Elsa Dreisig (Foto: Warner Classics/Simon Fowler)

Elsa Dreisig: "Miroirs"

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 30.12.2018 ca. 15.20 Uhr

Sie ist 27, sprüht vor Charisma und Temperament, und singt sich derzeit mit glockenhellem, strahlendem, flexiblen Sopran in die Herzen ihrer Fans und Kollegen. Simon Rattle und Daniel Barenboim gehören zu ihren Förderern, die Bühnen in Lissabon und München sind ebenso ihr zu Hause wie Salzburg und Berlin. Nicht zufällig hat das renommierte Musikfach-Magazin FonoForum ihr die Titelstory der Januar-Ausgabe gewidmet. Elsa Dreisig, Französin mit dänischen Wurzeln, ist eine Entdeckung. Aber trotz steiler Karriere nach wie vor sehr selbstkritisch.

Elsa Dreisig (Foto: Warner Classics/Simon Fowler)
Elsa Dreisig

Perfekt zu sein bedeutet, dass alle gleich sind. Und so kann man nicht einzigartig sein! Und das bedeutet auch, sich selbst zu verstehen: was mag ich? Was will ich? Nicht unbedingt - was möchten die anderen von mir. Da kann man schon ein bisschen den Boden verlieren, weil der Druck ist schon sehr hoch. Heute muss man auch so viel mit Medien machen, Foto, Video. Man muss schön sein! Für mich, was sehr wichtig ist, ist, meine Stimme immer zu erneuern und zu finden. Meine Stimme ist ja meine Kunst, und ich weiß, es wird nie ein Objekt, das fertig ist.

Das Konzept für ihre erste CD kam ganz von selbst, erzählt Elsa Dreisig. Und somit auch der rote Faden zwischen all den vielen Opernarien, die sie liebt. Miroirs steht nicht nur für den Spiegel, vor dem sie selbst immer gesungen hat, sondern spiegelt auch Frauenfiguren der Opernliteratur. Die Gräfin bei Mozart und Rossini oder Salome bei Massenet und Strauss.

peu à peu eigentlich ist dieses Konzept entstanden, und auch diese Frage über l'apparence, wie man ausieht, und wer man ist. Was sieht man von uns, was möchten wir selbst von uns zeigen. Und ich dachte, o.k., diese Fragen kann ich auch stellen auf diesem ersten Album, mit diesen verschiedenen Frauencharakteren

Sogar zwei Ersteinspielungen hat Elsa Dreisig mit auf die CD gepackt - Arien, die das Palazetto Bru Zhane ausgegraben und ihr zur Verfügung gestellt hat. Die Originalfassung der letzten Juliette-Arie von Gounod, in der sie das Gift zu sich nimmt, und die gleiche Szene des Berliner Beethoven-Zeitgenossen Daniel Steibelt. Musik, die Elsa Dreisig auf ganz unterschiedliche Art fordert - ganz bewusst.

Renée Fleming hat viel Strauss und Mozart gesungen, und man erinnert sich an sie für ihre Comtessa. Anna Netrebko singt viel Verdi und Puccini. Und es ist wichtig, dass ich auch selbst irgendwann meine eigene Visitenkarte finde. Aber gerade wo ich jetzt bin, muss ich so viel erfahren und probieren, und ich habe Lust, meine Stimme wie Gymnastik zu trainieren, und das bedeutet: Mozart, barock, klassisch, romantisch und auch moderne Musik zu singen, und immer mit Natürlichkeit.

Cover: Elsa Dreisig - Miroirs (Foto: Musikverlag)

Die neue CD:

"Miroirs" - Spiegelbilder starker Frauen

Elsa Dreisig, Sopran
Orchestre national Montpellier Occitanie Pyrénées Méditerranée
Michael Schönwandt, Leitung

Label: Erato (Warner Classics)
Bestellnummer: 0190295634131

Gounod – Faust: Juwelenarie „Les grands seigneurs…/Ah je ris de me voir si belle“ (Marguerite)
Massenet – Thaïs: Spiegelarie „Ah je suis seule…/Dis-moi que je suis belle“ (Thais)
Puccini – Manon Lescaut: „In quelle trine morbide“ (Manon)
Massenet – Manon: „Allons, il le faut!… / Adieu notre petite table“ (Manon)
Steibelt – Roméo & Juliette: „Je vais donc usurper les droits de la nature… / Un pouvoir inconnu m’entraîne“ (Juliette)
Gounod – Roméo & Juliette: Air du poison: „Dieu! Quel frisson… / Viens! Ô liqueur mystérieuse“ (Juliette)
Rossini – Il barbiere di Siviglia: „Un voce poco fa“ (Rosina)
Mozart – Nozze di Figaro: „Porgi, amor“ (Contessa)
Massenet – Hérodiade: „Celui dont la parole efface toutes peines… / Il est doux il est bon“ (Salomé)
Strauss – Salomé: Schlussszene: „Ah! Tu n’as pas voulu…“ (Salomé)

Mehr Infos unter:
http://www.hainzl-delage-artists-management.at/de/kuenstler/elsa-dreisig/biographie/


Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Jeden Sonntag stellen Ihnen unsere Moderatoren um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" den SR 2 KulturRadio CD-Tipp der Woche vor.

Redaktion: Gabi Szarvas