Nina Reddig (Foto: Yoko Jungesblut)

Nina Reddig: "De profundis"

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 13.01.2019 ca. 15.20 Uhr

Sie steht mit dem Münchener Schauspieler Michael Mendl auf der Bühne, ebenso gerne mit Tänzerinnen, Kammermusikpartnern oder Orchestern. Die Geigerin Nina Reddig. Ihr eigenes Festival in ihrer Wahl-Heimatstadt Langenberg ist das Herzstück ihrer Arbeit, wo sie neben der Musik auch Ruhe findet.

Nina Reddig in der SR 2-MusikWelt
"Die Geige ist für mich ein Körperteil"
Nina Reddig zeigt auch auf ihrer neuen CD "de profundis" ihre musikalische Vielseitigkeit. Gabi Szarvas hat mit ihr für die MusikWelt-Ausgabe vom 4. Januar über diese Aufnahmen mit Musik von Johann Sebastian Bach und Béla Bartók gesprochen.

Ich kuck immer, dass ich auch Leerlauf hab, das kann man ja nicht so gut haben, wenn nichts ist. Dass man auch mal ein paar Stunden hat, wo man gar nichts zu tun hat, das finde ich total wichtig. Und der Wald ist vor der Haustür, da hole ich mir so meine Kraft.

Die braucht die ARD-Wettbewerbspreisträgerin auch für ihren turbulenten Musikeralltag. Die Geige ist ihre tägliche Begleiterin, seit frühester Kindheit.

Mein Vater ist Fliesenleger, ich komme also aus einer richtigen Arbeiterfamilie aus dem Sauerland. Es gab aber ein Klavier, meine Eltern haben Musik gemacht, wir waren sehr religiös, es gab immer Volkslieder und Kirchenlieder zu Hause. Ich habe dann meine Cousine spielen hören, die hat Geige gelernt, zu Weihnachten. Das hat mich so erschüttert, mit drei Jahren. Da habe ich gewusst, das will ich auch lernen, da war's um mich geschehen.

Der typische Lebensweg führte sie auf das Jugend Musiziert-Podium, erst ins Landes- später ins Bundesjugendorchester, und mit 23 zu ihrer ersten Orchesterstelle in Aachen. Heute unterrichtet Nina Reddig in Bremen, spielt viel Kammermusik und Solo-Recitals. Gerade an diesem Wochenende wieder beim Festival in St. Goar, mit Stücken ihrer neuen CD "de profundis", von Bach und Bartok.

Diese Werke haben mich das ganze Studium begleitet, und auch danach noch begleitet. Da ist so eine innige Partnerschaft zu den Stücken gewachsen, dass ich dachte, ich muss die unbedingt aufnehmen. Und ja - jetzt ist es so weit.

Bachs Chaconne aus der Partita d-moll kombiniert Nina Reddig zum einen mit Bartoks extrem schwieriger und herausfordernder Solosonate.

Ich liebe, die Grenzbereiche auszuloten, emotional, geigerisch, technisch und seelisch, und auch ästhetisch. Beim Bartok kann man auch stilistisch an die Grenzen gehen, also da hat man eine große Spielwiese. Das ist so immens großartig, man kann das kaum fassen, welche innere Weite, welche innere Unabhängigkeit Bartok hatte, so kreativ zu sein.

Und auch Bartoks Rumänische Volkstänze hat Nina Reddig mit aufgenommen - in einer Fassung für Geige und Harfe.

Erstens gibt es das mit Harfe nicht aufgenommen, und das ist ja der Ursprung. Die Volksmelodien sind ja eigentlich Bartoks Seele. Das ist ganz wichtig zu zeigen, dass er von dort aus seine Formensprache entwickelt hat, und da seinen eigenen Weg gegangen ist. Und diese Tänze, die sprühen ja nur so, das hat so eine Kraft und Energie, die er auch weiterentwickelt, und in die extremen Höhen geht dann damit.

Nina Reddig - CD-Cover (Musikverlag) (Foto: Musikverlag)

Die neue CD "de profundis":

Werke für Violine Solo von Béla Bartók und Johann Sebastian Bach
Béla Bartók: Sonate für Solovioline (1944)
Johann Sebastian Bach: Ciaccona aus der Partita Nr. 2  d-Moll BWV 1004
Béla Bartók: Rumänische Volkstänze (Bearbeitung für Violine und Harfe) *Ersteinspielung

Nina Reddig, Violine
Miriam Overlach, Harfe

gwk Records

Mehr Infos unter:
https://www.ninareddig.com


Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Jeden Sonntag stellen Ihnen unsere Moderatoren um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" den SR 2 KulturRadio CD-Tipp der Woche vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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