Felix Klieser (Foto: Julia Wesely)

Felix Klieser: Mozarts Hornkonzerte

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 24.03.2019 15.20 Uhr

Wenn man ihn live im Konzert erlebt, dann barfuß, ohne Schuhe. Aus gutem Grund, denn mit den Zehen des linken Fußes bedient er sein Instrument, das Horn. Als Felix Klieser vor einigen Jahren als Shootingstar die Klassikszene durcheinanderwirbelte, war das Erstaunen über die besondere Spieltechnik groß. Schon mit vier Jahren war es sein innigster Wunsch, Horn zu spielen. Eine technische Herausforderung, denn Felix Klieser wurde ohne Arme geboren. Inzwischen ist die Technik perfektioniert - sein Horn ruht auf einem eigens angefertigten Ständer. Mit seinen 27 Jahren hat sich der gebürtige Göttinger längst auf dem Musikerparkett etabliert, sein Tourneeplan für die nächsten Jahre ist gut gefüllt, eine CD-Produktion folgt auf die nächste. Neu erschienen ist vor wenigen Tagen seine neue Mozart-CD mit allen vier Hornkonzerten. Für ihn die Erfüllung eines lange gehegten Traums.

Ich hatte schon sehr, sehr großen Respekt davor. Das ist schon Musik, in der sehr viel drinsteckt, in der viel auf kleinem Raum passiert, und ich hatte immer wieder das Gefühl, ich brauche noch mehr Erfahrung, ich muss das noch öfter im Konzert spielen, bevor ich das endlich aufnehme. Jetzt hatte ich so das Gefühl, dass es so weit ist. Und natürlich, dass ich die Aufnahme mit der Camerata Salzburg machen durfte, das wie kein anderes Ensemble für die Musik von Mozart geeignet ist, das ist natürlich umso schöner, und deswegen bin ich schon sehr, sehr glücklich mit der Aufnahme.

Die allerdings unter erschwerten Bedingungen entstanden ist, denn noch am Tag vor der Abreise hatte Felix 38 Grad Fieber und lag in Hannover krank im Bett.

Felix Klieser (Foto: Julia Wesely)

Ich habs auch niemanden verraten, weder meinem Management noch sonst irgendjemanden, weil ich mir dachte, die machen sich nur unnötig Sorgen. Meine Freundin hat mich dann hingefahren, von Hannover nach Salzburg, und ich hab da nur vor mich hingedöst, sonst hätte ich das wahrscheinlich auch alles gar nicht so hinbekommen. Aber es hat Gott sei Dank noch alles geklappt.

Mitten in Salzburg aufnehmen zu können, wo man noch heute Mozarts Aura überall spürt, hatte dabei für Felix Klieser natürlich eine besondere Bedeutung.

Wer schon mal in Salzburg war, weiß, dass es schon an der Grenze des Kitschigen ist, was die Beziehung Mozart und Salzburg angeht. Es gibt ja nichts, was es nicht von Mozart gibt! Aber was sehr schön war, ich bin jeden Morgen vom Hotel - wir haben die Aufnahme im Großen Saal des Mozarteum aufgenommen - und ich bin jeden Morgen am Wohnhaus vorbeigelaufen, das war schon interessant, weil man weiß, hier hat Mozart gelebt für ne gewisse Zeit, und jetzt gehe ich in den Saal, und nehme dort seine Musik auf, das ist schon was Besonderes.

In jedem der vier Konzerte spürt man die enge Beziehung zwischen Mozart und dem Widmungsträger Joseph Leutgeb, einem der besten Hornisten der Zeit. Die beiden müssen sich nicht nur gut gekannt, sondern auch liebend gerne gefoppt haben.

Mozart hat doch sehr viele, sehr derbe Späße mit Leutgeb getrieben. Da gibt es im zweiten Hornkonzert im dritten Satz eine Passage, die auf Naturhorn sehr schräg und krumm klingt, als ob der Hornist nicht richtig geübt hätte. Und Mozart fand das sehr lustig, und hat die ersten Geigen ein Lachen imitieren lassen, also die Geigen lachen den Solisten aus, und solche Späße gibt es da am laufenden Band. Zum Teil stehen da in den Noten diverse Beschimpfungen, er sei ein infames Schwein, weil er nichts zu Ende bringen würde. Es ist auch eine sehr derbe Sprache, die Mozart verwendet, also die Freundschaft muss sehr intensiv gewesen sein. Wer Lust hat, kann sich das mal im Internet durchlesen, das ist sehr interessant.


Wolfgang Amadeus Mozart:
Hornkonzerte 1 - 4

Camerata Academica Salzburg
Felix Klieser, Horn

Label: Berlin Classics
Labelcode: 06203
Vertrieb: Edel:Kultur
EAN: 885470011882

Mehr Infos auf:
http://felixklieser.de/

Cover Felix Klieser Mozart Horn Concertos (Foto: Berlin Classics)


Konzert-Tipp:

Sonntag, 31. März, 11 Uhr
Montag, 1. April, 20 Uhr
Congresshalle Saarbrücken

Saarländisches Staatsorchester
Jean-Yves Ossonce, Dirigent
Felix Klieser, Horn

Auf dem Programm:

Carl Maria von Weber
Ouvertüre aus der Oper "Oberon"

Richard Strauss
1. Hornkonzert Es-Dur

Gabriel Prokofiev
Carnet de Voyage (2015)

Albéric Magnard
Sinfonie Nr. 4 op. 21

Mehr Infos auf:
https://www.staatstheater.saarland/nc/konzerte/sinfoniekonzert/detail/5-sinfoniekonzert-1/