Iveta Apkalna Light & dark (Foto: Musikverlag)

Iveta Apkalna: "Light & dark"

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 17.03.2019 15.20 Uhr

Sie weiß, wie es sich anfühlt, im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Mit 16 Jahren saß sie in ihrer lettischen Heimat an der Orgel, als Papst Johannes Paul II. auf Lettlandbesuch war. Spätestens seit diesem Moment war Iveta Apkalna klar, dass die Orgelbank ihre berufliche Heimat werden würde. Seit einigen Monaten ist die 32-jährige Titularorganistin im derzeit wohl berühmtesten Konzertsaal der Welt: der Hamburger Elbphilharmonie. An den Moment, als sie erstmals die Tasten berührte, erinnert sie sich bis heute immer wieder gern.

Ich weiß, welche Temperatur an dem Tag war, was ich anhatte. Ich weiß alles, das war wirklich so wie beim ersten Mal einen Geliebten zu treffen. Es war 30. Mai 2016, als ich die ersten Töne da spielen konnte. In diesem Moment wurde auch ein bisschen musikalische Seele in den Raum gepustet. Es war eine Taufe, nicht nur der Orgel, sondern des Saales.

Iveta Apkalna (Foto: Peter Hundert)

Iveta Apkalna liebt den besonderen Sound der Klais-Orgel mit ihren vier Manualen, 69 Registern und 4765 Pfeifen, an der 45 Orgelbauer 25000 Stunden gearbeitet haben. Er bietet unendlich viele Möglichkeiten für Repertoire von Bach bis Ligeti und legt sich, so sagt sie, sanft wie Seifenschaum um die Ohren. Anders als in der Kirche auf der Empore, fernab der Blicke des Publikums, sitzt Iveta Apkalna an ihrem frei platzierbaren Spieltisch der Elbphilharmonie-Orgel am liebsten mitten auf der Bühne. Die trockene Akustik, ohne Hall, kommt der blonden, zierlichen Schönheit, über die schon in der Vogue berichtet wurde, entgegen.

Das ist das, was ich extrem liebe, was ich sehr, sehr mag, dass wirklich alles, was in den Noten steht und was ich als Organistin eingeübt habe, kann ich auch in diesem Konzertsaal klingen und auch hören lassen. Man muss nicht nur sehr gut vorbereitet sein, sondern absolut perfekt und exzellent alles beherrschen. In einer Kirchenakustik verschwimmen schon manche Fehler, aber in einem Konzertsaal ist alles wie durch die Lupe zu sehen und zu hören, und das ist das, was ich sehr schätze.

Um ihre erste CD mit Werken von Janacek bis Gubaidulina an der Philipp Klais-Orgel der Elbphilharmonie aufzunehmen, musste sie warten, bis sich der Abendbetrieb gelegt hat. Vier Nächte infolge, von Mitternacht bis sechs Uhr morgens, verbrachte sie dafür im Saal.

Das war wirklich sehr anstrengend, natürlich, vor allem, wenn man weiß, dass man auf einer Aufnahme best of the best geben muss. Aber gleichzeitig, wenn man diese Ruhe hat und man weiß, dass nur ich und der Tonmeister und Ingenieur im Saal sind, und keiner uns stört, weder physisch noch emotional, wir sind einfach da und es ist unsere Welt, und wir kreieren was besonders, habe ich eigentlich, obwohl es sehr schwierig war und ich immer sehr müde danach war, es tatsächlich sehr genossen, nachts aufzunehmen.

Iveta Apkalna (Foto: Peter Hundert)

"Light and dark" ist der Titel der CD - anspielend auf den Kontrast der schwarzen Orgel im hellen Saal, und auf die musikalisch sehr unterschiedlichen Facetten.

mit Schostakowitsch, dem ganz robusten und sehr lauten Anfang, der nach einer Minute zum piano, pianissimo, also zum leisesten Klang der Orgel wechselt, so dass man nachchecken muss, ob der CD Player noch funktioniert. Diese Überraschungen und Kontraste weiter im Programm zu erzählen, war mir wichtig. Deshalb gibt es auch als zentrales Werk Sofia Gubaidulinas „Hell und Dunkel“, und als  wunderschönen Ausklang Musik aus meiner Heimat, die eigentlich, obwohl es Musik des 21. Jahrhunderts ist, sehr romantisch und beruhigend klingt.

Mehr Infos auf:
http://www.apkalna.com
https://www.youtube.com/watch?v=8ow6VPiiPSY
https://www.youtube.com/watch?v=fBwLxXsPdiI

Die neue CD:

"light and dark" - Iveta Apkalna an der Klais-Orgel der Hamburger Elbphilharmonie

Mit Werken von Dmitrij Schostakowitsch, Thierry Escaich, Leoš Janáček, Sofia Gubaidulina, György Ligeti, Aivars Kalējs und Lūcija Garūta

Label: Berlin Classics/Edel Kultur
Bestellnummer: 0301074BC

MusikWelt vom 2. März 2019
"Der Klang umarmt den Körper"
Ein Interview mit der Lettin Iveta Apkalna,Titularorganistin der Elbphilharmonie, stand am 2. März im Mittelpunkt der SR 2-MusikWelt.


Die CD der Woche

Jeden Sonntag stellen wir Ihnen um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" die "CD der Woche" vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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