16.06.2019 15.20 Uhr

Ob am Londoner Covent Garden, an der Wiener Staatsoper oder an der New Yorker MET, die Fans lagen ihr zu Füßen, in Wagner-Partien ebenso wie bei Schubert-Liedern oder Mozart-Arien. Für viele Bewunderer war es deshalb ein Schock, als Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender 1995 der Bühne den Rücken kehrte, zumindest als aktive Sängerin. Für die heute 79-Jährige selbst war die Entscheidung alternativlos.

Der Beruf war mir sehr nah, er war sehr anstrengend und sehr spannend, aber es war so ne Art von kleiner Hassliebe. Mehr Liebe als Hass, aber manchmal eben durch die furchtbare Nervenbelastung, die ich leider immer gespürt habe, war da auch immer ein kleiner Hass dabei. Aber, weil ich nicht den Qualitätsverlust erleben wollte, ich wollte nicht, dass die Leute sagen, ach Gott, die war irgendwann mal besser, darum muss irgendwann mal Schluss sein.

Zumal Brigitte Fassbaender Pläne genug hatte für eine ausgefüllte zweite Karriere nach dem Singen, als Intendantin, Regisseurin und Festivalleiterin. Mit Herz und Seele ist sie der Theaterbühne nach wie vor treu, von Saarbrücken über Bregenz bis Innsbruck.

Das ist eine Passion, das ist eine Leidenschaft, ich kann es mir einfach nicht anders vorstellen. Das Leben auf der Bühne, mit der Bühne, immer wieder durch die Regie mit dem Leben im Theater konfrontiert zu sein, das ist mein Lebenselixier, ich kann es mir nicht anders vorstellen. Das ist für mich realer und wichtiger als das normale Alltagsleben.

Dementsprechend ist der Kalender für die nächsten Jahre schon gut gefüllt, unter anderem mit einem Großprojekt, der Inszenierung von Wagners Ring. Aber - davor wird erst mal ordentlich gefeiert, am 3. Juli wird Brigitte Fassbaender 80. Als Geschenk gibt‘s vom Major Label Universal eine Geburtstags-Box mit 11 CDs und damit einem Streifzug durch ihre Lied- und Opernaufnahmen, von Schubert über Richard Strauss bis Wagner und Liszt.

Das Ist ein wunderbarerer Überblick, die früheste Aufnahme ist von 63, dann die Entwicklung zu hören - also ich kann die natürlich hören, wie sich die Stimme, wie sich das Timbre entwickelt hat, das ist natürlich hoch interessant für mich, ja.

Vor allem ein Komponist hat es der gebürtigen Berlinerin und Wahl-Bayerin ihr Leben lang besonders angetan. Kein Zufall, dass seinen Liedern in der Geburtstags-Edition gleich zwei komplette CDs gewidmet sind.

Schubert war die große Liebe meines Lebens, das ist für mich die größte Erfüllung gewesen, den singen zu dürfen, zu können. Weil ich hab immer furchtbar unter Lampenfieber gelitten, mein Leben lang, aber wenn ich abends die Winterreise singen durfte, darauf habe ich mich immer gefreut.


Ebenso über die exotischeren Stücke, die sie auf der Bühne oder im Konzertsaal interpretieren durfte, von Mussorgsky, Scarlatti, Pfitzner, Dvorak oder Wolf.

Ja, das Liedersingen war für mich ja eine sehr wichtige Domäne, in den letzten 15 Jahren meines sängerischen Weges hatte sich das ja enorm intensiviert. Da bin ich sehr glücklich, dass es viele Liedaufnahmen gibt. Von der Oper ist es ganz gemischt, aber da sind auch lustige Aufnahmen drauf, der Silla aus Pfitzners Palestrina, das habe ich nie gehört, und ich bin doch so ein großer Puccini-Fan. Eine Tosca für Mezzo gibt es eben nicht, und da habe ich einmal mitgemacht, dieses kleine Ständchen in der Manon Lescaut, und das hatte ich vollkommen vergessen, dass ich das mal eingesungen habe.

"The Brigitte Fassbaender Edition" zeigt auf insgesamt elf Alben, darunter sieben legendären Alben von Deutsche Grammophon und Decca, sowie vier neuen Zusammenstellungen, die ganze Vielfalt der Interpretationskunst von Brigitte Fassbaender auf.

Dabei reicht die breite Palette von verschiedenen Lieder-Zyklen, etwa Hugo Wolfs "Mörike-Liedern" oder Modest Mussorgskys "Songs and Dances of Death", bis hin zu Auszügen aus verschiedenen Opern, darunter Richard Wagners "Tristan und Isolde" und Wolfgang Amadeus Mozarts "Cosi fan tutte". Die vier digitalen Alben umfassen Lieder von Franz Liszt und Richard Strauss und Robert Schumanns Liederzyklus "Frauenliebe und Leben" und weitere Lieder, jeweils in Begleitung von Irwin Gage, sowie die beiden Schubert-Zyklen “Die schöne Müllerin” und "Schwanengesang", jeweils mit Aribert Reimann am Klavier.

Mehr Infos auf:
https://www.deutschegrammophon.com/en/cat/4836913
https://www.klassikakzente.de/diverse-kuenstler/news-und-rezensionen/faszinierende-sonderedition-zum-80-geburtstag-von-brigitte-fassbaender-254838


Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Jeden Sonntag stellen Ihnen unsere Moderatoren um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" den SR 2 KulturRadio CD-Tipp der Woche vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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