Flötenkonzerte: August Eberhard Müller, Tatjana Ruhland (Foto: Musikverlag)

Tatjana Ruhland: August Eberhard Müllers Flötenkonzerte

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 07.04.2019 15.20 Uhr

Der Heidelberger Frühling und der Große Sendesaal des SR waren diese und vergangene Woche die wichtigsten Stationen für die Regensburger Flötistin Tatjana Ruhland. Ihre Aufgabe: die Uraufführung und CD-Produktion des neuen Flötenkonzerts von David Philipp Hefti. Bereits erschienen ist ihre jüngste Aufnahme: wiederentdeckte Flötenkonzerte von August Eberhard Müller, einem Mozart- und Beethoven-Zeitgenossen, über den es heißt, er sei einer der schönsten Männer seiner Zeit gewesen.

Nun gut, wie er ausgesehen hat, das können wir höchstens von ein, zwei Bildern, die wir noch haben, beurteilen. Da würde ich sagen, soll jeder sich selbst ein Bild von machen. Aber er muss sehr faszinierend gewesen sein, denn man hat ihn geradezu hofiert, auch wenn wir ihn heute kaum noch kennen. Wir haben es hier zu tun mit jemandem, der in Leipzig als Thomaskantor angeheuert wurde, und er war bis zum heutigen Tag der einzige, der diese Aufgabe wieder aufgegeben hat, zugunsten einer noch besseren Stelle. Er wurde nämlich von keinem geringeren als Goethe abgeworben und, da konnte man damals natürlich auf keinen Fall nein sagen.

Dort wurde er gefeiert als Dirigent, vor dem man den Hut ziehen muss. Als Kapellmeister probte er so lange und unerbittlich, bis er restlos zufrieden war.

Durchaus, ich denke, dass er ein akkurater Arbeiter war. Ich würde allerdings trotzdem sagen, den Flötenkonzerten, die ich aufnehmen konnte, haftet eine gewisse Leichtigkeit an. Man hat keineswegs das Gefühl, dass es pedantisch sei, sondern es ist eine sehr unterhaltsame Musik, die sich sehr stark an Mozart als Vorbild orientiert.

Mittwoch, 3. April 2019 | 19.30 Uhr | Stadthalle
KONZERT HEIDELBERG
im Rahmen des Festivals Heidelberger Frühling

Auch wenn das Klavier beim Komponieren im Fokus stand, hat sich August Eberhard Müller offensichtlich mit Leidenschaft und Fleiß der Flöte gewidmet, mit mindestens elf Konzerten, die inzwischen zu Tage gefördert wurden, und einigen Flötensonaten.

Einfach weil er selbst auch Flöte gespielt hat, er hat sich auch darüber geäußert, beispielsweise zum Flötenbau der damaligen Zeit. Die Flöte war ja gerade in diesen Phasen, wir reden hier vom ausgehenden 18., Beginn des 19. Jahrhunderts, die war ja durchaus großen Veränderungen unterworfen, was das Klappensystem betraf und die grundsätzliche Fertigung, und hatte sich auch sehr dafür interessiert.

Die neue CD von Tatjana Ruhland führt ihre Devise fort, neben den Repertoire-Klassikern wie Reineckes Flötenkonzert, für das es einen OPUS Klassik-Preis gab oder künftig gerne mal als Wunschprojekt Mozarts Flötenkonzerten, seltener gespielten Komponisten wie Charles Koechlin oder Mel Bonis zu mehr Popularität zu verhelfen.

Gerade die Instrumente eben, da gehört auch die Flöte dazu, die vielfältig bedacht worden sind, aber nicht als Soloinstrument stets von den einschlägig bekannten Komponisten, hat auch die Chance, etwas auf eine Plattform zu heben, wo man als Hörer sagt, mein Gott, wie wundervolle Musik, wieso kenne ich das gar nicht? Ja, kucken wir mal - wenn die Mozart-Konzerte dran sind, können wir gerne mal vergleichen mit einem August Eberhard Müller, da gibt‘s viel Ähnlichkeit.

Gerne mit der Langfassung des Interviews verknüpfen!

Flötenkonzerte: August Eberhard Müller, Tatjana Ruhland (Foto: Musikverlag)

Die neue CD:

Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim
Timo Handschuh, Dirigent
Tatjana Ruhland, Flöte

August Eberhard Müller (1767-1817)
Flötenkonzerte Nr. 1 G-Dur op.6; Nr.3 D-Dur op.10; Nr.10 G-Dur op.30

Label: cpo
Bestellnummer: 7089702

Mehr Infos auf:
http://www.tatjana-ruhland.de

Ein Thema in der Sendung "Canapé" vom 07.04.2019 auf SR 2 KulturRadio.


Die CD der Woche

Jeden Sonntag stellen wir Ihnen um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" die "CD der Woche" vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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