Cover: Mendelssohn Kammerchor Stuttgart (Foto: Musikverlag)

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Jauchzet, dem Herrn, alle Welt

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 02.12.2018 ca. 15.20 Uhr

Zum 50. Geburtstag des Stuttgarter Kammerchores

Geistliche Chormusik

Kammerchor Stuttgart
Frieder Bernius

Carus 83.491
Doppel-CD
edition chrismon/SWR2

Portait von Frieder Bernius  (Foto: Jens Meisert)
Frieder Bernius

Für Frieder Bernius war dieses Jahr ein turbulentes, in dem es jede Menge zu feiern gab: den eigenen 70. Geburtstag, den 50. seines Stuttgarter Kammerchores und die 100. CD, die veröffentlicht wurde. Die Musik ist für ihn mehr als nur ein Job - sie ist Lebensaufgabe und vor allem eines: alternativlos.

Da halte ich es mit Nietzsche: Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. Schon mit 14 Jahren wusste ich, dass ich Musik studieren möchte und dass ich ohne Musik nicht leben könnte.

Frieder Bernius ist ein Vollblutmusiker, der zwischen Proben, Konzerten und Aufnahmesessions im Studio hin- und her switcht, sich tief in Partituren vergräbt, und dazwischen immer wieder verschollene Werke zum Klingen bringt. Wie fühlt es sich an, ein halbes Jahrhundert so intensiv für die Musik gelebt zu haben?

Ja, ein gewisser Stolz ist da, ein gewisses Gefühl, dass was vollbracht ist. Aber auf der anderen Seite auch sehr viel Überlegung, was jetzt noch kommt, was man jetzt noch machen soll. Das ist auch immer schwierig, wenn man schon bisschen was gemacht hat, möchte man sich nicht wiederholen, sondern immer wieder was Neues finden, und da sind wir dabei.

Das glaubt man dem umtriebigen Musiker aufs Wort. Die Repertoire-Palette des Stuttgarter Kammerchores reicht von Bach und Beethoven über Jommeli und Holzbauer bis zu zeitgenössischen Werken, zum Beispiel von Ligeti. Für jede Epoche stellt Frieder Bernius den passenden Chor sorgfältig aus seinem Sänger-Pool zusammen.

Foto von Kammerchor Stuttgart (Foto: Jens Meisert)
Kammerchor Stuttgart

Mir ist es wichtig, viele verschiedene Stile möglichst gleich gut beherrschen zu können. Das kann ich mit so einem Ensemble ganz gut, das jedes Mal für jedes Projekt ganz besonders  zusammengestellt wird. Es gibt keine feste Anzahl von Sängern. Für neue Musik brauche ich nur 16, für Alte Musik nur 20, für oratorische Musik insgesamt 40. Das ist das Besondere, dass wir das anpassen können.

Mit inzwischen 70 Jahren denkt der Gründer und Leiter der drei Stuttgarter Ensembles Hofkapelle, Barockorchester und Kammerchor noch lange nicht ans Aufhören, das Jubiläumsjahr war so turbulent wie die 49 Jahre davor. Dass er mit seinen drei Ensembles ein wichtiges Kapitel Musikgeschichte mitgeschrieben hat, steht außer Frage. Der Stuttgarter Kammerchor gehört heute zu den besten und flexibelsten Ensembles weltweit, perfekt intoniert und ausbalanciert. Jede einzelne Stimme zählt und formt den einzigartigen, unverwechselbaren Klang. Dafür sorgt Frieder Bernius nach wie vor als strenger, unerbittlicher Chorerzieher, aber auch als Seele seines Ensembles.

Was mir besonders wichtig ist, und ich glaube, das ist auch gelungen: Erstens - die musikalische Arbeit muss sehr zufriedenstellend sein. Das Zweite ist: Die Leute müssen sich sehr gut verstehen, und das gelingt mir oft. Und das dritte ist: Es muss auch außerkünstlerische Reize geben. Wir waren jetzt mit 28 Leuten in China, im August, haben dort acht Konzerte gemacht. Diese Verbindung, Kunst, menschliches Verständnis und Attraktionen, wie es eine China-Tournee natürlich ist, dieser Dreiklang ist mir am wichtigsten.

Portait von Frieder Bernius  (Foto: Jens Meisert)
Frieder Bernius

Frieder Bernius und sein Stuttgarter Kammerchor - eine untrennbare Einheit und ein Ensemble auf höchstem Niveau, das aus der deutschen Chorlandschaft längst nicht mehr wegzudenken ist. Der 50. Geburtstag  wird u. a. auch mit einer Doppel-CD gefeiert: eine Sammlung von geistlichen Chorwerken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, erschienen beim Carus Verlag.

Das ausführliche Interview mit Frieder Bernius hören Sie am Samstag, 8. Dezember, ab 11:20 Uhr in der SR 2 MusikWelt.


Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Jeden Sonntag stellen Ihnen unsere Moderatoren um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" den SR 2 KulturRadio CD-Tipp der Woche vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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