Daniel Röhn (Foto: Nikolaj Lund)

Daniel Röhn: The Golden Violin

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 31.03.2019 15.20 Uhr

Der Geiger Daniel Röhn brennt seit frühester Kindheit für die Musik der 1920er Jahre. Der Plattenschrank seiner Eltern, an der gerade so rankam, wenn er sich auf die Zehenspitzen stellte, war für ihn ein unerschöpflicher Schatz, insbesondere die Platten des legendären Geigers Jascha Heifetz.


"Das hat mich wahrscheinlich fürs ganze Leben geprägt, das hat mich so fasziniert, so beeindruckt, allein schon die Tatsache, dass ich gelernt habe, das selber aufzulegen, das war ja auch ein bisschen kompliziert. Und als die Musik dann kam, dieses Knistern, überhaupt diese Atmosphäre. Ich fand das unglaublich, dass ich etwas hören konnte, was vor so vielen Jahren mit einem Take in diesen Trichter eingespielt wurde. Ja - es hat eine gewisse Atmosphäre verbreitet, und das habe ich schon als Junge sehr stark gespürt."

Schon seine erste CD beim Label Berlin Classics hat sich mit dieser Zeit beschäftigt. Daniel Röhn unterwegs auf den Spuren des Geigers Fritz Kreisler, den sein Großvater, Konzertmeister der Berliner Philharmoniker in der Furtwängler-Zeit, noch persönlich kannte. Und auch der aktuelle Nachfolger ist der Musik der so genannten Goldenen 20er gewidmet.

Daniel Röhn (Foto: Harald Hoffmann)

"Eine Zeit der absoluten Extreme muss das gewesen sein. Das muss man sich mal vorstellen, dass diese ganze Musik und Literatur, die ganze Kunst, die entstanden ist, eingebettet ist in die zwei furchtbarsten Zeiten, die die Neuzeit überhaupt kennt. Das ist ja vielleicht ein Phänomen, dass in Krisenzeiten die unglaublichsten Dinge und Ideen entstehen, und in welcher Fülle das stattgefunden hat, das ist unglaublich. Bestimmt war nicht alles toll, ich weiß nicht, ob ich in dieser Zeit gerne zum Zahnarzt gegangen wäre, aber für andere Kategorien im Leben wäre ich doch ganz gerne dabei gewesen."

Dieses Gefühl vermittelt Daniel Röhn auf seiner neuen CD mit jeder Note. Mit viel Schmelz, saftigem Ton und in üppigen Arrangements lässt er den Hörer diese zum Teil auch rauschhaften, ekstatischen Zeiten voller Lebenslust, Partylaune, schillernden Roben und Autos nacherleben, in musikalisch opulenten Stücken von Kurt Weill bis Charlie Chaplin, von Rachmaninow bis Gershwin.

"Wenn Sie zum Beispiel die Filme von Charlie Chaplin ansehen, und mal auf die Musik achten, die er ja übrigens in seinem universellen Genie, wie wir alle wissen, auch noch selbst komponiert hatte, wie diese Musik gespielt ist. In einer unglaublichen Art und Weise, also wirklich in so einer exzentrischen, Steck den Finger in die Steckdose-Art-und-Weise, das ist elektrisierend und hemmungslos. Einfach die Gefühle und die Sau raulassen, und das fasziniert mich."

Cover: Daniel Röhn - Golden Violin (Foto: Musikverlag)

Daniel Röhn: The Golden Violin

Musik der 1920er Jahre von Gershwin, Rachmaninow, Heifetz, Weill und Chaplin

Württembergisches Kammerorchester Heilbronn
Case Scaglione

Berlin Classics/Edel Kultur
Bestellnummer: 0301190BC

Mehr Infos auf:
http://www.danielroehn.com

Ein Thema in der Sendung "Canapé" vom 31.03.2019 auf SR 2 KulturRadio.


Die CD der Woche

Jeden Sonntag stellen wir Ihnen um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" die "CD der Woche" vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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